Auf ein Wort
Frieden ist eine Aufgabe

Pfarrerin Elke Hansmann

Pfarrerin Elke Hansmann

Maskenpflicht, Hamsterkäufe, drohende Ausgangssperre, Einschränkung von Grundrechten – man könnte meinen, wir befänden uns im Krieg. Dem ist – Gott sei Dank! – nicht so. Vielmehr können wir am heutigen Freitag, 8. Mai, auf 75 Jahre Frieden in unserem Land zurückblicken. Die Zahl der Menschen, die noch persönlich erlebt haben, was Krieg bedeutet, ist gering geworden. Zwei Generationen durften in Frieden und Sicherheit aufwachsen. Die Sicherheit, in der wir leben, ist so zur Selbstverständlichkeit geworden.

Doch die vergangenen Wochen der Corona-Epidemie haben gezeigt, wie zerbrechlich unsere Sicherheiten und Selbstverständlichkeiten sind. Das normale Leben wurde außer Kraft gesetzt. Und es ist kein Ende in Sicht. Was eine solche Ausnahmesituation mit uns persönlich und mit unserer Gesellschaft macht, erleben wir: Da sind auf der einen Seite die unzähligen Aktionen, die denen Hilfe bringen, die sie im Augenblick benötigen. Auf der anderen Seite versuchen Menschen diese Situation betrügerisch für sich zu nutzen, indem FFP-Masken gefälscht oder die wirtschaftlichen Hilfen des Landes NRW durch Internetbetrug abgefangen werden. Und Verschwörungstheorien schießen wie Pilze aus dem Boden, um einen Sündenbock für den Ausbruch der Pandemie zu finden.

Solche Verschwörungstheorien können aber den Frieden gefährden, wenn bestimmte Menschengruppen oder gar Staaten verantwortlich gemacht und angefeindet werden. Schnell zeigt sich, wie zerbrechlich Frieden ist: sozialer Friede und Friede zwischen den Völkern. In Frieden zu leben, ist nicht nur Geschenk und Glück, sondern auch eine Aufgabe. Denn „bevor ein Krieg ausbricht, hat er längst schon in den Herzen der Menschen begonnen.“, sagte Leo Tolstoi. Daher ist es unsere Aufgabe als einzelne, als Gesellschaft, als Staat, uns für Frieden einzusetzen. Man muss sich um ihn bemühen, wozu die Jahreslosung 2019 aus Psalm 34 aufgefordert hat: „Suche Frieden und jage ihm nach!“

Das kann gelingen, wenn wir so handeln, wie wir es in den letzten Wochen erlebt haben: Solidarisch mit denen, die Hilfe brauchen. Doch dürfen wir dabei nicht bei unseren Mitbürger*innen stehen bleiben, sondern müssen auch die Menschen dringend wieder in den Blick nehmen, die in den Kriegsgebieten unserer Erde leben und von Kriegsfolgen hart getroffen sind. Unsere Hilfe und unser Einsatz dürfen nicht an der Tür des Nachbarn, der nicht selbst einkaufen gehen kann, enden. Auch das zeigt die Corona-Pandemie: Wir leben auf dieser Erde in einer Schicksalsgemeinschaft. Die meisten Menschen in unserem Land zeigen zurzeit, zu welch großer Solidarität sie bereit und in der Lage sind. Ich wünsche uns allen, dass wir uns das bewahren und über unsere Grenzen hinweg ausbreiten. Denn „glückselig sind die, die Frieden stiften“, sagt Jesus im Matthäusevangelium (Kap. 5, Vers 9; Übersetzung Basisbibel).

Elke Hansmann, Pfarrerin für Diakonie und Kindertageseinrichtungen im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn

Der Beitrag ist erschienen in der Reihe „Auf ein Wort“ in der Neuen Westfälischen Paderborn am Freitag, 8. Mai 2020.

 

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