Bilder der Zerstörung

VON CHRISTINE HARTLIEB

HÖXTER (ekp) – Auch die evangelische Kiliani-Kirche ist bei der jüngsten Explosion in der Höxteraner Innenstadt schwer beschädigt worden. Das Gebäude, dessen älteste Teile auf das elfte Jahrhundert zurückgehen, liegt nur 50 m entfernt von der Detonation, die am Morgen des 19. September die Innenstadt in ein Trümmerfeld verwandelt hat. Noch näher am Explosionsort befindet sich das evangelische Pfarrhaus, das durch die Folgen der massiven Druckwelle akut einsturzgefährdet ist.

„Es müssen trotz aller Schrecken eine Menge Schutzengel in Höxter unterwegs gewesen sein“, kommentiert Pfarrer Reinhard Schreiner. Er und seine Familie waren zum Zeitpunkt der Explosion nicht am Ort, genauso wie viele Nachbarn und Geschäftsleute der benachbarten Ladenlokale. Und die 15 Mädchen und Jungen im Vorkindergartenalter aus der Kindergruppe „Mausezahn“, die sich regelmäßig im Pfarrhaus trifft, waren im einzigen unbeschädigt gebliebenen Raum mit Knetgummi beschäftigt. „Bei gutem Wetter hätten die Kinder im Garten gespielt. Nicht auszudenken, was dann passiert wäre“, so Reinhard Schreiner. Der Pfarrgarten wurde durch umherfliegende Steine, Dachbalken und weitere Trümmer völlig verwüstet.

„Auch innen ist das Haus zerstört“, berichtet Architektin Sigrid Bartscher. Die Bausachbearbeiterin des Kirchenkreises Paderborn hat sich ein erstes Bild von den Schäden gemacht: „Alle Fenster und sämtliche Innentüren sind zertrümmert. Viele Gegenstände sind durch die Druckwelle quer durch die Räume geflogen.“ Auch das Dach muss vermutlich erneuert werden. Inwieweit die Statik beeinträchtig ist, muss ein Gutachten klären. Der Zutritt ist bis auf weiteres verboten.

Familie Schreiner ist fürs erste in der Heimleiterwohnung des Konrad-Beckhaus-Heimes – einer Einrichtung des Evangelischen Petri-Stiftes - untergekommen. „Wir rechnen mit einem Vierteljahr“, so Schreiner. Auch in der Kilianikirche wird mindestens so lange kein Gottesdienst gefeiert werden können. Alle Fenster sind in Mitleidenschaft gezogen, besonders aber die rund 100 Jahre alten Bleiglasfenster an der Südseite. Gewölbe und Mauern weisen teils gravierende Risse auf. Auch hier muss ein statisches Gutachten noch klären, ob akute Einsturzgefahr besteht.

„Noch kann die Höhe des Schadens nicht annähernd beziffert werden“, sagt Sigrid Bartscher. Zu viele Fragen sind noch offen. „Wir gehen aber davon aus, dass die Gebäudeversicherung die Schäden übernimmt.“

Die wertvolle Barock-Orgel scheint bis jetzt keine gravierenden Folgen davongetragen zu haben. Von der Druckwelle wurde „nur“ eine rund 3 m² große und 4 cm dicke Gehäuseplatte aus massivem Eichenholz eingedrückt. Die extra starke Platte diente ursprünglich dazu, die Geräusche des Orgelmotors nach außen hin zu dämpfen. „Gut, dass die Orgel gerade erst saniert wurde“, kommentiert Jost Schmithals, Kantor der Kirchengemeinde Höxter. Die Pfeifen waren so stabil und fest verankert. „Vor der Restaurierung wären sie wahrscheinlich alle rausgeflogen.“

Allerdings konnten durch die Beschädigung des Gehäuses Staub und Qualm in das Gehäuse eindringen. „Inwieweit durch den Rauch oder die Erschütterung die sensible Feinmechanik beeinträchtigt ist, muss der Sachverständige noch prüfen“, so Schmithals weiter. Ausprobieren konnte er die Funktionstüchtigkeit der Orgel noch nicht: Es gibt zurzeit keinen Strom in der Kirche.

Aber egal, wie groß oder gering die Schäden zum jetzigen Zeitpunkt sind: Schmithals geht davon aus, dass alle Pfeifen ausgebaut werden müssen – und das nicht nur, um gereinigt zu werden: Die Erneuerung der Kirchenfenster wird eine Menge Stemmarbeiten mit sich bringen, schließlich sind auch die Rahmen verzogen und müssen komplett erneuert werden. „Die Pfeifen würden spätestens diesen Staub nicht mehr verkraften.“

Die Gemeinde wird ihre Gottesdienste fürs erste in der evangelischen Marienkirche feiern.

 

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© Ev. Kirchenkreis Paderborn23.09.05