Die Akteure des Kindermusicals „TVL-Das Traumverwandlungslabor“ unter Leitung von Kantor Jost Schmithals sammelten Spenden für die Betroffenen der Explosion. FOTO: EKP

Die Akteure des Kindermusicals „TVL-Das Traumverwandlungslabor“ unter Leitung von Kantor Jost Schmithals sammelten Spenden für die Betroffenen der Explosion. FOTO: EKP
 

HÖXTER – „Von einem Augenblick auf den anderen ist nichts mehr so, wie es vorher war.“ So, wie es Pfarrer Dieter Maletz im Gedenkgottesdienst vier Tage nach der verheerenden Explosion in Höxter predigte, empfanden es wohl viele Menschen. Hunderte Katholiken und Protestanten hatten sich in der Nikolaikirche versammelt, um der Toten, Verletzten und anderer Betroffener zu gedenken. „Wir halten ein Bündel loser Fäden in den Händen“, verwies Maletz auf die Verwirrung und Betroffenheit der Menschen.

Umso dankbarer äußerte er sich über die große Hilfsbereitschaft innerhalb der Bevölkerung: Viele haben sich solidarisch gezeigt und angepackt, wo es nötig war. Geschäftsleute, deren Ladenlokale verwüstet wurden erfuhren ebenso Hilfe wie etwa die Evangelische Kirchengemeinde: Die katholischen Nachbarn boten spontan an, die katholischen Kirchen vorübergehend gemeinsam zu nutzen. Die Protestanten des Kiliani-Bezirks werden jedoch zunächst in der Evangelischen Marienkirche Gottesdienst feiern. Die Kilianikirche selbst hatte bei de Explosion starke Schäden davongetragen.

Über Solidarität konnte sich auch die Vorkindergartengruppe „Mausezahn“ freuen, die von der Explosion im Evangelischen Pfarrhaus überrascht wurde: Privatleute, Banken, Sparkassen und Wirtschaftsunternehmen boten den 15 Mädchen und Jungen und ihren Betreuerinnen ein vorübergehendes Domizil an. Einziehen werden die kleinen Mäusezähne jetzt in den Evangelischen Kindergarten „Löwenzahn“. Einer der beiden Turnräume wird der Gruppe, die von einer Elterninitiative getragen wird, für die nächsten Wochen zur Verfügung gestellt. Auch die Außenflächen können die „Mäusezähne“ gemeinsam mit den Kindergartenkindern nutzen.

Voraussichtlich können die Kinder auch schneller als erwartet in ihr altes Zuhause einziehen: „Innerhalb von vier bis sechs Wochen kann das Evangelische Pfarrhaus wieder bezugsbereit sein“, kommentiert Ehrhardt Hemesoth vom zuständigen Architekturbüro. „Es muss grundrenoviert werden und braucht neue Fenster und ein neues Dach.“ Auch die Fußböden müssen erneuert werden.

Auf die Kilianikirche müssen die Protestanten jedoch deutlich länger verzichten: „Es kann leicht bis Mai dauern“, kommentiert Hemesoth. Um genauere Aussagen zu treffen und die Kosten der Sanierung einzuschätzen, muss er jedoch das statische Gutachten abwarten. „Fest steht, dass alle Fenster und große Teile des Daches erneuert werden müssen.“ Dabei werden auf die kirchlichen Gremien zahlreiche Entscheidungen zukommen, auch Fragen des Denkmalschutzes müssen bedacht werden.

Unter veränderten Vorzeichen führten Kinder- und Jugendchöre der Ev. Gemeinde am Wochenende nach der Explosion das Musical „TVL – Das Traumverwandlungslabor“ auf. „Gegenseitige Hilfe und Nächstenliebe sind zentrale Inhalte des Musicals“, kommentierte Kantor Jost Schmithals. Man habe sich deswegen für die Aufführung des Musicals entschlossen und sammelte im Rahmen der Veranstaltung Spenden für die Betroffenen der Explosion.

Entgegen der Proteste von Kirchenvertretern und zahlreichen Bürgern hatte – mit wenigen Abstrichen – auch das HUXORI-Volksfest an diesem Wochenende stattgefunden. Zum Zeitpunkt des ökumenischen Gedenkgottesdienstes am Freitag hatten die Buden bereits geöffnet. „Eine Fehlentscheidung“, urteilte Maletz im Rahmen seiner Predigt. „Mir ist nach Feiern nicht zumute.“



 

 

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© Ev. Kirchenkreis Paderborn29.09.05