Frieden suchen
Auf ein Wort

VON PFARRER CHRISTOPH RÖTHEMEYER

Pfarrer Christoph Röthemeyer

Pfarrer Christoph Röthemeyer

Sommerferien. Die Straßen sind etwas leerer, die allgemeine Hektik ist nicht mehr ganz so groß. Das Leben scheint etwas langsamer zu gehen. Zeit für sommerliche Ruhe und Frieden. „Suche Frieden und jage ihm nach“ lautet die Jahreslosung für 2019 aus dem ersten Petrusbrief. Frieden suchen? Leben wir nicht im Frieden? 74 Jahre kein Krieg. Das ist einmalig in Europa! Oder sollen wir nach einen anderen Frieden suchen?
Etwa nach dem Frieden als Gottesgeschenk, das den Krieg als dem Normalen durchbricht? Die Griechen in der Antike nannten diesen geschenkten Frieden eirene. Aber dieses Friedensbewusstsein hat sich nicht durchgesetzt. Denn nicht die Götter entscheiden über Krieg und Frieden, sondern wir Menschen.
Oder sollen wir nach dem Frieden als Vertrag suchen? Am 6. August 1945 um 8.15 Uhr wurde die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen. Drei Tage später die zweite auf Nagasaki. Ein dreiviertel Jahrhundert ist seitdem vergangen und immer noch trauern Menschen, immer noch müssen Menschen an den Folgen des Abwurfs leiden und sterben. „Lasse alle Seelen hier in Frieden ruhen, denn wir werden das Böse nicht wiederholen“ steht auf dem Kenotaph in Hiroshima. Ein ewiges Feuer brennt daneben bis der Tag kommt, an dem alle Atomwaffen von der Erde verschwunden sind.
Bemühungen hat es seitdem gegeben. Verhandlungen über Begrenzung der Militarisierung haben stattgefunden. Abrüstungsverträge sind unterschrieben worden. Der kalte Krieg wurde beendet. Der eiserne Vorhang fiel genauso wie errichtete Mauern. Frieden durch Vertrag ist eine gute Sache. Diese Idee spiegelt sich im lateinischen pax und im englischen peace wieder. Sie ist in unseren Köpfen fest verankert.
Immer wieder aber werden solche Vertragsbemühungen gebremst oder gar rückgängig gemacht. Es gibt Forderungen nach Aufrüstung und Erhöhung der Rüstungsausgaben. Si vis pacem, para bellum (lateinisches Sprichwort: Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor). Den Frieden mit Waffen zu sichern ist wie ein Feuer mit Benzin löschen zu wollen. „Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Frieden muss gewagt werden. Friede ist das Gegenteil von Sicherung. Sicherheit fordern heißt Misstrauen haben, und dieses Misstrauen gebiert wiederum Krieg.“ (Dietrich Bonhoeffer)
Das heißt: Den Frieden suchen bedeutet Vertrauen finden. Dem Frieden nachjagen bedeutet ihn zu leben. Lege nieder die Waffen deiner Gedanken und hege keine feindlichen Vorurteile. Lege nieder die Waffen deiner Worte und sei freundlich zu jedermann. Die Waffen deiner Hände werden sich dann von selbst niederlegen und es wird Friede sein.

Eine friedliche Sommerzeit wünscht Ihnen,
Pfarrer Christoph Röthemeyer, Schulpfarrer des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn.

Der Beitrag ist erschienen in der Neuen Westfälischen Paderborn am Freitag, 2. August 2019.

 

 

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