Bilder der Zerstörung

„Unter den Einsatzkräften herrschte trotz des großen Ausmaßes an Zerstörung eine sehr ruhige, konzentrierte Atmosphäre", berichtet Notfallseelsorger Dieter Maletz. Bei einer Pfarrkonferenz im nahe gelegenen Kloster Herstelle von den Schreckensnachrichten aus Höxter erreicht, hatte er sich gemeinsam mit Pfarrer Martin Hellweg (Altenbeken) umgehend für die Notfallseelsorge vor Ort zur Verfügung gestellt.
Bereits zur frühen Mittagszeit war der Unglücksort abgeriegelt; Nur, wer sich als potenzieller Helfer ausweisen konnte, wurde durchgelassen. „Beinahe das ganze Notfall-Seelsorge-Team war zur Stelle „ nicht nur diejenigen, die gerade Bereitschaftsdienst hatten", berichtet Pfarrer Dieter Maletz. Koordiniert wurde der Einsatz von einem katholischen Kollegen. Jeweils zwei Seelsorger erhielten die schwere Aufgabe, den Angehörigen der Opfer die Todesnachrichten zu überbringen. „Im Anschluss wird immer auch der zuständige Gemeindepfarrer informiert", erläutert Maletz. *Er begleitet die Angehörigen in der folgenden Zeit, wenn sie das möchten."
Der Pfarrer betreute zunächst die Leiterinnen der Kindergruppe „Mausezahn" „ die Kinder waren bereits abgeholt worden. Dann kümmerte er sich um Passanten und Mitarbeiter in den umliegenden Geschäften und Cafés: „Im Laufe der Zeit bekommt man einen Blick dafür, welche Menschen Betreuung und ein offenes Ohr brauchen", kommentiert der langjährige Notfallseelsorger. „In diesem Fall war das Bedürfnis zu reden natürlich groß." Viele Menschen seien verstört gewesen, machten sich Sorgen um Angehörige oder Freunde.
Zwei weitere Seelsorger kümmerten sich um Menschen in einem Auffangquartier, das in Windeseile in der Turnhalle einer Kaserne eingerichtet worden war. Hier wurden leicht Verletzte betreut, außerdem Menschen, die nicht in ihre Wohnungen zurück konnten. Einem leicht verletzten Mann etwa half ein Gespräch über den ersten Schock hinweg: Er hatte mit ansehen müssen, wie eine Frau ganz in seiner Nähe durch umher fliegende Trümmer ein Auge verlor. „Das wichtigste ist in diesem Moment, einfach für den Menschen da zu sein und ihm zuzuhören", kommentiert Maletz. „Die Eindrücke in Worte zu fassen schafft einen ersten Abstand."

FOTOS: ADRIAN SCHUBERT

 

 

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© Ev. Kirchenkreis Paderborn26.09.05