JUBILÄUM Lippspringer Posaunenchor feiert 100-jähriges Bestehen
Klingendes Blech gehört nicht zum alten Eisen

Die Mitglieder des Posaunenchors der evangelischen
Kirchengemeinde in Bad Lippspringe feiern in diesem Jahr ihr 100-jähriges
Bestehen. Der Chor wird heute von Andrea Hagemann (Mitte vorn) geleitet.
(Foto: ekp/Daniel Albrecht)
BAD LIPPSPRINGE – Aus den festlichen Gottesdiensten der evangelischen
Kirchengemeinde ist der Posaunenchor nicht wegzudenken. Mit ihren
feierlichen Klängen haben die Bläserinnen und Bläser manche Konfirmation
oder Christmette zum unvergesslichen Erlebnis gemacht. In diesem Jahr steht
der Chor selbst einmal im Mittelpunkt: Mit einem Festgottesdienst am
Sonntag, 30. März, feiert die evangelische Kirchengemeinde das 100-jährige
Bestehen ihres Posaunenchors.
Aus Anlass der Feierlichkeiten haben die Mitglieder des Posaunenchors einen
Jubiläumskalender herausgegeben, in dem sie zu einer kleinen Zeitreise durch
die Geschichte des Chors einladen.
Neue Klänge waren es, die den Bad Lippspringern vor 100 Jahren zu Ohren
kamen: Zur Eröffnung des Auguste-Viktoria-Stiftes spielte zum ersten Mal ein
Bläserchor in Bad Lippspringe. Die Wohlklänge inspirierten Diakon Herzog aus
Bethel und Hausmeister Friedrich Deppe zur Gründung eines eigenen
Posaunenchors. Im Frühjahr 1903 wagten sich die Lippspringer Bläser erstmals
an die Öffentlichkeit.
„Tüchtig und strebsam“, so sollen die ersten beiden Chorleiter gewesen sein.
Auf Deppe, der den Chor zu regelmäßigen Schulungsabenden in die eigene
Scheune oder Wohnstube zitierte, folgte 1906 der Lehrer Wellpott als
Chorleiter. Aus Aufzeichnungen sei zu entnehmen, so ließt man im
Jubiläumskalender, dass der Chor damals schnell eine „bemerkenswerte Höhe“
erreichte. Über Orts- und Landesgrenzen hinaus soll er Anerkennung gewonnen
haben; Schlangen, Kohlstätt und Oesterholz gehörten bald mit zum
Wirkungskreis der Bad Lippspringer Bläsergruppe.
Durch den Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Arbeit des Posaunenchores
unterbrochen. Erst 1926 war die Gruppe wieder voll einsatzfähig und begann,
ihr altes Image aufzupolieren. Um die drohende Enteignung von kirchlichem
Vermögen in der NS-Zeit abzuwenden, erklärten die Musiker sämtliche
Instrumente, Noten und sonstiges Gerät vorübergehend zu ihrem persönlichen
Besitz. Nach Kriegsende wanderte alles zurück ins Eigentum der evangelischen
Kirchengemeinde.
Von 1945 bis 1968 wurde die Lippspringer Bläsergruppe von vier Chorleitern
geleitet. Geprägt wurde die Arbeit des Chores danach von Gerhard Hewisch,
der die Leitung 1968 übernahm und mit seinen Bläsern unter anderem die
Feierlichkeiten zur 1200-Jahr-Feier der Stadt Bad Lippspringe mitgestaltete.
1981 übernahm Kirchenmusiker Ulrich Schneider, damals noch Musikstudent, die
Chorleitung, die er 1995 aus gesundheitlichen Gründen an Werner Becker
abgab.
Heute sorgen achtzehn aktive Bläser im Alter von 11 bis 66 Jahren für die
nötige Klangstärke, viele sind schon über 30 Jahre dabei. Außerdem liegt dem
Chor die Förderung des Nachwuchses besonders am Herzen. Auf dreißig bis
vierzig Einsätze pro Jahr kommt der Chor; das Repertoire ist ebenso bunt
gemischt, wie die Anlässe. „Der Schwerpunkt unserer Tätigkeit ist die
musikalische Begleitung von Gottesdiensten. Aber wir spielen regelmäßig auch
auf Geburtstagen und Beerdigungen“, berichtet Andrea Hagemann, die den Chor
seit 1999 leitet. Beim Gemeindefest ist der Posaunenchor zum festen
Bestandteil geworden, regelmäßig spielen die Bläser im Ev. Altenzentrum
Martinstift Volkslieder.
Wer übrigens weiß, wie alt alle Mitglieder des Bad Lippspringer
Posaunenchors zusammen sind, der kann mit ein bisschen Glück ein ganz
persönliches Ständchen des Posaunenchors gewinnen. Nähere Informationen zum
Preisrätsel und zu den Terminen im Jubiläumsjahr finden sich in dem
Jubiläumskalender. Informationen dazu im Gemeindebüro der Evangelischen
Kirchengemeinde, Detmolderstraße 173, Telefon (05252) 51414 und auf der
Internet-Seite der Ev. Kirche von Bad Lippspringe.

Der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe wurde
von 100 Jahren gegründet. Das Foto ist die älteste noch vorhandene Aufnahme
der ersten Bläser.
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