Bad Lippspringe: 4. Nacht der offenen Kirchen
Begeisternder Abend mit assyrischer Kultur
Farbenfroh: Die assyrische Folkloregruppe Ishtar trat Pfingsten bei der Nacht der offenen Kirchen im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe auf. FOTO: OLIVER CLAES
Bad Lippspringe (ekp). Einen „begeisternden Abend, der zu Pfingsten
passt“ hatte Pfarrerin Antje Lütkemeier den Besuchern gewünscht. An
Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes, das auch als Geburtstag der Kirche
gefeiert wird, fand zum vierten Mal die Nacht der offenen Kirchen statt. Mit
dabei war auch wieder die Evangelische Kirchengemeinde Bad Lippspringe, die
zu einem „Assyrischen Abend“ eingeladen hatte.
Rund 200 Interessierte wandelten am Pfingstsonntag bis Mitternacht zwischen
Evangelischer Kirche und Gemeindehaus. Sie erlebten assyrische Kultur wie
Tänze und Gesänge und ließen sich assyrisches Essen schmecken. In Vorträgen
sowie einer kleinen Ausstellung konnten sie sich über die Geschichte und
Kultur der assyrischen Christen informieren.
Viel Beifall gab es für die Folkloregruppe Ishtar und den Chor Bethnahrin.
Die Tänzerinnen und Tänzer in farbenfrohen Kostümen regten die Zuschauer zum
Mittanzen zu orientalischen Klängen an. Der Chor unter Leitung von Babylonia
Georgia, der erst vor einem halben Jahr gegründet wurde, sang Lieder in
Aramäisch, der Sprache Jesu, die bis heute von den assyrischen Christen
gesprochen wird. Dazu gehörte auch das Vater Unser bei der ökumenischen
Andacht zum Abschluss des Abends, die Pfarrerin Antje Lütkemeier und Pfarrer
Ibrahim Araz von der syrisch-orthodoxen Gemeinde St. Aho (Paderborn)
hielten.
Gestaltet hatte den Abend der Assyrisch-Deutsche Verein der seit über 25
Jahren in Bad Lippspringe lebenden Assyrer. Ihre Heimat in Ländern des Nahen
Ostens wie Irak, Iran, Syrien, Türkei oder Libanon mussten die assyrischen
Christen verlassen, weil sie religiös verfolgt wurden. Sie gehören unter
anderem der syrisch-orthodoxen Kirche an. Gegenwärtig leben rund 40
assyrische Familien mit 150 Menschen in Bad Lippspringe. Bundesweit sind es
90.000. Mehr als eine Million der weltweit über vier Millionen Assyrer leben
in der Diaspora, erläuterte Nuri Ayaz.
In seinen Vorträgen erzählte Nuri Ayaz von der langen Geschichte der
Assyrer, deren geschichtliche Wurzeln über 7000 Jahre zurückreichen,
erinnerte an dunkle Kapitel wie den Völkermord an Assyrern, Armeniern und
Griechen im Jahr 1915 in der Türkei und berichtete über aktuelle
Verfolgungen von Christen im Irak und den Rechtsstreit um die drohende
Enteignung des syrisch-orthodoxen Klosters Mor Gabriel – „unser zweites
Jerusalem“ – in der Türkei. Aber auch Rückkehrprojekte für assyrische
Christen konnte er vorstellen, da sich die Situation im Südosten der Türkei
etwas verbessert habe, so Ayaz.
© Ev. Kirchenkreis Paderborn 01.06.09