Eigenheim in bester Lage
LEBENSRAUM KIRCHE Evangelische Gemeinde Brakel macht mit
Kein geeigneter Nistplatz: Im Glockenturm der Auferstehungskirche in Brakel ist es zugig, das stellen hier (v.l.) NABU-Mitglied David Singer, Presbyterin Dorothee Heuermann, Theo Elberich vom NABU-Kreisverband Höxter sowie Küster Horst Dohmeier fest. FOTO: HELGA KROOS
Auf dem Dachboden über dem Altarraum: Der Nistkasten, auf den hier NABU-Mitglied David Singer weist, ist vor mehr als 20 Jahren angebracht worden. Zuletzt diente er einem Dohlenpaar als „Wohnung“. FOTO: HELGA KROOS
Wohnung in luftiger Höhe: Die drei Nischen über dem runden Kirchenfenster sind für die Turmfalken beliebte Nistplätze, die sie seit mehr als zehn Jahren immer wieder anfliegen. Ein ähnlicher Nistkasten wie der, um den sich (v.l.) David Singer (NABU), Dorothee Heuermann, Theo Elberich (NABU) und Horst Dohmeier platziert haben, befindet sich auch im Kirchturm. FOTO: HELGA KROOS
BRAKEL (kro). Die in fünf bis sechs Meter luftiger Höhe gelegene
Einzimmerwohnung ist zwar klein, befindet sich aber in ruhiger Lage, bietet
einen tollen Ausblick und ist sehr beliebt bei den Turmfalken – und das seit gut
zehn Jahren. Doch nicht nur die sympathischen Greifvögel haben den Kirchturm der
evangelischen Auferstehungskirche in Brakel für sich als Nistplatz entdeckt.
„Ganz oben im Turm hat in den letzten zwei Jahren auch ein Dohlenpaar gebrütet“,
weiß Presbyterin Dorothee Heuermann.
Der Nistkasten dort in einer Turmnische ist bereits 1987 von innen angebracht
worden und eigentlich für Schleiereulen gedacht. „Aber es haben hier noch keine
gebrütet“, so David Singer. Er ist engagiertes Mitglied im Nabu (Naturschutzbund
Deutschland) und hat bereits viele Naturschutzprojekte eingestielt und
umgesetzt. Jetzt hat er die evangelische Kirchengemeinde für das bundesweite
Nabu-Projekt „Lebensraum Kirchturm“ gewinnen können. Es ist die erste
Kirchengemeinde im Kreis Höxter, die bei dieser Artenschutz-Aktion mitmacht.
Unterstützung bekommt David Singer dabei von Theo Elberich vom Nabu-Kreisverband
Höxter. „Für Turmfalken, Schleiereulen und auch Fledermäuse gibt es immer
weniger Nistmöglichkeiten“, erzählt der junge Brakeler Naturschützer. Die
Kirchtürme seien da eine gute Alternative, wenn sie nicht durch
Sanierungsmaßnahmen als Nistplätze verloren gingen. In einigen Großstädten sind
wegen der vielen Tauben die Nischen in den Kirchengebäuden vergittert worden.
Ziel des 2007 gestarteten, bundesweiten Projekts ist es daher, den Kirchturm als
Überlebensraum für seltene Vogel- und Fledermausarten wieder mehr ins
Bewusstsein zu bringen und über tiergerechte Sanierungen zu informieren. Bisher
beteiligen sich bereits über 200 Kirchengemeinden daran.
Die evangelische Kirchengemeinde in Brakel sorgt schon seit vielen Jahren für
entsprechende Nistmöglichkeiten am Kirchturm. Daher war es für die
Verantwortlichen auch keine Frage, sich an dem Projekt zu beteiligen. Für ihre
Teilnahme wird die evangelische Kirchengemeinde mit einer entsprechenden
Plakette ausgezeichnet werden.
„Um unsere Kirche herum ist immer viel Leben“, sagt Presbyterin Dorothee
Heuermann, die zudem in Brakel die Pfadfindergruppe „Meute Grauwolf“ leitet. Vor
zwei Jahren hat sie mit ihrer Gruppe hier ein brütendes Turmfalkenpärchen über
einen längeren Zeitraum beobachten können. Heuermann: „Wir haben sie Titus und
Tina genannt“. Ihre Lieblingsplätze seien der Blitzableiter am Turm oder der
Rundbogen des Turmfensters gewesen. Hautnah erlebte die Pfadfindergruppe den
„Alltag“ der Turmfalken mit - vom Brüten über das Füttern des Nachwuchses bis
hin zu den ersten Flugversuchen der drei Jungvögel.
Jetzt ist wieder Balzzeit bei den Turmfalken. Seit ein paar Tagen schon fliegen
sie um den evangelischen Kirchturm herum. „Sie stecken ihr Revier neu ab“, sagt
David Singer. Turmfalken würden immer wieder ihre alten Nistplätze aufsuchen.
Theo Elberich vom Nabu-Kreisverband Höxter hofft, dass viele Kirchengemeinden im
Kreis Höxter dem Beispiel in Brakel folgen und bei dem Projekt „Lebensraum
Kirchturm“ mitmachen. Er sucht zudem einen interessierter Naturschützer, der das
Projekt betreut, also Kontakt mit den Kirchengemeinden im Kreis Höxter aufnimmt.
Interessierte Kirchengemeinden und Naturschützer können sich bei der Nabu-Geschäftsstelle
melden, Tel. 0 5284- 57 00 melden. Weitere Infos unter www.nabu-hx.de
© Ev. Kirchenkreis Paderborn 18.02.09