„Auf ein Wort“ von Pfarrer Detlev Schuchardt
Die Stille aushalten

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

In 14 Tagen wird er wieder zu Diskussionen führen: Der Karfreitag. Da es sich um einen „stillen Tag“ handelt, sind Tanzveranstaltungen gesetzlich verboten. Populär ist aber dieser Tag auch als „Car-Freitag“. Die Tuner-Szene trifft sich und vergleicht ihre aufgemotzten Automobile. Der „stille Tag“ wird damit zum Witz.

Nicht wenige Menschen regen sich auf, dass sie als Nicht-Gläubige bzw. als Nicht-Christen Rücksicht nehmen sollten auf die besondere Bedeutung dieses Tages. Sollen doch die gläubigen Christen an den Tod Jesu am Kreuz denken, sie wollen aber diesen Tag verbringen wie jeden Tag – und wenn ihnen nach Feiern und Lärmen ist, so muss dies doch möglich sein. Ist der Karfreitag als „stiller Tag“ noch zeitgemäß?

Anlässlich der rückläufigen Bedeutung des Christentums scheint diese Frage berechtigt. Auch vielen Angehörigen der christlichen Kirche scheint es gleichgültig, wie dieser Tag begangen wird. Sie wollen sich nicht gern dem Thema „Tod“ stellen und die Stille zulassen. Denn das ist ein wesentlicher Grund für ein Aufbegehren gegen den Karfreitag als „stillen Tag“. Menschen halten die Stille nicht mehr aus. Sie haben Angst davor, dass da Fragen nach dem Sinn ihres Lebens kommen, auch Gedanken an die Begrenztheit des eigenen Lebens und den Tod, der ihnen nahestehende Menschen weggerissen hat.

In christlicher Tradition ist der Karfreitag ein Tag, an dem diese Themen angesprochen werden. Und  – auf ein Wort  – sind das nicht Themen, die keinem Menschen im Leben erspart bleiben? Ich erlebe es immer wieder, wie Menschen, die plötzlich von schlimmen Schicksalsschlägen ereilt werden, die sie aus der Lärm- und Spaßgesellschaft herausgerissen haben, es dann doch bedauern, bisher gar nicht über die Schattenseiten des Lebens nachgedacht zu haben. Auf einmal gehen Menschen dann doch in eine stille Kirche und zünden eine Kerze an. Warum also nicht schon vorher die Stille einüben und Gedanken an Tod und Leid Raum geben? Es gibt noch genügend Tage und Gründe laut und ausgiebig das Leben zu feiern, gerade weil es nicht unbegrenzt ist!

Detlev Schuchardt ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe.

Sein Beitrag ist in der Kolumne „Auf ein Wort“ der Neuen Westfälischen Paderborn am 16. März veröffentlicht.

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