Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn
Die Vertrauenskrise in der Gesellschaft überwinden

Laden zum Besuch des Evangelischen Kirchentages ein: Kirchentagspräsident Hans Leyendecker (l.) und Superintendent Volker Neuhoff beim Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn im Martin-Luther-Zentrum. Foto: EKP/Heide Welslau

Laden zum Besuch des Evangelischen Kirchentages ein: Kirchentagspräsident Hans Leyendecker (l.) und Superintendent Volker Neuhoff beim Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn im Martin-Luther-Zentrum. Foto: EKP/Heide Welslau

Paderborn/Kreis Höxter/Lügde (ekp). Wie ein roter Faden zog sich das Thema Vertrauen durch den Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn. Dazu begrüßte Superintendent Volker Neuhoff über 130 geladene Gäste aus den Bereichen Ökumene, Politik, Soziales und Wirtschaft im Paderborner Martin-Luther-Zentrum. Gastredner war Hans Leyendecker, Präsident des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages 2019, der vom 19. bis 23. Juni unter dem Motto „Was für ein Vertrauen“ (2. Könige 18,19) in Dortmund stattfindet. Leyendecker machte neugierig auf den Kirchentag, der ein „Kirchentag der klaren Worte“ sein und die gesellschaftliche Vielfalt der Positionen widerspiegeln und in einen Dialog bringen werde.

Begrüßung: Superintendent Volker Neuhoff hieß über 130 Gäste beim Neujahrsempfang des Kirchenkreises willkommen. Dazu gehörten auch die Mitglieder der Gehörlosengemeinde innerhalb des Kirchenkreises und die neue landeskirchliche Gehörlosenpfarrerin Heike Kerwin. Die Gebärdendolmetscherin Andrea Knipping (l.) übersetzte zusammen mit einer Kollegin die Redebeiträge in Gebärdensprache. Foto: EKP/Heide Welslau

Begrüßung: Superintendent Volker Neuhoff hieß über 130 Gäste beim Neujahrsempfang des Kirchenkreises willkommen. Dazu gehörten auch die Mitglieder der Gehörlosengemeinde innerhalb des Kirchenkreises und die neue landeskirchliche Gehörlosenpfarrerin Heike Kerwin. Die Gebärdendolmetscherin Andrea Knipping (l.) übersetzte zusammen mit einer Kollegin die Redebeiträge in Gebärdensprache. Foto: EKP/Heide Welslau

In seiner Begrüßungsrede ging Superintendent Volker Neuhoff auf Veränderungen des gesellschaftlichen Klimas ein. Mit Blick auf Kindesmissbrauchsfälle, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Shitstorms dränge sich der Eindruck einer „wachsenden Würdelosigkeit der Gesellschaft“ auf, die zu verachtenden Haltungen und schlimmen Taten führe sowie Menschen und das Zusammenleben verändere. Um dem zu begegnen, setzt der Superintendent auf eine „Gegen- und Aufbaubewegung“, auf Lebendigkeit statt Schockstarre, auf sichtbare Positionierung statt Rückzug und auf sinngefüllte Gesprächsräume statt Pöbelei. „Das Gespräch der gesellschaftlichen Gruppen miteinander wird zunehmend wichtiger, wollen wir nicht der Sprachlosigkeit und Verdrossenheit, dem Egoismus und der Würdelosigkeit Vorschub leisten“, betonte Neuhoff.

Hans Leyendecker ist zuversichtlich, dass der Dortmunder Kirchentag ein Zeichen setzen könne. „Die Kirchentage gründeten immer in der Überzeugung, dass Christsein und politische Überzeugung zusammengehören. Gemeinsam müssen wir die Vertrauenskrise überwinden“, unterstrich der Kirchentagspräsident.

Leyendecker, der sich als investigativer Journalist, unter anderen für „Spiegel“ und „Süddeutsche Zeitung“, einen Namen gemacht hat, zog in seiner Rede einen Bogen vom Journalismus und den digitalen Medien über Vertrauen und Misstrauen bis zum Umgang mit rechtsradikalem Extremismus. Er beklagte die „Hexenjagd“ der sozialen und etablierten Medien und die zunehmende Neigung der Menschen in der „eigenen Filterblase“ nur die Bestätigung ihrer Meinung zu suchen. Dadurch ginge das Vertrauen in die Berichterstattung der Journalisten verloren.

Sprach über Vertrauenskrise und Gottvertrauen: Kirchentagspräsident Hans Leyendecker. Foto: EKP/Heide Welslau

Sprach über Vertrauenskrise und Gottvertrauen: Kirchentagspräsident Hans Leyendecker. Foto: EKP/Heide Welslau

Demokratie und Vertrauen gehörten zusammen, erklärte Leyendecker und forderte ein Zusammenstehen der Demokraten gegen Rechtsextremismus und Neonazis. Deshalb würden beim Kirchentag keine Repräsentanten der AfD auf dem Podium sitzen. Sie seien aber zu Bibelarbeiten und Gottesdiensten eingeladen. Mit Blick auf die Integration von Flüchtlingen gehört für Leyendecker auch das Bekenntnis zur historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber den Juden und Israel dazu: „Wer in Deutschland zuhause sein will, kann nicht sagen, eure Geschichte geht mich nichts an.“

Trotz der zunehmenden Härte in den Auseinandersetzungen und den tiefer werdenden Gräben in der Gesellschaft ist Leyendecker nicht resigniert, sondern hat Vertrauen: „Mit dem Vertrauen fängt alles an. Gottvertrauen ist für mich die Grammatik des christlichen Lebens.“ Und der Kirchentag wolle Mut machen zum „Risiko des Glaubens“ und zu „freier Verantwortung angesichts der gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Realitäten.“

Es sei eine Freude und Ehre, den Kirchentag in leicht erreichbarer Nähe zu Gast zu haben, sagte Superintendent Volker Neuhoff und verwies auf die aktive Beteiligung des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn. Dazu gehören zwei Auftaktgottesdienste im Kirchenkreis, Stände beim Abend der Begegnung in Dortmund und ein Stand beim Markt der Möglichkeiten während des Kirchentages. Für einen Vorgeschmack auf die besondere Kirchentagsatmosphäre sorgte mit seiner Musikauswahl der Bläser-Arbeitskreis des Kirchenkreises unter Leitung von Marianne Noeske.

 

Sorgte für Kirchentagsatmosphäre: Der Bläser-Arbeitskreis des Kirchenkreises unter Leitung von Marianne Noeske. Foto: EKP/Heide Welslau

Sorgte für Kirchentagsatmosphäre: Der Bläser-Arbeitskreis des Kirchenkreises unter Leitung von Marianne Noeske. Foto: EKP/Heide Welslau

 

Im Gespräch: (v. l.) Landtagsabgeordnete und Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen Sigrid Beer, Paderborns Bürgermeister Michael Dreier, Kirchentagspräsident Hans Leyendecker und der Landrat des Kreises Paderborn Manfred Müller. Foto: EKP/Heide Welslau

Im Gespräch: (v. l.) Landtagsabgeordnete und Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen Sigrid Beer, Paderborns Bürgermeister Michael Dreier, Kirchentagspräsident Hans Leyendecker und der Landrat des Kreises Paderborn Manfred Müller. Foto: EKP/Heide Welslau

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