Pfarrerin i.E. Dr. Uta Wiggermann

Pfarrerin i.E. Dr. Uta Wiggermann (mit Stellenanteilen in der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Elsen und in der Krankenhausseelsorge im St. Vincenz-Krankenhaus)

Wann haben Sie zum letzten Mal gebetet?
Vielleicht erst gestern Abend oder im Laufe des heutigen Tages, vielleicht aber auch schon vor langer Zeit. Mag sein, dass Sie sich gar nicht mehr genau erinnern können.

Denn so schnell vergeht die Zeit! Mitte der nächsten Woche beginnt bereits der Februar - ein ganzer Monat des neuen Jahres liegt dann hinter uns.
Was ist in den fast vier Wochen, die das neue Jahr heute währt, nicht alles geschehen! Von Glückhaftem und Leidvollem in der weiten Welt berichten uns die Nachrichten. Und Glückhaftes und Leidvolles betrifft immer einzelne, persönliche Menschenleben.

Auch jede und jeder einzelne von Ihnen hat in diesen Wochen seine eigenen Erfahrungen gemacht: vielleicht Erfahrungen von Freude oder Unbeschwertheit, Erleichterung oder Zufriedenheit, vielleicht aber auch Erfahrungen von Sorgen oder Traurigkeit, Hilflosigkeit oder Verletztsein.

Die Zeit, die wir erleben, ist nicht einfach die Summe der vorüberziehenden Stunden. Sondern die Zeit, die wir erleben, ist gefüllte Zeit, weil sie von Gott begleitet ist. In allem, was uns bewegt, sind wir nicht alleingelassen. Wir können uns im Gebet zu jeder Zeit an Gott wenden - mit eigenen Worten oder mit geprägten Texten, wie zum Beispiel dem Vaterunser. Die Psalmen im Alten Testament geben ein eindrucksvolles Zeugnis verschiedenster Glaubenserfahrungen: Man kann loben und danken, aber auch klagen und bitten. Was hat mich in der letzten Zeit beglückt, worunter habe ich gelitten? Mit welchen Gefühlen gehe ich in die restlichen elf Monate des Jahres? Was bewegt mich an den Nachrichten, die jeden Tag durch die Zeitung und das Fernsehen zu mir gelangen?

Das Gebet schenkt Ruhe, weil der tägliche Stunden-Alltag zu einer erfüllten Zeit wird. Es kann an ganz unterschiedlichen Orten in den Alltag kommen: als spontanes Stoßgebet, als Tischgebet, als Gebet vor dem Einschlafen.
Vielleicht mögen Sie sich in der nächsten Woche zum Beginn des neuen Monats einmal selbst fragen: Wann habe ich zum letzten Mal gebetet?

Der Text ist in der Neuen Westfälischen Paderborn in der Kolumne „Auf ein Wort“ am 28. Januar veröffentlicht.
 

Seite drucken       

© Ev. Kirchenkreis Paderborn 28.01.12