Elke Hansmann, Pfarrerin der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Elsen

Elke Hansmann, Pfarrerin der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Elsen

Es ist gute Tradition am Ende eines Jahres auch im persönlichen Leben Bilanz zu ziehen. Bei den einen fällt diese Bilanz positiv aus, bei anderen ist mehr in der Negativ-Spalte zu verbuchen. Da hat sich die neue Stelle als nicht so gut herausgestellt wie erhofft. Da ist der Umgang mit dem Kind in der Pubertät weit aus schwieriger als gedacht. Da ist die Frage, ob die Beziehung hält, immer noch offen und es sieht nicht gut aus. Da hatte man sich vorgenommen mehr für die eigene Gesundheit und Fitness zu tun, ist aber mal wieder an den eigenen Zielen gescheitert. An all dem ist nichts mehr zu ändern. Also ein Schlussstrich darunter gezogen und neu gestartet. Denn es ist ebenso Tradition mit guten Vorsätzen aller Art ins neue Jahr zu starten: Mehr Zeit für die Kinder nehmen, mindestens einmal in der Woche zum Sport gehen, beruflich sich stärker engagieren, mehr Aufmerksamkeit für die Beziehung aufbringen usw. Alles soll besser werden.

Es geht ja auch um viel. Es geht um Anerkennung und Wertschätzung des eigenen Lebens durch mich selbst und durch andere. Heute sind doch Superstars und Siegertypen gefragt, ein selbstbewusstes Auftreten und die Demonstration von Stärke. Das führt für viele jedoch in eine Überforderung, manchmal bis zum in letzter Zeit so oft genannten „Burn-out“. Das ist ein Kraftakt, der bewältigt werden will und an dem manch einer scheitert.

Auch der Apostel Paulus stand unter Druck. Man warf ihm vor, seine Berufung sei nur vorgetäuscht, ihm fehle ein kraftvolles Auftreten, Redegewandtheit und auch spirituelle Fähigkeiten. Es gab Konkurrenten in Korinth und gegen die galt es sich durchzusetzen.

Immer wieder bat Paulus daher im Gebet um entsprechende Stärke. Doch seine Bitte wurde nicht erfüllt, sondern die Antwort Jesu lautet: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Dieses Wort aus dem 2. Korintherbrief (12,9) ist die Losung, also sozusagen das Motto für das Jahr 2012. Für mich bedeutet es, dass ich vor Gott und für Gott kein Superstar sein muss. Gott liebt die Verlierer nicht weniger als die Sieger. Er liebt uns in unseren Schwächen und unseren Stärken. Wenn ich mir das bewusst mache, dann liegt darin etwas Tröstliches und Befreiendes. Es macht mich gelassener, auch im Blick auf das neue Jahr. Denn das wird so sein wie immer: Manches wird gelingen und manches nicht. Es wird Erfolge geben und Niederlagen, Verluste und Gewinne. Ich werde wieder den einen oder anderen Vorsatz fassen, auch in dem Bewusstsein, dass ich nicht alles schaffen werde. Doch das ist nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass ich den Zuspruch Jesu nicht vergesse: „Lass es dir genügen, dass dir meine Liebe gilt. Ich werde dir die Kraft schenken, die du brauchst.“

Ich wünsche Ihnen allen ein gutes und segensreiches neues Jahr 2012.

Der Beitrag ist in der Kolumne "Auf ein Wort" in der Neuen Westfälischen Paderborn am 30.12. veröffentlicht.
 

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© Ev. Kirchenkreis Paderborn 30.12.11