„Zu uns geflüchtete Menschen haben eine neue Heimat gefunden“
BILANZ UND AUSBLICK des Flüchtlingshilfe Borchen e.V.

VON KARL-HEINZ LÜKE

Die Vorstandsmitglieder des Flüchtlingshilfe Borchen e.V: (von rechts) Rita Moneke, Elisabeth Frewer, Gertrud Hübschen, Susanne Kleinberg, Agnes Meierfrankenfeld, Gisela Kriener, Maike Dymaz (Referentin), Pfarrerin Sabine Sarpe, Cilli Clark, Kalle Lüke FOTO: FLüBO

Die Vorstandsmitglieder des Flüchtlingshilfe Borchen e.V: (von rechts) Rita Moneke, Elisabeth Frewer, Gertrud Hübschen, Susanne Kleinberg, Agnes Meierfrankenfeld, Gisela Kriener, Maike Dymaz (Referentin), Pfarrerin Sabine Sarpe, Cilli Clark, Kalle Lüke
FOTO: FLüBO

BORCHEN – Zu einem Workshop im Stephanus-Haus Borchen trafen sich ehrenamtliche Helfer der Flüchtlingshilfe Borchen (FlüBo) mit Maike Dymarz, Wissenschaftliche Referentin des Projekts „Engagiert in Vielfalt“. Das Projekt des Instituts für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen hat über drei Jahre die Arbeit der FlüBo beraten und begleitet. Ziel des Workshops war es zum einen, die bisherige Arbeit der Borchener Flüchtlingshilfe zu bilanzieren. Zum anderen sollten neue Perspektiven für die weitere Arbeit entwickelt werden.

ERSTE SCHRITTE GELUNGENER INTEGRATION

Positiv hervorgehoben wurden die ersten Schritte einer gelungenen Integration der in Borchen lebenden geflüchteten Menschen. Die meisten von ihnen haben inzwischen die deutsche Sprache erlernt. Ein großer Teil geht einer geregelten Arbeit nach. Auch haben viele von ihnen inzwischen eine Wohnung gefunden. Das liegt an den in Borchen gut funktionierenden Netzwerken. „Hier bieten kleinere Orte bessere Möglichkeiten als die Großstädte, hier kennt man sich“, so Maike Dymarz. Für in Borchen lebende Menschen ist es nicht immer leicht, zudem auch recht teuer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Paderborn zu kommen. Insofern ist es sehr erfreulich, dass die Fahrtkosten für Empfänger von Sozialleistungen seit Anfang 2018 durch das sogenannte Fairticket erheblich gesunken sind. So sind notwendige Fahrten nach Paderborn auch für die zur Flucht gezwungenen Borchener eher möglich. Neu angekommene Asyl Suchende werden eingeladen, am Sprachunterricht im FlüBo-Treff teilzunehmen. Bei einem internationalen Frauenfrühstück am selben Ort wird nebenbei die deutsche Sprache „trainiert“.

VERLÄSSLICHE KOOPERATIONSPARTNER

Die in der Flüchtlingshilfe engagierten Frauen und Männer konnten sich in den vergangenen Jahren auf verlässliche Kooperationspartner wie die politische Gemeinde, die Evangelische Kirche oder das Kommunale Integrationszentrum des Kreises verlassen. Auch gab es eine gute Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen, dem AWO-Jugendmigrationsdienst oder dem Paderborner Arbeitslosenzentrum. Hinsichtlich ausländerrechtlicher Fragen konnte die auf diesem Gebiet versierte Rechtsanwältin Judith Herbe in regelmäßig stattfindenden Coachings den ratsuchenden Geflüchteten weiterhelfen. Zu Beginn der Arbeit der FlüBo waren noch zwischen 30 und 50 engagierte Helfer aktiv. Die Zahl der Helfer liegt heute zwischen 15 und 20.

„Die Arbeit in der Flüchtlingshilfe Borchen e.V. hat sich seit den Anfängen im Jahr 2014 erheblich gewandelt“, so eine Mitbegründerin der FlüBo, „früher ging es darum, das Ankommen der Asylsuchenden zu erleichtern. Heute geht es vielfach um Hilfe bei Bewerbungen um einen Arbeitsplatz, Bewältigung von Alltagsproblemen, Beratung bei den schwierigen Behördenangelegenheiten.“

EHRENAMTLICHE GEWINNEN UND ZUSAMMENARBEIT AUSBAUEN

Bedauert wurde von allen Workshop Teilnehmer*innen, dass es noch viel zu wenige Kontakte zwischen den bei uns Schutz suchenden und den einheimischen Menschen gibt. Dabei beherrschen die meisten der Geflüchteten die deutsche Sprache sehr gut, so dass es kaum noch Verständigungsprobleme gibt. So soll ein Schwerpunkt der zukünftigen Arbeit der FlüBo in der Gewinnung weiterer Ehrenamtlicher liegen. Ebenso soll ein Ausbau der Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinen, dem HOT/Stephanushaus und der Sekundarschule angestrebt werden. An den erfolgreichen Beratungen bei Bewerbungen, rechtlichen und alltäglichen Problemen im FlüBo-Treff soll in jedem Fall festgehalten werden. Alle Teilnehmer waren sich einig, die Rechtsberatung zu ausländerrechtlichen Fragen weiter regelmäßig anzubieten. Gerade in Zeiten, in der sich die Rechtslage häufig zu Ungunsten der geflüchteten Menschen ändert, sei sie wichtiger denn je, so der Tenor.

MEHR MÖGLICHKEITEN DER BEGEGNUNG SCHAFFEN

Auch sollten häufiger Möglichkeiten der Begegnung geschaffen werden. Das könnten Konzerte, Partys, Ausflüge oder auch ein sonntägliches Picknick im Grünen sein. Sabine Sarpe, Pfarrerin der Evangelischen Stephanus-Kirchengemeinde Borchen, regte an, Abende anzubieten, an dem Geflüchtete über ihr Land, ihre Kultur berichten und einige kulinarische Köstlichkeiten ihrer Heimat anbieten.

GEGEN RESTRIKTIVE FLÜCHTLINGSPOLITIK

„Wir, die Mitglieder der Flüchtlingshilfe Borchen, sehen uns auch als Interessenvertreter*innen der zu uns geflüchteten Menschen. Wir wenden uns entschieden gegen die restriktive Flüchtlingspolitik in den letzten Monaten. Es ist unmenschlich, dass Europa die Seenotrettung im Mittelmeer praktisch eingestellt hat. Die ertrinkenden Flüchtlinge rühren offenbar keinen der dafür Verantwortlichen. Das Prinzip der Nächstenliebe scheint im Falle der in Not geratenen Menschen aus anderen Kulturen nicht mehr zu gelten…“, so die Vorstandsmitglieder des FlüBo.e.V..

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