"PAZANY" - Fachtagung zur Arbeit mit Migrantenjugendlichen

„Kein Projekt, sondern eine Aufgabe!“

Diskutierten über die Arbeit mit Migrantenjugendlichen: Pfarrer Benedikt Fischer (St. Hedwig-Gemeinde), Pfarrerin Elke Hansmann (Martin-Luther-Pfarrbezirk), Alexandra Nodzynski (Anlaufstelle "Unter dem Regenbogen"), Carlos Tomé (Projekt "Pazany"), Veronika Spogis (Landesjugendamt), Jutta Vormberg (Diakonie Paderborn-Höxter e. V.), Petra Erger (Jugendamt Paderborn), Margret Schmitz (CDU-Fraktion Paderborn) und Gerd Lübbert (Diakonisches Werk Westfalen).

Diskutierten über die Arbeit mit Migrantenjugendlichen: Pfarrer Benedikt Fischer (St. Hedwig-Gemeinde), Pfarrerin Elke Hansmann (Martin-Luther-Pfarrbezirk), Alexandra Nodzynski (Anlaufstelle "Unter dem Regenbogen"), Carlos Tomé (Projekt "Pazany"), Veronika Spogis (Landesjugendamt), Jutta Vormberg (Diakonie Paderborn-Höxter e. V.), Petra Erger (Jugendamt Paderborn), Margret Schmitz (CDU-Fraktion Paderborn) und Gerd Lübbert (Diakonisches Werk Westfalen).

Paderborn (ekp) – Das Projekt „Pazany – Jungs, wo wollt Ihr hin“ ist für Paderborn „ein Novum“. Dieser Einschätzung von Jugendamtsleiterin Petra Erger schlossen sich alle Teilnehmer der Fachtagung an, zu der die Diakonie Paderborn-Höxter e. V. am Mittwoch eingeladen hatte. Fachteilnehmer aus Einrichtungen des Landes, der Stadt und aus anderen Wohlfahrtsverbänden diskutierten über die Arbeit der Diakonie Paderborn-Höxter e. V. mit Migrantenjugendlichen in den Stadtteilen Lieth und Kaukenberg. Insgesamt brachte das Treffen viel Anerkennung sowie zahlreiche Anregungen zur Fortführung und Intensivierung der Arbeit.

Die Bevölkerung der in den letzten Jahren rasant gewachsenen Stadtteile im Osten Paderborns besteht zu großen Teilen aus Familien mit Migrationshintergrund. Knapp die Hälfte aller Bewohner sind unter 28 Jahre alt. Die Anlaufstelle der Diakonie und der evangelischen Gemeinde „Unter dem Regenbogen“ auf dem Kaukenberg bietet jungen Migranten seit vielen Jahren eine offene Tür, Unterstützung in Problemsituationen und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Das Projekt „Pazany“ ergänzt das Angebot um geschlechtsspezifische Arbeit überwiegend mit männlichen Jugendlichen. Soziales Miteinander und eine Integration in das neue Gesellschaftssystem sollen dabei gefördert, Gewalt, Kriminalität und der Missbrauch von Alkohol und Drogen verhindert werden.

„Mich beeindrucken die Vielfalt und Ganzheitlichkeit des Projektes“, äußerte sich Veronika Spogis vom LWL-Landesjugendamt. Die Kombination aus offenem Beratungsangebot, Erlebnispädagogik, geschlechtsspezifischen Workshops, Stadtteilarbeit, Kampfesspielen und vielem mehr überzeugte auch Gerd Lübbert vom Diakonischen Werk Westfalen. „Die geschlechtsspezifische Arbeit mit Jungen, im speziellen mit Migrantenjugendlichen, ist in NRW selten. Und in dieser Bandbreite und Konsequenz ist das Paderborner Projekt „Pazany“ wohl einzigartig.“

Im Jahr 2003 erreichten die Anlaufstelle und das Projekt „Pazany“ 138 Jugendliche, davon über 100 aus den GUS-Staaten. Eine Erweiterung der gezielten jungen- bzw. mädchenpädagogischen Arbeit auf eine größere Zielgruppe wünschte sich Jugendamtsleiterin Petra Erger: „Zurzeit besteht ein relativ hoher Aufwand an Ressourcen für einen relativ kleinen Personenkreis.“ Pfarrer Benedikt Fischer aus der katholischen St.-Hedwig-Gemeinde Auf der Lieth hingegen betonte die hohe Multiplikatorenwirkung des Projektes: „Jugendliche, die durch die Arbeit der Anlaufstelle hinzugelernt haben, üben viel mehr Einfluss auf ihre Freunde aus als erboste Anwohner oder Polizeistreifen.“

Die didaktische Leiterin der Friedrich-von Spee-Gesamtschule auf dem Kaukenberg, Brigitte Köhler-Thewes, unterstrich diese Beobachtung und plädierte darüber hinaus für eine stärkere Vernetzung von Sozialarbeit und Schule. Auch Gerhard Hesse von der Agentur für Arbeit wünschte sich eine intensivere Zusammenarbeit: „Um auf dem deutschen Arbeitsmarkt bestehen zu können, bedarf es bei vielen Migrantenjugendlichen einer intensiven Integrationsarbeit. Das ist kein zeitlich begrenztes Projekt. Es ist eine Aufgabe.“

Die Finanzierung des Projektes „Pazany“ läuft im Februar 2005 aus. Ob und wie die geschlechtsspezifische Arbeit mit jungen Migranten auf dem Kaukenberg fortgesetzt werden kann, steht noch nicht fest. „Wir haben eine Verantwortung gegenüber den Jugendlichen übernommen“, fasste Diakonie-Geschäftsführerin Jutta Vormberg zum Ende der Tagung zusammen. Schließlich sei die persönliche Bindung an die Sozialarbeiter der Anlaufstelle, Carlos Tomé und Alexandra Nodzynski, und an ihre Arbeit hoch. „Die jungen Migrantinnen und Migranten sollen nach Februar 2005 nicht in ein Loch fallen. Wir werden daher alles tun, um die Arbeit „Unter dem Regenbogen“ in möglichst großem Umfang weiter zu führen.“

 

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© Ev. Kirchenkreis Paderborn 27.05.04