Auf ein Wort
Ein Glückstag für die Menschlichkeit – Freitag der 13.

von Pfarrerin Heidrun Greine

Heidrun Greine, Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Paderborn

Heidrun Greine, Pfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Paderborn

Hatten sie heute Morgen ein merkwürdiges Gefühl beim Blick auf den Kalender? Oder gehören sie zu denen, die solchem Aberglauben den Kampf ansagen? In der Tat, heute ist Freitag, der 13. April. Viele Menschen halten diese Konstellation aus einem Freitag und der vermeintlichen Unglückszahl 13 für eine bedrohliche Mischung und manche mögen heute gar nicht aus dem Bett aufstehen um mögliche Unglücksfälle zu vermeiden. Eine Mischung aus der Primzahl 13 und dem Überschreiten des geschlossenen, glücksverheißenden 12-er Systems im Zahlenbereich scheint diese Zahl 13 zu einer unheilverkündenden zu machen.

Außerdem ist der Freitag, auch in Anlehnung an den Todestag Jesu, den Karfreitag, negativ besetzt. Ja, wir sagen „Kar“Freitag, was so viel meint wie „Freitag der Trauer“, aber das „Good Friday“ im englischen Sprachraum kommt wohl von „God Friday“, heißt also „Gottes Freitag“. Das klingt schon ganz anders. Ein Hinweis darauf, dass wir Christen ohne den Todestag Jesu an Karfreitag nicht die Auferstehung Christi an Ostern feiern können. Also ist auch dieser ganz besondere Freitag nicht nur der Tag der Trauer.

Ich glaube nicht, dass Freitag der 13. ein Unglückstag ist. Ich plädiere vielmehr dazu ihn zu einem Glückstag zu machen. Nach jüdischer Tradition ist die Zahl 13 eine Glückszahl und das Symbol Gottes, denn sie steht über der sonst so vollkommenen 12. Also ist Freitag ein guter Tag! Was heißt das für den heutigen Tag?

Ich wünsche mir, dass viele Menschen den heutigen Tag genießen mit Kollegen, Familie und Freunden ohne Angst zu haben, dass ein Unglück passiert. Ich wünsche mir, dass die Menschen aufmerksam bleiben, wenn ein Unglück geschieht, und dieses Unglück nicht einem Unglückstag zuschreiben, sondern aufmerksam auf den Grund des Unglücks schauen. Das kann eine unvermeidliche Naturkatastrophe sein, aber auch eine vermeidliche. Das kann selbstverschuldetes Leid sein, aber auch fremdverschuldetes.

Wie auch immer: Wir können als menschliche Gemeinschaft Unglücklichen helfen und versuchen Leid zu vermindern. Dazu hat Jesus in der Bergpredigt im Matthäusevangelium aufgerufen. Gerade Christen haben eine besondere Verantwortung gegenüber Menschen in Not. Wenn diese an Kirchentüren anklopfen, dann muss es weiterhin so bleiben, dass die Kirchengemeinde entscheidet, ob diese Menschen in der Kirche Asyl bekommen,  – ohne Einflussnahme von außen. Gemeinsam können wir jeden Tag und auch Freitag, den 13., zu einem Glückstag für die Menschlichkeit machen.

Heidrun Greine ist Pfarrerin der Evangelischen Studierenden Gemeinde Paderborn.

 Der Beitrag ist in der Kolumne „Auf ein Wort“ der Neuen Westfälischen Paderborn am Freitag, 13. April, veröffentlicht.

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