Pfarrer Dr. Eckhard Düker,

Pfarrer Dr. Eckhard Düker,
Ev.-Luth. Kirchengemeinde Paderborn, Abdinghof-Pfarrbezirk

„Hochmut kommt vor dem Fall“ sagt ein Sprichwort. Beispiele dafür gibt es zur Genüge, im privaten wie im politischen Leben. Wer sich selbst überschätzt und hoch hinaus will, macht oft am Ende eine unsanfte Bauchlandung. Die griechische Sage erzählt von Ikarus, der mit seinem Vater mit Flügeln aus Federn und Wachs dem Kerker entflieht. Doch als er bei seinem Höhenflug der Sonne zu nahe kommt, stürzt er ins Meer.

„Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade“ (1. Petr. 5, V. 5) lautet das biblische Leitwort des morgigen Sonntags. Dem Hochmut wird die Demut gegenüber gestellt. Die Demut hat im allgemeinen Sprachgebrauch keinen guten Klang. Sie wird mit Selbstverleugnung und Selbsterniedrigung gleich gesetzt. Gemeint ist aber etwas anderes. Denn Demut ist Mut zum Dienen, die Bereitschaft, auch nachgeben zu können, sich nicht immer behaupten zu müssen. Demut ist das Gegenteil von Selbstüberschätzung, ohne sich dabei gering zu achten. Demut ist daher keine Schwäche, sondern eine Stärke des Charakters. Hochmut hingegen offenbart die eigene Schwäche, sich nicht richtig einschätzen zu können.

Demut ist eine christliche Tugend, weil sie den Menschen in das rechte Maß setzt, gegenüber Gott und gegenüber seinen Mitmenschen. Demut in der Medizin bedeutet Ehrfurcht vor dem Anfang und dem Ende des Lebens. Demut in der Wirtschaft bedeutet Mäßigung und Verantwortung. Demut in der Politik bedeutet Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Demut in der Religion bedeutet Respekt vor dem Glauben des Anderen. Darum: mehr Mut zur Demut!

Die Kolumne ist im Westfälischen Volksblatt Paderborn am 14. August 2010 veröffentlicht. 

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© Ev. Kirchenkreis Paderborn 13.08.10