NACH 43 JAHREN Adelheid Meller sagt dem Katharina von Bora Familienzentrum ade
„Die Erinnerungen werden bleiben!”

VON HEINZ WILFERT

Offizielle Verabschiedung von Adelheid Meller (links) durch Volker Neuhoff, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, und Ulrike Freitag-Friedrich, Geschäftsführerin des Verbundes für Tageseinrichtungen im Kirchenkreis. FOTO: HEINZ WILFERT

Offizielle Verabschiedung von Adelheid Meller (links) durch Volker Neuhoff, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, und Ulrike Freitag-Friedrich, Geschäftsführerin des Verbundes für Tageseinrichtungen im Kirchenkreis. FOTO: HEINZ WILFERT

STEINEIM – „Dieser Kindergarten war mein Leben, mein Zuhause“, sagt Adelheid Meller über ihre Arbeit als Erzieherin, die nach mehr als vier Jahrzehnten im evangelischen Katharina von Bora Familienzentrum Steinheim geendet ist. „Es fällt schwer, in den Ruhestand zu gehen und die Verantwortung abzugeben“, erklärt sie und es schwingt viel Wehmut mit. In den vielen Jahren seien intensive Kontakte mit den Kindern, den Eltern, den Mitarbeiterinnen, aber auch Vereinen in Steinheim aufgebaut worden. „Ich habe noch Kontakt zu ehemaligen Kindergartenkindern, die heute selbst auf die 50 zugehen. Diese schönen Erinnerungen werden bleiben“, schwärmt die Erzieherin.

Nachdem sich der Wunsch, mit Kindern zu arbeiten früh abgezeichnet hatte, absolvierte Adelheid Meller ihre Ausbildung zwischen 1970 und 1972 an der Fachschule in Bad Driburg. Danach folgte das Anerkennungsjahr im St. Dionysius Kindergarten Sandebeck und eine Betreuung von Aussiedlerkindern. Ihren Dienst im evangelischen Kindergarten Steinheim hat die scheidende Leiterin am 1. November 1974 angetreten. Ein Jahr vorher war der neu gebaute evangelische Kindergarten eröffnet worden.

Seit 2001 leitet Adelheid Meller die Einrichtung, die 2008 als Familienzentrum zertifiziert wurde, wo Familien Rat und Hilfe bekommen. Die Umbenennung in Katharina von Bora Familienzentrum verlief in Anlehnung an das Martin-Luther-Gemeindezentrum der evangelischen Kirche. In mehr als vier Jahrzehnten habe sich inhaltlich und baulich viel getan in diesem Kindergarten, der durchgehend dreizügig geführt wurde. Nach einer großen Renovierungsmaßnahme 2005 mussten die Kinder vorübergehend in das Gemeindezentrum umziehen. 2012 folgte ein Anbau für das immer stärker nachgefragte U 3 Angebot.

Bei der Gründung des Kindergartens hatte gerade der damalige Pfarrer Gerhard Wöhrmann lange vor der gesetzlichen Regelung großen Wert darauf gelegt, jüngere Kinder aufzunehmen. „Diese Projekte haben viel Zeit und Energie gekostet. Es hat sich aber gelohnt.“ 2012 ging die Trägerschaft von der Kirchengemeinde in den Verbund von Tageseinrichtungen im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn über.

Geändert habe sich viel in 40 Jahren, nicht nur die Nachfrage nach einer ganztägigen Bildungsarbeit. Das Familienzentrum ist als Sprachkindergarten zur Förderung von Sprache anerkannt, setzt auf Bewegung und Naturbeobachtung sowie eine intensive Elternarbeit. Heute müsse in einem Kindergarten viel dokumentiert, Programme geschrieben und Fortbildungen geleistet werden. „Eins ist aber im evangelischen Kindergarten gleich geblieben: hier darf jedes Kind ganz Kind sein, ohne Leistungsdruck und ohne Unterschiede der Herkunft“, so Adelheid Meller. Deshalb würden schon lange Kinder mit Migrationshintergrund und Integrationsbedarf die Einrichtung besuchen.

„Wegen seiner Vielfalt ist der Beruf der Erzieherin einer der schönsten“, fasst Adelheid Meller ihr Berufsleben zusammen. Die Vorfreude auf den Ruhestand sei zwar da. Sie gehe aber im Bewusstsein, eine gut geführte Einrichtung zu hinterlassen, die von den Eltern geschätzt werde. Für die gute Zusammenarbeit dankt sie ihrem Team genauso wie den Eltern. Durch ihre Interessen für das Lesen, ihren Garten und die Mitgliedschaft bei den Schützendamen in Bergheim sieht Adelheid Meller dem Ruhestand gelassen entgegen. Dazu trägt auch ein eigenes Wohnmobil für Urlaubsreisen bei, das seit einigen Wochen vor der Tür steht.

Auch die Nachfolge ist bereits geregelt. Cornelia Schnare aus Lügde arbeitet bereits als Fachkraft im Kindergarten. Sie wird sich in einem Gottesdienst am 14 Januar vorstellen.

Nach 43 Jahren im evangelischen Kindergarten in Steinheim, die letzten 16 Jahre als Leiterin, ist Adelheid Meller - hier inmitten von Kindern - in den Ruhestand gegangen. FOTO: HEINZ WILFERT

Nach 43 Jahren im evangelischen Kindergarten in Steinheim, die letzten 16 Jahre als Leiterin, ist Adelheid Meller – hier inmitten von Kindern – in den Ruhestand gegangen. FOTO: HEINZ WILFERT

Mit einem Familiengottesdienst und Empfang im Gemeindezentrum wurde Adelheid Meller am 3. Dezember in den Ruhestand verabschiedet. Für den neuen Lebensabschnitt wünschten viele Gratulanten alles Gute. Presbyterin Helga Weber-Kruck hatte im Gottesdienst auf die Änderungen in der Erziehungsarbeit hingewiesen: vom eher spielerischen Umgang in Gruppen bis zu 30 Kindern über wichtige Förderprogramme bis zur Vorbereitung auf die Schulreife. Mit dem Familienzentrum seit 2008 habe sich der Aufgabenbereich deutlich verändert, weil neue Institutionen ins Boot geholt wurden.

Die Verdienste von Adelheid Meller würdigten auch Ulrike Freitag-Friedrich, Geschäftsführerin des Verbundes für Tageseinrichtungen im Kirchenkreis, und Superintendent Volker Neuhoff. Mit „Staunen, Bewunderung und Hochachtung“ verband Ulrike Freitag-Friedrich ihren Dank an Adelheid Meller. Im Verlauf von vier Jahrzehnten hätten sich die Aufgaben zwar rasant verändert, sie habe diese aber mit Organisationstalent und Gelassenheit bewältigt. Auch im Lenkungsausschuss auf Kirchenkreisebene habe sich Adelheid Meller durch Kompetenz, Kooperationsfähigkeit und den Blick für Neues ausgezeichnet.

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