Auf ein Wort
Glaube und Unglaube

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof. Foto: Diana Jill Mehner

Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof. Foto: Diana Jill Mehner

Gibt es das: Glaube und Unglaube in einer Person? Manche Menschen gelten als Vorbilder des Glaubens. Sie haben besondere religiöse Leistungen vollbracht. In schwierigen existentiellen Situationen Standfestigkeit bewiesen. Orientierung vermittelt. Unerschütterlich an ihrem Glauben festgehalten. Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer, in der katholischen Kirche die Menschen, die als Heilige verehrt werden, die Apostel.  Doch es wäre ein Missverständnis zu meinen, dass der Glaube eine statische Angelegenheit ist. Vielmehr berichtet uns das Neue Testament von Menschen, die in ihrem Glauben angefochten, zweifelnd, unsicher sind.
Ein Mann kommt mit seinem kranken Kind zu Jesus. Er bittet ihn inständig um Hilfe und sagt: „Wenn Du kannst, so erbarme dich und hilf uns!“ Jesus entgegnet: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ Daraufhin schreit der Vater seine ganze Hilflosigkeit heraus: „Ich glaube – hilf meinem Unglauben!“ Schließlich wird das Kind geheilt.
Glaube und Unglaube in einer Person. Das beschreibt auch unsere Situation. Wir beten in der Hoffnung, erhört zu werden. Wir vertrauen auf Gott, obwohl wir ihn nicht sehen. Wir hoffen auf die Auferstehung von den Toten, auch wenn wir sie nicht beweisen können. Manche Menschen sagen, sie seien religiös „unmusikalisch“. Vielleicht, weil sie meinen, keine Erfahrungen des Glaubens gemacht haben. Dabei ist die Sehnsucht nach dem Glauben bereits der Anfang des Glaubens. So sagt es der Kirchenvater Augustinus.
„Ich glaube – hilf meinem Unglauben!“  (Markus 9,24) Dieser Ruf nach Hilfe ist die biblische Losung für dieses Jahr. Es hat bereits mit Sorgen und Ängsten begonnen. Wir können den Zuspruch durch den Glauben gut gebrauchen, trotz aller Zweifel. Denn Gott meint es gut mit uns.
Dr. Eckhard Düker ist Gemeindepfarrer im Abdinghof-Bezirk der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Paderborn.
Sein Beitrag wurde in der Kolumne „Mittendrin“ des Westfälischen Volksblatts Paderborn am 18. Januar veröffentlicht.

 

 

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