Von Pfarrer Uwe Neumann
Das Beste kommt zum Schluss?

Uwe Neumann

Uwe Neumann

Kennen Sie den Film „Das Beste kommt zum Schluss“? Wenn nicht, hier eine sehr kurze Zusammenfassung: Zwei ältere Männer, gespielt von Morgan Freeman und Jack Nicholson begegnen sich krebskrank in einem Krankenhaus. Freeman spielt einen ehemaligen Autoschlosser mit geringem Einkommen, Nicholson einen deutlich Begüterten. Beide können sich zu Anfang überhaupt nicht leiden, doch plötzlich bekommt Nicholson eine Liste in die Hand, die Freeman mit sich herumträgt, offensichtlich älteren Datums. Auf Nachfrage erläutert Freemann, dass es sich um eine sogenannte „Bucket List“, eine „Löffelliste“ handelt, somit um eine Liste von Dingen, die man tun oder erleben will, „bevor man den Löffel abgibt“. Da Freeman die Mittel fehlen, über die Nicholsons Charakter allerdings verfügt, machen die beiden sich daran, diese Liste abzuarbeiten, da ja beide in nicht allzu ferner Zukunft aufgrund ihrer Krebserkrankung den eigenen Tod deutlich nahe vor Augen haben. Wie sie das tun, was dabei alles geschieht und wie sich das alles weiterentwickelt, davon handelt dann der Rest des Films – tragisch, komisch und bewegend (Da ich persönlich finde, dass dieser Film zu den sehenswerteren gehört, und hoffe, ihnen ein wenig Lust darauf gemacht zu haben ihn sich anzusehen, möchte ich hier nichts weiter „spoilern“ = verraten).
Aufgrund des Ewigkeitssonntages („Totensonntag“) am 25. November habe ich kirchenjahreszeitgemäß meinen Schülern die Aufgabe gestellt, doch einmal eine ganz persönliche „Löffelliste“ für sich selbst zu erstellen. Sie sollte mindestens 10 Punkte umfassen und es durften ruhig unmögliche oder unvernünftige oder sehr unwahrscheinlich zu erfüllende Vorhaben darauf erscheinen. Hier eine kleine Auswahl meiner Schülerinnen und Schüler: einmal mit Messi Fussball spielen, Schwerelosigkeit bei einem Parabelflug erleben, mit dem schnellsten Auto der Welt Höchstgeschwindigkeit fahren, zum tiefsten Punkt der Erde tauchen, in Paris den Eiffelturm besteigen, die beiden Lieblings-Youtuber treffen, alle Star-Wars-Folgen hintereinander gucken – ohne einzuschlafen, eine bedeutende Erfindung machen, irgendetwas Tolles tun – von dem die Familie noch über Generationen erzählt, Opa im Himmel besuchen, ein Medikament entwickeln, das Krebs heilt.
Ganz häufig kam übrigens der Wunsch, eine Familie zu gründen, mit „all dem langweiligen Kram“, wie eine Schülerin formulierte. Meine Reaktion darauf, dass es dann nie mehr langweilig sein würde, haben alle Schülerinnen und Schüler sofort verstanden. Ganz oben standen bei allen übrigens Reisen und Entdeckungen zu und an allen möglichen Orten der Welt – neugierig und abenteuerlustig sind unsere Jugendlichen also noch – dass lässt mich vertrauensvoll in die Zukunft schauen, die für alle von Ihnen noch möglichst lange andauern möge.
Meine Schüler haben mich übrigens aufgefordert ebenfalls meine „Bucket List“ zu erstellen. Bei einem Punkt ist mir aufgefallen, dass man mit dem Wünschen vorsichtig sein sollte, denn wenn ich mir vorstelle, ich müsste bei meinem Wunsch, einmal bei der Tour de France mit einem Wohnmobil eine Bergankunft zu erleben, dort tagelang vorher kampieren, um einen Platz zu ergattern und dann ausharren und immer diesen Berg mit dem Fahrrad hinunter und hinauf fahren um ja nicht diesen erkämpften Platz zu verlieren, wird mir ganz anders. Also: Vorsicht vor Wünschen – sie könnten in Erfüllung gehen!
Ach ja, was steht denn auf ihrer „Bucket List“, ihrer „Löffelliste“?

Pfarrer Uwe Neumann ist Schulpfarrer im König-Wilhelm-Gymnasium in Höxter und im Marianum in Warburg.
Der Beitrag ist veröffentlicht in der Kolumne “Auf ein Wort, Herr Pfarrer” der Neuen Westfälischen Höxter am 24. November 2018.

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