Superintendent Volker Neuhoff zu Gottesdiensten in Kirchen
Die verantwortliche Vorbereitung braucht Zeit

Superintendent Volker Neuhoff. Foto: Heide Welslau

Plädiert für eine gute Mischung gewohnter und medialer Gottesdienstformen: Superintendent Volker Neuhoff, Evangelischer Kirchenkreis Paderborn. Foto: EKP/Heide Welslau

Paderborn/Kreis Höxter/Lügde (ekp). Ab 1. Mai können in Nordrhein-Westfalen wieder Präsenzgottesdienste stattfinden. Das hat die Landesregierung am 23. April mitgeteilt. Im Bereich der Evangelischen Kirche von Westfalen ist es aber nur unter strengen Auflagen möglich. „Die Gemeinden können ab Mai Gottesdienste in den Kirchen allmählich wieder aufnehmen, sie müssen es aber nicht. Die Entscheidung liegt bei den Presbyterien“, erklärt Volker Neuhoff, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn und betont: „Ziel ist es nicht, möglichst frühzeitig wieder Gottesdienste in den Kirchen anzubieten, sondern das verantwortlich zu tun.“

Grundlage für die Feier von Präsenzgottesdiensten in Kirchen sind strenge Hygieneauflagen, die von der Evangelischen Kirche in Deutschland in Abstimmung u.a. mit dem Robert-Koch-Institut entwickelt wurden. Gemeinden, die Präsenzgottesdienste aufnehmen wollen, müssen für jede Gottesdienststätte ein Schutzkonzept erstellen und im Presbyterium beschließen. Die Schutzkonzepte sind dem Superintendenten vor der Aufnahme von Gottesdiensten vorzulegen. Die Superintendentur informiert ihrerseits die Kommunen darüber.

Bedingung ist, dass die Gottesdienststätte mit ihrer Fläche, ihren Ein- und Ausgängen und ihrer Platzzahl solche veränderten Präsenzgottesdienste überhaupt zulässt. Die Kirchengemeinden müssen Teilnahmelisten führen. Es besteht Maskenpflicht. Die Gemeinden müssen Desinfektionsmittel vorhalten. Außerdem müssen Personen anwesend sein, die die zum Gottesdienst Kommenden informieren, einweisen und das Einhalten der Regelungen überwachen. verantwortlich sind. Das Singen der Gemeinde oder das Musizieren von Chören oder Posaunenchören im Gottesdienst ist untersagt. Die Feier des Heiligen Abendmahls soll bis auf weiteres ausgesetzt werden.

„Diese Regeln umzusetzen, braucht Zeit zur Vorbereitung. Auf keinen Fall darf es sein, dass die Angst vor Ansteckung oder Verbreitung des Coronavirus sich lähmend über die Feier des Gottesdienstes legt. Es muss andererseits so weit wie möglich verhindert werden, dass Gottesdienste krank machen“, unterstreicht Neuhoff. Es könne jetzt nicht um die Aufnahme von Präsenzgottesdiensten um jeden Preis gehen. Es gelte, die Nächsten zu schützen, und manchmal sei das nur durch Verzicht auf das Vertraute möglich, so der Superintendent.

Die Verkündigung des Wortes Gottes beschränke sich nicht auf Sonntagmorgen, Kirchenbänke und traditionelle liturgische Formen, sondern geschehe auch durch Gottesdienste in anderer Form, betont Neuhoff und nennt als Beispiele Andachten zum Mitnehmen vor der Kirche, Online-Gottesdienste und Telefongottesdienste. „Wir brauchen eine gute Mischung. Für unterschiedliche Menschen unterschiedliche Formen“, plädiert der Superintendent dafür, neue mediale Formen von Kirche und alternative Möglichkeiten lebendiger Gemeinde zu nutzen.

Zudem sei Gottesdienst, so Superintendent Neuhoff, mehr als Liturgie und Ritual. Es gebe in der Bibel mehrfach den Hinweis auf den Gottesdienst im Alltag der Welt. „Das ist für mich Gottesdienst mit Resonanz. Wenn die Andacht von der Wäscheleine vor der Kirche durch die Lebensmitteltüte am Gartenzaun weiterwirkt.“

 

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