Reformationstag heißt: „An gemeinsame Geschichte erinnern“

BESUCH Präses Annette Kurschus im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn

Nach dem Empfang im Historischen Rathaus Paderborn fand Präses Annette Kurschus (Mitte), hier mit Superintendentin Anke Schröder an ihrer Seite, noch Zeit, mit Bürgermeister Heinz Paus (rechts) einen kurzen Rundgang durch die Paderborner Innenstadt zu machen. FOTOS: HEIDE WELSLAU

Nach dem Empfang im Historischen Rathaus Paderborn fand Präses Annette Kurschus (Mitte), hier mit Superintendentin Anke Schröder an ihrer Seite, noch Zeit, mit Bürgermeister Heinz Paus (rechts) einen kurzen Rundgang durch die Paderborner Innenstadt zu machen. FOTOS: HEIDE WELSLAU

Begegnung und Austausch in Bad Lippspringe: Präses Annette Kurschus (2. v. r.) geht auf Bürgermeister Andreas Bee (2. v. l.) zu. Im Gespräch ging es unter anderem um den Stand der Planungen zur Landesgartenschau 2017 und um die Ökumene vor Ort. Teilnehmer waren auch (v. l.) die Vorsitzende des „Ökumene-Treffs – Eine Welt e.V.“, Pfarrerin Christel Schuchardt, Gemeindepfarrer Detlev Schuchardt, Superintendentin Anke Schröder und Gemeindepfarrerin Antje Lütkemeier.Ein Blick in die schöne, von innen modern gestaltete Evangelische Kirche in Bad Lippspringe: (v. l.) die persönliche Assistentin der Präses, Frauke Hayungs, Präses Annette Kurschus, (hinten) der Pressesprecher der Landeskirche, Andreas Duderstedt, und Superintendentin Anke Schröder.Vor dem „Ökumenischen Treff – Eine Welt - Bad Lippspringe e.V.“: (v. l.) Superintendentin Anke Schröder, Präses Annette Kurschus und  Pfarrerin Christel Schuchardt, Vorsitzende des Vereins.

Im „Ökumenischen Treff – Eine Welt e.V. “ in Bad Lippsringe, der viel mehr bietet als fair gehandelte Waren. Das erfahren bei ihrem Besuch: (v. l.) Superintendentin Anke Schröder, Präses Annette Kurschus und die Ortsdezernentin, Landeskirchenrätin Martina Deutsch, die die Präses u. a. begleitete.Bedankt sich für die „wohlwollende Gastfreundschaft“, die sie während ihres Besuchs im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn erfahren hat: Präses Annette Kurschus (am Mikro) während des Empfangs im Paul-Gerhardt-Haus. Begrüßt wurde sie zuvor neben zahlreichen Gästen - u. a. aus den Bereichen Politik, Bildung und Soziales, aus Kirchenkreis und Ökumene - durch Superintendentin Anke Schröder (links).Zeit für Begegnung und Austausch bot nicht zuletzt der Empfang im Paul-Gerhardt-Haus am Abdinghof in Paderborn am Ende des eintägigen Besuchs: Hier ist Präses Annette Kurschus mit Abdinghof-Pfarrer Dr. Eckhard Düker im Gespräch.

Diese Bilder - größer und mit Erläuterungen - finden Sie im Picasa-Webalbum

PADERBORN (ekp/wels). „Schön, dass Sie uns so schnell nach Ihrer Amtseinführung besuchen – und das am Reformationstag. Allein das bestärkt uns“, so die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, Anke Schröder, zu Beginn des eintägigen Besuchs der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), Annette Kurschus, am Reformationstag in Paderborn. Es war der erste Besuch dieser Art in einem der 31 westfälischen Kirchenkreise seit die Präses im Amt ist. Die leitende Theologin der westfälischen Landeskirche (mit fast 2,5 Millionen Mitgliedern in 517 Gemeinden) bezeichnete ihren Besuch während des abschließenden Empfangs im Paderborner Paul-Gerhardt-Haus als „Begegnung“, um in den „Austausch mit den Menschen“ zu gelangen.

Höhepunkt des Präsesbesuchs war der mit Kantorei und Bläsern auch musikalisch sehr festlich gestaltete Abendgottesdienst in der voll besetzten Abdinghofkirche Paderborn. Dazu hatten die evangelischen Kirchengemeinden Paderborn und Borchen eingeladen. In ihrer Predigt betonte Präses Kurschus: Unsere Aufgabe als Christen sei es im weiten Raum der Freiheit zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und Antworten zu wagen. Gleichzeitig lebe die christliche Freiheit davon, dass auf Schuld Vergebung folgen kann. „Christliche Freiheit heißt: Ich werde frei, mich zu verändern“, machte Präses Annette Kurschus Mut, das eigene Leben im Vertrauen auf Gott aktiv zu leben.

Für Begegnung und Austausch gab es während des Besuchs der Präses viele Gelegenheiten: Der Tag begann mit einer Pfarrkonferenz im Paderborner Lukas-Zentrum. Hier nutzten vor allem die Gemeindepfarrer und -pfarrerinnen die Möglichkeit, die Präses zu fragen, wie Überlastung angesichts der Perspektive, zukünftig eine Pfarrstelle für 3500 Gemeindemitglieder einzurichten, vermieden werden könne und wie Kirche dabei in Flächengemeinden im ländlichen Raum präsent bleiben könne. „Kirche wird sich verändern. Wir müssen das Pfarramt neu aufstellen und brauchen neue Strukturen“, so Präses Annette Kurschus. Das sei ein langer Prozess. Etwas anderes ließen die immer weniger werdenden finanziellen Ressourcen nicht zu. Den Ehrenamtlichen komme in den Kirchengemeinden eine weiter wachsende Bedeutung zu. „Das Ehrenamt ist mehr als ein Lückenbüßer. Sie ist ein Segen für unsere Kirche“, so Präses Kurschus.

Beim Besuch im Lukas-Zentrum lernte die Präses auch das konstruktive Miteinander der Evangelisch-Studierenden Gemeinde (ESG) und des Lukas-Pfarrbezirks der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Paderborn kennen. Die aktuelle Foto-Ausstellung „Von Engeln & Menschen“, die besichtigt werden konnte, machte die gute Kooperation beispielhaft deutlich.

Die Protestanten im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn (83500 in 22 Gemeinden) befinden sich im Vergleich zu den Katholiken im Hochstift in der Minderheit. Und so ging es beim Besuch der Präses auch um das Thema Ökumene. Während des Besuchs in Bad Lippspringe erfuhr Präses Annette Kurschus von dem mit Unterstützung der Stadt durchgeführten jährlichen Gebet der Religionen mit dem Fest der Begegnung und von dem jetzt zum dritten Mal durchgeführten Gespräch der Religionen (aktuelles Thema: Tod, Sterben, Auferstehung).

Bad Lippspringes Bürgermeister, Andreas Bee, informierte die Präses über den Stand der Planungen zur Landesgartenschau 2017 (LGS), die in Bad Lippspringe mit dem Themenschwerpunkt Wald durchgeführt werden soll. Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden berichteten von ihren Plänen, während der LGS einen temporären Platz für die interreligiöse Begegnung zu schaffen. Zurzeit gehe es darum, dafür einen Ort zu finden und die Finanzierung zu sichern.

Besucht wurde auch der seit 13 Jahren bestehende „Ökumenische Treff – Eine Welt e.V.“ in der Bad Lippspringer Fußgängerzone. Hier sorgen rund 45 Aktive für die Öffnung des Ladenlokals. Neben dem Verkauf fair gehandelter Produkte nehmen sich die Ehrenamtlichen hier Zeit für Gespräche und helfen Ratsuchenden weiter. Außerdem wird zu Vorträgen und Gesprächen über Eine-Welt-Themen und theologische Fragen eingeladen.

Zurück in Paderborn stand zunächst das Gespräch mit dem Kreissynodalvorstand im Haus der Evangelischen Kirche auf dem Programm. Dann empfing Paderborns Bürgermeister, Heinz Paus, Präses Annette Kurschus im Historischen Rathaus. Die „familienfreundliche und internationale Universitätsstadt“ (133 Nationalitäten leben hier) sei auch eine „Stadt der gelebten Ökumene“ (in Prozent: 52,6 Katholiken, 19,5 Evangelische, 2,8 Muslime, 25,1 Sonstige), stellte er Paderborn vor. „Ich freue mich hier zu sein. Paderborn ist eine schöne Stadt“, so Präses Annette Kurschus. Dass sie ihren ersten Kirchenkreis-Besuch am Reformationstag in Paderborn mache, bedeute für sie vor allem, an die gemeinsame Geschichte zu erinnern, nicht primär an die Gründung einer neuen Kirche. „Das wäre ein fatales Missverständnis des Tages“, meinte Kurschus.

Diesen Artikel und die Fotos können Sie für Ihren Gemeindebrief hochladen aus dem Gemeindebrief-Service! 

Seite drucken       

© Ev. Kirchenkreis Paderborn 07.11.12