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Neujahrsempfang: Superintendentin Anke Schröder begrüßt den Festredner Professor Heinrich Wilhelm Schäfer, im Hintergrund die Türme der Abdinghofkirche in Paderborn. FOTO: HEIDE WELSLAU

PADERBORN (wels). „Fröhlich und hoffnungsvoll gehen wir als Evangelische Kirche in das neue Jahr und das wünschen wir auch unseren Gästen“, sagte Superintendentin Anke Schröder, anlässlich des Neujahrsempfangs des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn. Über 120 Gäste aus den Bereichen Ökumene, Politik, Bildung, Soziales und Wirtschaft begrüßte die Superintendentin zu Beginn des Empfangs, der am 25. Januar im Paderborner Paul-Gerhardt-Haus stattfand. Die musikalische Gestaltung übernahm die Harfinistin Greta Hefenbrock (Paderborn).

Festredner zum Thema „Den Juden ein Jude, den Griechen ein Grieche. Gedanken zu einer Kirche mit Zukunft“ war der aus Warburg stammende Theologe und Soziologe Prof. Dr. Dr. Heinrich Wilhelm Schäfer (56). „Kirche ist immer Kirche mit Zukunft, denn sie befindet sich in Gottes Hand“, so der seit 2006 an der Universität Bielefeld lehrende Professor für Systematische Theologie und Religionssoziologie in seiner Ansprache. Von 1989 bis 2006 war Schäfer im Dienst der Evangelischen Kirche von Westfalen und 15 Jahre in Lateinamerika tätig. Ausgehend vom Apostel Paulus beschrieb er die Spannung zwischen konkretem und abstraktem Reden.

Der erste Korintherbrief 9,20 zeige, dass Paulus sich den Besonderheiten und Bedürfnissen unterschiedlicher sozialer Bedingungen gestellt habe, so Schäfer: „Er nimmt die kulturelle Lebenswirklichkeit der Menschen wahr und ernst.“ Es sei ihm um konkretes und gelebtes Christentum gegangen, nicht um Missionierung. Von Paulus schlug Schäfer einen Bogen zur heutigen „Auseinandersetzung mit einer immer abstrakter werdenden Lebenswirklichkeit“. Es gebe unterschiedliche Formen von Abstraktheit in unserer Wirklichkeitswahrnehmung. In den Medien sei zum Beispiel von „den Märkten“, „den Griechen“ oder „der Kirche“ die Rede. „Diese Abkürzungen beruhen auf einer Verminderung von Wirklichkeit“, so Schäfer: „Die Beschreibung kippt um zur Norm.“ „Glaube“ sei auch ein abstrakter Begriff, der Glaube selbst werde aber immer konkret gelebt. Es gehe darum, den Glauben in konkreter Relation zu den Menschen und ihren Lebensverhältnissen zu halten, so wie es die Geschichten der Bibel tun. So zeige sich die „Kreuzestheologie“ konkret in den Jesusgeschichten, über einen Menschen, der gefoltert wurde.

Paulus stelle im Hohelied der Liebe (1. Korintherbrief 13) Kriterien für die Liebe auf. „Die Liebe wird sehr konkret beschrieben“, sagte Schäfer und leitete davon eine Aufgabe der Kirche der Gegenwart ab: „von den wirklichen Menschen, den leidenden, hoffenden, liebenden Menschen zu reden, in einer konkreten Weise.“ „Wenn wir das, was als Botschaft abstrakt ist, durch Wort und Tat an konkrete Menschen vermitteln, können wir getrost in die Zukunft blicken“, bedankte sich Superintendentin Anke Schröder beim Festredner für seine gegenwartsbezogenen und zukunftsweisenden Worte.

Dass in der Evangelischen Kirche viel mehr Grund zur Freude als zur Klage besteht, wurde auch in der Begrüßung der Superintendentin zu Beginn des Neujahrsempfangs deutlich: „In unserer Kirche arbeiten (…) so viele Menschen haupt- und ehrenamtlich, die ihren Glauben gemeinsam leben und an andere weitergeben wollen, die ihre Begabung und ihre Kreativität einbringen“, freute sich Schröder. Angesichts der bevorstehenden Kirchenwahl am 5. Februar nannte sie insbesondere die Menschen, die sich wieder in ausreichender Anzahl bereit erklärt haben, ein ehrenamtliches Leitungsamt als Presbyterin oder Presbyter zu übernehmen. Im Presbyterium „vertreten sie ihre Kirche auch nach außen und tragen in schwierigen Zeiten ein gehöriges Maß an Verantwortung. Das alles im Ehrenamt zu tun, ist nicht selbstverständlich“, bedankte sich die Superintendentin für das Engagement jedes Einzelnen.

Ein Blick in die zweite Jahreshälfte folgte mit der Information über den anstehenden Besuch der neuen Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, die ihr Amt im März antreten wird. „Sie wird in diesem Jahr den Reformationstag mit uns verbringen und am Abend im Reformationsgottesdienst in der Abdinghofkirche predigen“, freute sich Superintendentin Anke Schröder.

Bilder vom Neujahrsempfang 2012:

Festredner: Prof. Dr. Dr. Heinrich Wilhelm Schäfer

Festredner: Prof. Dr. Dr. Heinrich Wilhelm Schäfer sprach über die Spannung zwischen konkretem und abstraktem Reden und die Zukunft der Kirche.
Begegnung und Gespräch prägen neben der Festansprache den Neujahrsempfang des Kirchenkreises im Paul-Gerhardt-Haus. In diesem Jahr nahmen rund 120 Gäste aus den Bereichen Ökumene, Politik, Bildung, Soziales und Wirtschaft teil, ebenso zahlreiche Mitarbeitende des Kirchenkreises.

Begegnung und Gespräch prägen neben der Festansprache den Neujahrsempfang des Kirchenkreises im Paul-Gerhardt-Haus. In diesem Jahr nahmen rund 120 Gäste aus den Bereichen Ökumene, Politik, Bildung, Soziales und Wirtschaft teil, ebenso zahlreiche Mitarbeitende des Kirchenkreises.
   


Unter den anwesenden Religionsgemeinschaften waren auch Vertreter der Muslime: Hier sind Emin Özel (Mitte), Sprecher des Rates der Paderborner Muslime, und Abdul Ghafar Sahak, 1. Vorsitzender des Islamischen Rates Paderborn, mit Superintendentin Anke Schröder im Gespräch.
Einer von zahlreichen Vertretern der katholischen Kirche war Hans-Georg Hunstig vom Diözesankomitee im Erzbistum Paderborn. Hier begrüßt ihn Superintendentin Anke Schröder.

Einer von zahlreichen Vertretern der katholischen Kirche war Hans-Georg Hunstig vom Diözesankomitee im Erzbistum Paderborn. Hier begrüßt ihn Superintendentin Anke Schröder.

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© Ev. Kirchenkreis Paderborn 26.01.12