WUNSCH Offenheit für neue Formen, um viele Menschen zu erreichen
Auf dem Weg zum Pfarramt: Drei Vikar*innen im Kirchenkreis

KREIS PADERBORN/KREIS HÖXTER (ekp). Eine Vikarin und zwei Vikare der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) bereiten sich im Kirchenkreis Paderborn derzeit auf ihren Dienst als Pfarrerin und Pfarrer vor. Nach dem 1. Theologischen Examen lernen sie im Vikariat zweieinhalb Jahre lang praktische Gemeindearbeit, dazu gehört ein dreimonatiges Schulpraktikum. Die Einsatzorte der Vikar*innen sind die evangelischen Kirchengemeinden Höxter/Bezirk Beverungen (Kreis Höxter), Bad Lippspringe und Borchen (Kreis Paderborn). Zum Evangelischen Kirchenkreis Paderborn gehören 14 evangelische Kirchengemeinden mit rund 79.000 Christinnen und Christen in den Kreisen Höxter und Paderborn sowie in Lügde im Kreis Lippe.

Theodora Beer FOTO: PRIVAT

Theodora Beer
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Theodora Beer (27) ist als Vikarin dem Bezirk Beverungen der Evangelischen Weser-Nethe-Kirchengemeinde Höxter zugeteilt worden und dort seit April 2020. Evangelische Theologie studierte die gebürtige Herforderin in Wuppertal, Göttingen und Münster. Besonders beeindruckt hat Theodora Beer das Miteinander der drei monotheistischen Weltreligionen während eines Seminars in Israel. Weiterhin die Erfahrung, als wissenschaftliche Hilfskraft das Buch „Glaube und Politik: Evangelische Zugänge zur Mitgestaltung des öffentlichen Lebens“ als Lektorin zu begleiten und mit herauszugeben. Beers bisherige Erfahrungen in Beverungen sind stark durch den Corona-Virus beeinflusst. Er stelle besondere Herausforderungen dar, um mit den Menschen in Kontakt zu treten – im Schul- oder Gemeindedienst. „Gerade in Krisenzeiten“, so Beer, „ist es wichtig, dass Kirche präsent ist und bleibt. Durch Andachten im Internet und per Post und durch Telefonanrufe bei einzelnen Gemeindegliedern“. Motiviert zu ihrer Berufswahl hat Theodora Beer insbesondere die Seelsorge: „Traurige, aber auch schöne Erfahrungen mit den Menschen zu teilen und ihnen auf dem Hintergrund unseres Glaubens beistehen zu können, ist mir wichtig.“ Als ausgebildete Pfarrerin möchte sie Menschen auf Augenhöhe begegnen. So hofft Theodora Beer, für die Anliegen, Wünsche und Ängste der Menschen da sein zu können, sie begleiten und unterstützen zu können. Von ihrer Kirche wünscht sie sich, „dass sie mit der Zeit geht, ansprechend ist und ansprechbar bleibt. Und so möglichst viele Menschen für Gottes Botschaft begeistern kann.“

Jan-Philipp Zymelka FOTO: PRIVAT

Jan-Philipp Zymelka
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Jan-Philipp Zymelka (28) ist seit April 2019 Vikar in der Evangelisch-Lutherischen Stephanus-Kirchengemeinde Borchen. Zu seinen Erfahrungen im Theologiestudium in Bochum gehören verschiedene Jobs, unter anderem am Lehrstuhl für systematische Theologie (Ökumenik und Dogmatik), sowie das Reisen im universitären und privaten Kontext: nach Istanbul, Armenien, Ruanda, Libanon und Nordirak. Daraus gingen verschiedene Hilfsprojekte hervor, ebenso Vorträge über die Situation der Christen in muslimischen Ländern. Als Vikar in Borchen „waren und sind die Gottesdienste mit der Gemeinde und die intensiven Begegnungen in der Seelsorge, ob in der Gemeinde oder in den Paderborner Krankenhäusern, besonders wertvolle Erfahrungen“, sagt Zymelka, der aus Marl stammt. So sei ihm noch einmal „ganz besonders der Wert und die Kraft bewusst geworden, die von einer lebendigen Gemeinschaft und Gemeinde ausgeht“. „Die christliche Schwester- und Brüderlichkeit spürbar zu machen“, darauf wird er auch als Pfarrer Wert legen, ob in der Gemeindearbeit oder vielleicht auch in der Militärseelsorge. Menschen in allen Lebenslagen mit seinem Glauben an Gott zu helfen und zu unterstützen, ist sein Anliegen. Dazu gehört es, Kindern und Jugendlichen dabei zu helfen, ihr eigenes Weltbild zu formen. In der Corona-Krise sei die Stephanus-Gemeinde Borchen schnell aktiv geworden: unter anderem wurde ein Podcast aufgebaut, mit täglichen Andachten, Gebeten und Meditationen. Von seiner Kirche wünscht er sich „Offenheit, neue Wege zu beschreiten, und mehr Vertrauen und offene Ohren für die Ideen der jüngeren Pfarrgeneration.“

Gereon Terhorst FOTO: PRIVAT

Gereon Terhorst
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„Wir brauchen eine Kirche, die in Bewegung auf die Menschen zu ist“, ist Gereon Terhorst (29), seit April 2018 Vikar in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe, überzeugt. Und hofft sehr, dass die Aufbrüche, die in Corona-Zeiten gerade entstehen, nicht nur ein „Strohfeuer“ sind. Es brauche den Mut, für Neues auch manches Alte nicht mehr weiterzuführen, meint er. Hauptstudienort von Gereon Terhorst war Münster. In London hat er zwischendrin noch seinen Master in Pastoral Theology (Praktische Theologie) gemacht. Der Vikar glaubt, „dass die gute Botschaft von Jesus Christus auch heute noch gehört werden will und aktuell ist“. Wie man sie ins Heute überträgt, sei wesentlich. Darüber möchte sich der gebürtige Bielefelder mit Menschen austauschen – fragend, suchend, staunend oder zweifelnd. Diese Vielseitigkeit mache das Pfarramt so spannend. Die Gemeinde trage vieles mit und probiere aus. Diese Erfahrung hat Gereon Terhorst in Bad Lippspringe gemacht: zum Beispiel 2019 den Event Pray&Party und den Technikeinsatz in den Weihnachtsgottesdiensten. Zur Vielfalt im Vikariat gehörte auch der Religionsunterricht an der Heinz-Nixdorf-Gesamtschule Paderborn sowie die Teilnahme an mehreren Barcamps zum Thema „Digitale Kirche“. Letztere ist in der Corona-Krise besonders gefragt: Zum Beispiel werden Gottesdienste aufgenommen und im Internet zur Verfügung gestellt. „Für Ostern haben wir ein 70seitiges ‚Heft‘ entwickelt mit Andachten für Familien, Jugendliche und Erwachsene“ – digital und auf Papier, berichtet Terhorst weiter. Aktuell entwickelt er eine Gemeinde-App. Über Gemeindegrenzen hinweg ist er mit Menschen über das Instagram-Angebot @kinopfarrer in Kontakt. Mit Forschungen im Bereich Religion und Film beginnt er im Oktober sein Hochschulvikariat an der Universität Münster.

 

 

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