„Dann wettern wir mal los“
EINFACH FREI 2.0 Heike Plaß sprach über Polemik, Kunst und Kultur im 16. Jahrhundert

VON SILKE RIETHMÜLLER

In Bad Driburg: Der Moderator des Abends, Pfarrer Felix Klemme (l.), und Susanne Bornefeld von der Regionalstelle Evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Paderborn (r.) begrüßten Referentin Dr. Heike Plaß zur Fortsetzung der Reihe „Einfach frei“. FOTO: SILKE RIETHMÜLLER

In Bad Driburg: Der Moderator des Abends, Pfarrer Felix Klemme (l.), und Susanne Bornefeld von der Regionalstelle Evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Paderborn (r.) begrüßten Referentin Dr. Heike Plaß zur Fortsetzung der Reihe „Einfach frei“. FOTO: SILKE RIETHMÜLLER

BAD DRIBURG – „Ich werde gleich Worte in den Mund nehmen, die normalerweise nicht zu meinem Wortschatz gehören“, entschuldigte sich Heike Plaß, pädagogische Mitarbeiterin im Evangelischen Kirchenkreis Münster, gleich zu Beginn des Abends mit einem Augenzwinkern bei ihren Zuhörern. In der Reihe „Einfach frei 2.0 – 501 Jahre Kirche der Reformation“ sprach die Kulturwissenschaftlerin im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Driburg unter der Überschrift „Wer wettert am originellsten: Luther oder wir?“ über Polemik, Kunst und Kultur im 16. Jahrhundert.

„Dann wettern wir mal los“, begann die Referentin ihren Vortrag. „Ausgelaufene Apostaten“, „unverschämter Eselskopf“, „grober Hempel“ oder „Stinkeloch“ sind nur einige Beispiele der durchaus blumigen Kraftausdrücke, derer sich die Vertreter beider Konfessionen im 16. Jahrhundert im Streit um die rechte Lehre bedienten. Jahrhunderte alte Glaubenswahrheiten gerieten ins Wanken, Luthers Kritik an Theologie und Kirche rückte die Autorität der gesamten Geistlichkeit ins Blickfeld der öffentlichen Kritik. Die Reformatoren griffen die Untergangsstimmung in Schreckensbildern auf. Und die katholische Seite schlug zurück.

Auf Flugblättern ließen sich verunglimpfende Darstellungen und eindeutig zweideutige Botschaften schnell und vielfältig nicht nur unter das einfache Volk, sondern auch unter die Eliten aus Wissenschaft, Kunst, Klerus und Handwerk bringen. „Und die Menschen waren in dieser Zeit des gesellschaftlichen und politischen Umbruchs durchaus empfänglich für alles Neue. Das ‚Noch-nie-Dagewesene‘ zog sie in seinen Bann. Man kann sagen, dass Europa damals von der allerersten Globalisierungswelle erfasst wurde“, so Heike Plaß, die ihre Ausführungen anhand von verschiedenen Bildbeispielen verdeutlichte.

Aber wer hat denn nun am originellsten gewettert? Diese Frage beantwortete die Referentin mit einem klaren „unentschieden“. „Hier steht es 1:1, zumindest was die deftige Sprache und verunglimpfende Bilder betrifft“. Viel wichtiger sei jedoch die Antwort auf die Frage, wie weit Kritik in Form von Satire und Karikatur in der heutigen Zeit gehen dürfe. „Man stelle sich vor, Papst Franziskus oder der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, würden in einer solch verunglimpfenden Form öffentlich angegriffen. Die damalige Wortwahl und Bildsprache wären heute wohl ein Fall für die Justiz“, betonte Heike Plaß.

Zum Glück habe die Ökumene der Gegenwart im Dialog einen Weg gefunden, der auf ein weiteres Zugehen der beiden christlichen Kirchen aufeinander hoffen ließe. Dennoch müsse der künstlerisch vorgetragenen Kritik – auch an religiösen Themen – eine größtmögliche Freiheit belassen bleiben, so der Wunsch der Kulturwissenschaftlerin.

Die Reihe wird in Bad Driburg am Mittwoch, 16. Mai, um 18.30 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum fortgesetzt. Dann spricht Prof. Dr. Martin Leutzsch (Universität Paderborn) über Reformationsverluste.

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