ABSCHIED Studentenpfarrerin Brigitte Gläser verlässt nach 10 Jahren Paderborn
„Die Menschen, um deren Seele ich mich sorge...“
Von Christine Hartlieb

Mit dem “Café Integra“ im Mensa-Foyer bot ESG-Pfarrerin Brigitte Gläser - hier im Gespräch mit KFH-Studentin Birgitta Nüssen und den Kameruner Studenten Paul Ngourou und Hervé Barthélémy Tsakeng Nguimya - jeden Dienstag Studierenden der Universität Paderborn ein informelles Forum für Anfragen und Gespräche. FOTO: CHRISTINE HARTLIEB
PADERBORN (ekp) – Jeden Dienstag vormittag gibt es vor der Mensa der
Universität Paderborn umsonst Kaffee – bis die große
Zweieinhalb-Liter-Kanne leer ist. Aber um den Kaffee geht es gar nicht. Es
geht um die Möglichkeit. Die Möglichkeit, spontan ins Gespräch zu kommen.
Mitten im Trubel der 14 000 Studentinnen und Studenten der
Campus-Universität steht seit zehn Jahren jeden Dienstag
Studentenpfarrerin Brigitte Gläser. Ein informellen Kommunikationsort
wollte sie schaffen, die Idee der ESG (Evangelische Studierenden-Gemeinde)
in die Universität hinein tragen - und das Konzept hat sich bewährt: „Man
geht unter in dem ganzen Wust, und man geht doch nicht unter.“
Brigitte Gläser richtet ihren Blick auf die Menschen. „Der Mensch ist die
Seele seines Körpers“ ist ihr Leitsatz, und darum sorgt sie sich als
„Seelsorgerin“ um den ganzen Menschen. Sie unterstützt – zum Beispiel mit
Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes – bei Geld- oder
Wohnungssorgen und begleitet die Studierenden notfalls auch zur
Ausländerbehörde oder zur eon-Rechnungsstelle. Sie hilft in seelischen
Krisensituationen und bietet außerdem in den Räumlichkeiten der ESG eine
offene Tür für alle, die auf der Suche sind nach Gemeinschaft, Gesprächen
oder nach Antworten auf die Fragen des Lebens.
Besonders ausländische Studierende sind es, die das Angebot der ESG
wahrnehmen: Junge Frauen und Männer aus Osteuropa, aus dem russischen
Sprachraum und aus Südostasien, vor allem aber viele Afrikaner.
Ausgesprochen ökumenisch geht es daher in der ESG zu: Neben Protestanten
und Katholiken gehen Syrisch- und Russisch-Orthodoxe, Kopten, Muslime und
Konfessionslose ein und aus. „Die jungen Menschen erleben hier, was Kirche
auch sein kann“, sagt Brigitte Gläser. „Und sie tragen diese Botschaft
weiter – in ihre Profession, in ihr Land, in ihre Religion.“
Entsprechend vielfältig ist auch das Verantsaltungsangebot der ESG – von
christlichen Meditationstechniken über afrikanischen Film, indische
Lichterfeste, über Salsa-Kurse bis hin zu Seminaren über Berufseinstieg
oder Medikamentenpolitik. „Wir sind keine Gottesdienst-Gemeinde“, so die
Studentenpfarrerin. „Und doch hat das meiste, was wir tun, eine biblische
oder religiöse Dimension.“ Der wöchentliche Mittagstisch „Volxküche“ etwa
biete den Studierenden weit mehr als ein kostengünstiges warmes Essen: „Es
geht darum, Essen zu teilen. Und dabei vielleicht ins Gespräch zu kommen
über das, was uns als Menschen ausmacht, außerhalb des Studiums, der
Lehrbücher und Klausuren.“
Die Berufung in das Sonderpfarramt der ESG geht für Brigitte Gläser nun,
nach zehn Jahren, zu Ende. Ihre Verabschiedung wird am Sonntag, 25. Juli
um 10.30 im Gottesdienst des Paderborner Lukas-Pfarrbezirks gefeiert. Die
48-jährige wäre gerne geblieben. Auch zahlreiche Hochschulangehörige –
Studierende, Lehrkräfte und Verwaltungsmitarbeiter – haben sich für ihren
Verbleib an der Uni eingesetzt. Aber der Weg der Pfarrerin führt jetzt in
die Evangelische Jugendbildungsstätte Berchum bei Hagen. Hier wird sie für
die Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit in Westfalen e. V. (esw)
tätig und sich u. a. mit internationale Jugendbegegnungen, Mädchenarbeit
oder Thementagungen für Schüler beschäftigen.
Brigitte Gläser
geboren 1956 in Paderborn
Lehramtsstudium Sport, Deutsch und Religion an der Universität Paderborn
Studium der Theologie in Bochum, Münster, Berlin und Bern
1988-90 Vikariat in der Christuskirchengemeinde Detmold
1990-1994 Gemeindepfarrerin in Detmold-Pivitsheide
1994 Berufung in das Sonderpfarramt der ESG Paderborn
1999 „Sabbatsemester“, Studien an der Public University Philadelphia (Black Feminist Theology) und am Rabbinical College
© Ev. Kirchenkreis Paderborn 15.07.04