Coronavirus: Vorschläge für Veränderungen im kirchlichen Leben

Brief von Superintendent Volker Neuhoff

Superintendent Volker Neuhoff. Foto: Heide Welslau

Superintendent Volker Neuhoff. Foto: Heide Welslau

Paderborn/Kreis Höxter/Lügde (ekp). Die Situation mit der rasanten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus betrifft auch das gemeindliche und kirchliche Leben im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn. Deshalb hat sich Superintendent Volker Neuhoff in einem Brief an die Pfarrerinnen und Pfarrer, an die Presbyterien der evangelischen Kirchengemeinden, an den Kreissynodalvorstand und die Gemeinsamen Dienste des Kirchenkreises gewandt.

MITEINANDER UND FÜREINANDER VERANTWORTUNG TRAGEN

Der Superintendent betont darin, dass jetzt Solidarität der vermeintlich Gesunden mit potentiell gefährdeten Personengruppen gefordert sei. „So gesund ich mich fühle, ich kann unwillentlich und unwissentlich zur Verbreitung des Virus beitragen. Das heißt, wir tragen miteinander und füreinander Verantwortung.“ Dazu gehöre auch der Schutz derjenigen, die an Veranstaltungen des Kirchenkreises teilnehmen. Deshalb habe der Kirchenkreis am 12. März entschieden, alle Veranstaltungen der Gemeinsamen Dienste (Jugendreferat, Erwachsenenbildung, Kita-Bereich, Schulreferat) bis zum 5. April abzusagen. Die Mediothek bleibt geschlossen. Besucher können das Haus der Evangelischen Kirche nur nach Klingeln an der Eingangstür betreten.

BEWUSSTE VERÄNDERUNGEN IM KIRCHLICHEN LEBEN

Der Kirchenkreis wolle seinen Beitrag zum Wohl der Menschen leisten, so der Superintendent und schlägt „bewusste Veränderungen im kirchlichen Leben“ vor. Dazu gehört unter anderem die Absage aller gemeindlichen und kirchlichen Veranstaltungen, die nicht zwingend notwendig sind, zunächst bis zum 5. April. Auch die Gemeindebüros sollten auf Publikumsverkehr verzichten, und die Kommunikation sollte auf dem Postweg, über Telefon und per E-Mail erfolgen.

BITTE UM ABSAGE AUCH ALLER GOTTESDIENSTE

Bewusst bezieht der Superintendent in seine Bitte um Absage auch alle Gottesdienste vor Ort in den Gemeinden ein, nicht nur in Krankenhäusern und Seniorenheimen. „Es gibt im Fernsehen, im Rundfunk und auch im Internet viele Möglichkeiten zur Teilnahme an Gottesdiensten. Sie ersetzen nicht die Kommunikation mit vertrauten Personen, aber gegenwärtig tragen soziale Kontakte in Gruppen zur Ausbreitung des Coronavirus bei.“ Auch die für den 22. März geplanten gottesdienstlichen Einführungen der neuen Presbyterien sollten verschoben werden. Es entstehe keine Leitungslücke in den Kirchengemeinden, da laut Kirchenordnung die bisherigen Personen bis zur Einführung der neuen ihre Ämter behielten, betonte Neuhoff.
Für Kasualien, wie Taufen oder Trauungen, regt der Superintendent, Sonderformen wie Haustaufen oder Haustrauungen an, wenn sie sich nicht verschieben ließen. Für kirchliche Bestattungen schlägt der Superintendent im sensiblen Umgang mit den Hinterbliebenen eine kleine angemessene Form mit wenigen Beteiligten vor.

WEITERHIN SEELSORGE ODER GEBET, VERKÜNDIGUNG ODER DIAKONIE, PARTIZIPATION ODER LEITUNG

„Die Absage von Veranstaltungen und Gottesdiensten ist keine Absage von Kommunikation. Sie schränkt das Gruppengeschehen und das soziale Leben ein, aber hindert nicht an Seelsorge oder am Gebet, nicht an Verkündigung oder Diakonie, nicht an Partizipation oder Leitung.“ Der Superintendent schlägt den Austausch über Messengerdienste, Telefonketten und Email vor. Pfarrerinnen und Pfarrer könnten zu verlässlichen Zeiten am Telefon für Seelsorge zur Verfügung stehen. Außerdem seien Videobotschaften und Kurzandachten, die gedruckt in Lebensmittelgeschäften ausgelegt werden, möglich. Der Kirchenkreis mit seinen Kirchengemeinden und Gemeinsamen Diensten könne auch in dieser Situation getreu seinem biblischen Leitwort lebendig, aufbauend, geistlich wirken, ist Neuhoff überzeugt.
Zum Evangelischen Kirchenkreis Paderborn gehören 14 evangelische Kirchengemeinden mit rund 79.000 Christinnen und Christen in den Kreisen Höxter und Paderborn sowie in Lügde im Kreis Lippe.