Freuen sich auf die Live-Übertragung: Der Rundfunkbeauftragte Dr. Gerd Höft (v. l.), Pfarrer Detlev Schuchardt und Pfarrerin Kerstin Heibrock. Foto: Jan Globacev

Freuen sich auf die Live-Übertragung: Der Rundfunkbeauftragte Dr. Gerd Höft (v. l.), Pfarrer Detlev Schuchardt und Pfarrerin Kerstin Heibrock. Foto: Jan Globacev

„Rechnen Sie damit, dass 2 Stunden intensiv das Telefon klingelt, danach wird es ruhiger“, das war die Prognose des erfahrenen Rundfunkbeauftragten beim WDR.

Nach dem Gottesdienst im Radio wird noch eine Nummer aus der Gemeinde bekanntgegeben, bei der Hörerinnen und Hörer anrufen können. Und so saßen Pfarrerin Kerstin Heibrock und ich am Telefon. Wir waren sofort aus der Kirche in das Pfarrhaus gestürzt, keine Sekunde Zeit, einmal durchzuatmen nach dem gelungenen Gottesdienst.

Und da klingelte schon das Telefon und klingelte und klingelte … Es waren wirklich exakt die zwei Stunden, in denen ein Gespräch dem anderen folgt. Und diese zwei Stunden waren anstrengender als der ganze Gottesdienst vorher. Menschen aus Wuppertal und Bremen, Hannover und Marl, wieder aus Wuppertal, dann aus Hamburg und wer-weiß-woher riefen an und gaben ihre Reaktion auf den Gottesdienst bekannt.

Innerhalb von kurzer Zeit galt es sich auf völlig neue Fragestellungen einzustellen, zuzuhören und zu verstehen, aufzuschreiben und Rede und Antwort zu stehen. Vielen bedankten sich für den Gottesdienst und baten darum, das Manuskript oder auch eine CD zugeschickt zu bekommen. Sie bedankten sich aber nicht nur, sondern konnten auch genau sagen, was ihnen gefallen hat und - bei einigen wenigen – auch, was nicht.

Ältere Menschen riefen an, aber auch jüngere. Frauen, Männer. Sie erzählten, wie sie den Gottesdienst gehört hätten, etwa, beim Aufräumen in der Küche, weil sie etwa gerade einen schlimmen Trauerfall erlebt hätten und nun bei solch einem Thema nicht mehr ruhig sitzen konnten. Da war die Frau, die vor sieben Monaten ihren Mann verloren hatte, die Mutter, deren Sohn Suizid begangen hatte, weil er an Depressionen litt und die nun von dem gesamten kleinen Dort, in dem sie wohnte, gemieden und gemobbt wurde. Traurige Schicksale waren es, die einem ohne Umschweife mit viel Vertrauen erzählt wurden. Hin und wieder war auch Seltsames dabei, schwer Einzuschätzendes.

So manche Enttäuschung über die eigene Kirchengemeinde vor Ort wurde ausgesprochen, dass da niemand war, der ihnen zuhörte oder Verständnis für sie aufbrachte.

Noch 3 Tage später riefen immer wieder einmal Menschen an, um sich zu bedanken. Erstaunlich, was ein Gottesdienst am Radio hervorruft! Es gibt anscheinend auch viele Menschen, die wirklich jeden Gottesdienst am Radio verfolgen und ein ganz differenziertes Urteil aussprechen können.

Und da war dann noch eine Anruferin, die den Gottesdienst aus Bad Lippspringe wohl auch ganz gut fand, aber nicht so schön wie den katholischen Gottesdienst vom Sonntag davor. Da hätte man ein so ergreifendes Lied gesungen, das sie unbedingt noch einmal hören müsste. Ich versprach der Dame, im Internet zu recherchieren, um vielleicht doch noch irgendwie an das Lied zu kommen. „Ich höre immer alle Gottesdienste“, sagte die anscheinend nicht mehr ganz junge Frau, „sie gefallen mir so gut und ich nehme so viel davon mit! Mal rufe ich an, aber oft kann ich die Nummer nicht so schnell aufschreiben. Oft bin ich ganz ergriffen. Eigentlich bin ich Muslimin, aber die Gottesdienst sind wirklich zu schön!“

Was einem nicht alles begegnet, wenn man nach dem Radiogottesdienst noch einmal „auf Sendung“ geht!

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Das "Manuskript" des Gottesdienstes gibt es hier Was mir Hoffnung gibt

und den Bericht über den Gottesdienst hier
Radiogottesdienst zum Ewigkeitssonntag aus Bad Lippspringe.

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© Ev. Kirchenkreis Paderborn 29.11.10