Auf ein Wort
Güte kennt keinen Zuständigkeitsbereich

Pfarrer Felix Klemme Foto: Heide Welslau

Pfarrer Felix Klemme
Foto: Heide Welslau

Jesus war ein „Doch!“-Sager. Wenn Menschen aus einer Gruppe ausgeschlossen wurden. Wenn es hieß: „Du gehörst hier nicht hin!“ Dann sagte Jesus grundsätzlich: „Doch!“ Zachäus, Bartimäus, die Horde Kinder, die von den Jüngern oder anderen Umstehenden weggedrängt wurden. Immer standen die außerhalb der Menge. Sahen die Rücken oder hörten die Stimmen derer, die sich um Jesus drängten. Und Jesus nahm sie mit hinein. Jesus ließ sie nicht einfach außen stehen, stellte sie sogar in den Mittelpunkt.

Dieser Umstand ist gar nicht einmal so simpel, wie er daherzukommen scheint. Themen wie Inklusion und Integration sind bereits seit Jahren präsent in Politik und Medien. Es wird über Abschiebungen und Seenotrettung diskutiert. Immer wieder gibt es einen Meinungsaustausch darüber, wer zu wem und wohin gehört, und deshalb welche Privilegien genießen darf. Welche Maßnahmen zum Schutz oder zur Förderung für wen ergriffen werden sollen, und für wen eben nicht.

Und dann gibt es eine Geschichte von Jesus, in der er das einfach mal nicht tut. Das „Doch!“-Sagen. Eine Ausländerin wendet sich an ihn. Die Bibel benennt sie als Syrophönizierin. Sie hat eine kranke Tochter und bittet Jesus um Heilung. „Mach ich nicht“, kriegt sie ausgerechnet von dem zur Antwort, der doch sonst bemüht ist, alle mit hineinzunehmen in den Kreis: „Ist einfach nicht mein Zuständigkeitsbereich. Ich muss mich um die Leute kümmern, für die mein Auftrag gilt. Das ist schon hart genug.“ Aber sie gibt nicht auf: „Sind denn dann die anderen egal? Darf für die ganz Fernen nicht auch etwas abfallen von deiner Macht, von der Würde, die du deinen Leuten zukommen lässt?“

Jesus denkt nach. Die Situation ist eine besondere. Hier muss er zu sich selbst einmal „Doch!“ sagen. Doch, weil Güte eben keinen Zuständigkeitsbereich kennt. Kein Ansehen der Person. Hier schließt Jesus Menschen aus. Und er lässt sich belehren. Er wird erneut zum „Doch!“-Sager. Gott sei Dank!

Felix Klemme, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Elsen

Der Beitrag ist erschienen in der Neuen Westfälischen Paderborn in der Reihe „Auf ein Wort“ am Freitag, 10. Mai 2019.

 

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