Auf ein Wort
Hosianna

Heidrun Greine, Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Paderborn

Heidrun Greine, Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Paderborn

Ganz viele Menschen gehen auf die Straße. Sie rufen gemeinsam Parolen, und sie sind fröhlich dabei. Sie merken: ich bin nicht allein mit meinem Anliegen, da sind noch andere, die auch bewegt werden vom Schicksal unserer Erde und der Menschen darauf, und sie alle verstehen sich als Gemeinschaft. Da ist ganz viel Hoffnung auf Veränderung. Heute ist das wieder möglich, die aktuellen Demonstrationen der Schülerinnen und Schüler an den Freitagen zeigen uns das. Diese Begeisterungsfähigkeit ist schön, und ich halte diesen Ausdruck des politischen Engagements für äußerst begrüßenswert. Ich wünsche für diese Bewegung Durchhaltevermögen und Nachhaltigkeit.

Vor 2000 Jahren begrüßte eine begeisterte Menschenmenge Jesus, als er nach Jerusalem kam. Wir können die Geschichte in den Evangelien in der Bibel nachlesen. Die Menschen haben von einem gehört, der sie von ihren Sorgen befreien kann, einer der Krankheiten heilt und Ausgestoßene wieder in die Gemeinschaft aufnimmt. Diesem Retter jubeln sie zu und rufen: Hosianna – Hilf doch! Die hebräische Form des Namens Jesus, Jehoschua, d.h. Gott ist Rettung, ist mit diesem Ausruf verwandt. Ist das ein Zufall? Am kommenden Sonntag feiern die Christen diesen Einzug in Jerusalem. Wir nennen den Sonntag Palmsonntag, weil die Menschen den Weg mit Kleidern und Palmwedeln ausgelegt haben, wie zum Empfang eines Königs. Aber die Geschichte Jesu endet am Kreuz und nicht auf einem Thron. So haben die Menschen sich ihre Rettung nicht vorgestellt. Sie waren weiterhin arm und unterdrückt. Dieser Jesus hat die Menschen gewaltig enttäuscht. So sehr, dass diese später „Kreuzigt ihn“ rufen werden.

Noch heute glauben viele Menschen an die Kraft seiner Botschaft. Jesu Auferstehung an Ostern ist der Kern christlichen Glaubens. Können wir heute noch Hosianna rufen? Ich glaube, das können und das sollten wir. Hilf doch! In dieser Welt der Ungerechtigkeit und Zerstörung. Hilf doch! Wenn wir die Schöpfung zerstören. Hilf doch! Wenn wir Menschen leiden lassen. Und wie soll er helfen? Das haben wir schon erlebt und können es hoffentlich immer wieder. Menschen setzen sich für andere ein, sind beharrlich und geduldig und tolerant gegenüber anderen und sie tun sich zusammen mit anderen Menschen, die ebenfalls Gutes bewirken wollen. Deshalb sollten wir nicht aufhören gemeinsam Hosianna zu rufen.

Heidrun Greine, Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde Paderborn

Der Beitrag ist erschienen in der Reihe „Auf ein Wort“ in der Neuen Westfälischen Paderborn am Freitag, 12. April 2019.

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