Auf ein Wort
„Geht doch!“

Silvia Reinecke, Schulpfarrerin des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn

Silvia Reinecke, Schulpfarrerin des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn

Seit Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg!“ ist Pilgern wieder „in“ geworden. Mich als aufgeklärte Protestantin irritiert das. Zu sehr erinnert mich das ans Mittelalter, an Bußgänge, Reliquienverehrung und Ablasswesen, also an selbst auferlegte oder von der Kirche verordnete Frömmigkeitsübungen, die zur Heilsfindung in Jesus Christus nicht notwendig sind! Allerdings haben heutige Pilger wohl auch andere Motive. Das können zum Beispiel die Suche nach Sinn, Identität und neuen Horizonten sein, die man im Weg-Gehen finden will. Pilgernden geht es ums Ganze, den Einklang von Körper, Geist und Seele, um Einfachheit und die Konzentration auf das Notwendige. Für die meisten Zeitgenossen dürfte das unsexy klingen. Aber: Was benötige ich wirklich im Leben? Wenn wir also im Vaterunser um das tägliche Brot bitten, was meinen wir damit? Im kleinen Katechismus zählt Luther dazu einiges auf: Essen, Trinken, Kleider, Schuhe, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut,….gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn.“

Herrlich! Das gute Wetter fällt dabei auf. „Ist das noch Wetter oder schon der Klimawandel?“ Das haben wir im zurückliegenden Hitzesommer bei Stürmen, Starkregen und Hagel gefragt. Inzwischen dürfte allen der Zusammenhang klar  geworden sein! Weltweit verlieren bereits Millionen von Menschen jährlich aufgrund extremer Klimaverhältnisse ihre Heimat! Auch uns wird von der Wissenschaft klar vorhergesagt, dass wir uns auf extremeres Wetter einstellen müssen. Das macht ein mulmiges Gefühl. Aus dem Wetter oder dem Klima können wir schließlich nicht aussteigen. Es betrifft uns hautnah. Wir und die zukünftigen Generationen sind darauf angewiesen. Nun geben uns die Schöpfungserzählungen der Bibel den klaren Segensauftrag, als Stellvertreter Gottes auf der Erde mit der Erde und allen Mitgeschöpfen sorgsam und verantwortlich umzugehen. Der Auftrag darf nicht verfehlt werden! Das heißt: Der beschlossene Ausstieg aus der Braunkohleverstromung, die eine Hauptursache für den Klimawandel ist, muss zügig vorangetrieben werden, damit die beim UN-Klimagipfel 2015 in Paris vereinbarten Ziele erreicht werden können. Kraftwerke können aber erst abgeschaltet werden, wenn leistungsstarke Stromnetze da sind, die die bereits vorhandene Windenergie im Land verteilen.

In dieser Woche hat übrigens eine ökumenische Pilgergruppe unter dem Motto „Geht doch!“ in Paderborn Station gemacht, um auf Klimagerechtigkeit aufmerksam zu machen. Ihr Ziel ist Katowice in Polen, wo der nächste UN-Klimagipfel tagt. Auch als aufgeklärte Protestantin denke ich: Respekt! Elementarer kann man nicht auf Not wendende Emissionsbegrenzungen aufmerksam machen. Wenn das nicht Kirche als wanderndes Gottesvolk ist! Mögen viele den Weg mitgehen, damit wir später hoffentlich „Ging doch!“ sagen können.

Silvia Reinecke, Schulpfarrerin des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn

 Der Beitrag ist erschienen in der Reihe „Auf ein Wort“ in der Neuen Westfälischen Paderborn am Freitag, 28. September 2018.

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