Schrein, 1998, geschichtete Erde und Stahl, 200x93x25 cm

Madeleine Dietz

KORRESPONDENZEN

Ausstellung in der
Abdinghofkirche Paderborn
25.7. - 31.10.1999


 










Für die Geschichte von Kunst und Religion ist Karl der Große von hoher Bedeutung. Zu einer Zeit, als die bildende Kunst noch ausschließlich illustrativen Charakter hatte, entwickelte Karl der Große bereits den "modernen" Gedanken einer Autonomie der Kunst. Erst 700 Jahre später wurde diese Auffassung von der Freiheit der Kunst zum allgemeinen Selbstverständnis der Kultur, mit der Reformation wurde die Kunst frei von äußeren Vorgaben. Das Projekt einer Ausstellung von Gegenwartskunst in der Paderborner Abdinghofkirche knüpft an diese Traditionslinie an und zeigt, welche Korrespondenzen es zwischen der Kunstauffassung Karls des Großen und der Kunst der Gegenwart gibt. [->Aufsatz]

   
Abdinghofkirche Paderborn Die Ausstellung KORRESPONDENZEN war ein Beitrag des Kirchenkreises Paderborn und der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Paderborn zu den Veranstaltungen aus Anlaß der Begegnung von Karl dem Großen und Leo III. 799 in Paderborn. 

Die Abdinghofkirche liegt im Zentrum der Veranstaltungsorte direkt neben der städtischen Galerie.
 
 

Die Kirche ist durch ihre Geschichte eng mit dem Treffen Karls des Großen und Leo III. verknüpft. Der 799 fertiggestellte Vorgängerbau war vermutlich die Kirche des karolingischen Königshofes. Vielleicht hat auch das Treffen selbst hier stattgefunden.

   
Kein Fenster zum Himmel, 1997 Die Bildhauerin Madeleine Dietz aus Landau in der Pfalz hat dazu ihre Kunst in der Abdinghofkirche ausgestellt und mit neuen Arbeiten auf den Raum und die Geschichte der Kirche Bezug genommen. Die Besucher der Ausstellung konnten anhand der ausgestellten Werke den Nachwirkungen der ästhetischen Reflexionen Karls des Großen auf die Kunst der Gegenwart nachgehen, sie wurden aber auch angeregt, sich der Sinnlichkeit zeitgenössischer Kunst im Kirchenraum auszusetzen.
[-> virtueller Rundgang durch die Ausstellung]
Kein Fenster zum Himmel, 
1997, Erde und Stahl, 
2teilig, je 80x55 cm
Madeleine Dietz kombiniert Stahl mit natürlich getrockneten und gebrochenen Erdstücken. Dem organischen Stoff Erde stellt sie so den industriell hergestellten Werkstoff Stahl gegenüber.
Kein Triptychon, 1997 Erde ist mein Material, ist mein Werkstoff, in unerschöpflicher Menge überall zu finden. Erde ist das Symbol des Lebens. Erde in Verbindung mit Wasser ist formbar, ausstreichbar, trocknet aus, bildet Risse. Sie bricht in Stücke. Sonne, die die Erde vertrocknen läßt, gleichzeitig lebensnotwendiges Licht spendet.

Stahlplatten, Stahlmulden, Stahlkuben, Mittel zum Zudecken, Abdecken, Abgrenzen, Verschließen, Bewahren, Schützen. Stahl, in technoid wirkender Form, scheinbar unvergänglich. Doch sobald er aus der Werkstatt herauskommt beginnt die Oxidation. Lediglich durch Öl und Wachs wird dieser Prozeß aufgehalten, doch thematisch ist Rost und damit 'Vergehen', ähnlich wie bei der Erde, mit einkalkuliert. Das Bewahren und Behüten der Erde, Umschließen, Umfassen der Erdstücke, einem Schatz gleich, gewissermaßen Thema meiner Arbeit.

Kein Triptychon, 1997,
geschichtete Erde und 
Stahl, 75x100x75 cm
Erde ist Natur, ausgeliefert dem Menschen als ihrem Zerstörer oder Hüter. Nur durch mechanische Einwirkung oder durch Nässe verändert sich die Form. Das Ab- oder Herausbrechen einzelner Stücke ist Konzept meiner Arbeit, die Fragilität beabsichtigt.
KORRESPONDENZEN wurde am 25. Juli 1999 um 10 Uhr mit einem Gottesdienst eröffnet und am 31. Oktober 1999 mit einem Gottesdienst abgeschlossen. Die Ausstellung wurde von einer Predigt- und Gottesdienstreihe begleitet. Während der Ausstellung thematisierten Vorträge die Verbindung zum Ausstellungsanlaß der Begegnung von Karl dem Großen und Leo III.
Zur Ausstellung in der Abdinghofkirche ist ein Katalog mit dem Titel "Schichten in der Zeit" erschienen. Er ist zum Preis von 20,- DM erhältlich.


 
 
 
Madeleine Dietz
Biografie und
Ausstellungsverzeichnis
Kurator Andreas Mertin
zur Ausstellung "Korrespondenzen"
 Der Ausstellungskatalog ist 
für 20,- DM erhältlich

 
 
 
(c) Andreas Mertin, Hagen 1999