Frieden kommt nicht von allein
Jahrestagung der Evangelischen Frauenhilfe

Von Irene Glaschick-Schimpf

Mit einem Friedensbaum: Die Teilnehmerinnen der Fortbildung der Frauenhilfe beschäftigten sich mit der Frage, wie Friede erreicht werden kann. FOTO: IRENE GLASCHICK-SCHIMPF

Mit einem Friedensbaum: Die Teilnehmerinnen der Fortbildung der Frauenhilfe beschäftigten sich mit der Frage, wie Friede erreicht werden kann. FOTO: IRENE GLASCHICK-SCHIMPF

BAD DRIBURG – Im Vorjahr ließen sie sich „für Frieden begeistern“, in diesem Jahr stellten sich 22 Frauen aus dem Evangelischen Kirchenkreis Paderborn der Frage „Friede auf Erden – machbar?!“. Die viertägige Fortbildung zum Jahresthema der Frauenhilfe fand im Erika-Stratmann-Hotel in Bad Driburg statt. Die Leitung hatten Irene Glaschick-Schimpf und Helga Weber-Kruck, die Bezirksverbandsvorsitzenden der Frauenhilfen Paderborn und Höxter.

„Friede ist ein Baum, der eines langen Wachstums bedarf“, sagt Antoine de Saint-Exupery. Im Verlauf der Tagung wurde ein Friedensbaum gestaltet. Blätter stehen für Tugenden, die den Frieden fördern, wie zum Beispiel Fairness, Gerechtigkeit, Güte, Liebe, Vergebung und Weisheit. Blüten symbolisieren gute, hoffnungsvolle Anfänge. Früchte sind erfolgreiche Bemühungen um gesicherten Frieden. Aber die Teilnehmerinnen hatten auch die Schädlinge im Blick; sie stehen für das, was den Frieden gefährdet, beschädigt, stört und erschwert, wie Überheblichkeit, Gier, Gleichgültigkeit, Machtstreben, Missgunst, Egoismus und Fanatismus.

In Rollenspielen versuchten die Frauen zu erfahren, wie es ihnen bei der Begegnung mit fremden Kulturen geht, oder wie es sich anfühlt, sozial am Rand der Gesellschaft zu stehen. In dem Zusammenhang beschäftigten sie sich mit Vorrechten von Etablierten und überlegten, welche Handlungsweisen Ungleichheit, soziale Ungerechtigkeit und Unfrieden fördern.

Frauen gestalten Frieden – dafür fanden die Teilnehmerinnen viele Beispiele aus der Geschichte: Unter anderem wirkten die Kirchenfrauen Hildegard von Bingen, Elisabeth von Thüringen, Pauline von Mallinckrodt vor allem durch soziale Arbeit; ebenso Elsa Brandström und Florence Nightingale; Bertha von Suttner und Sophie Scholl leisteten intensive Friedensarbeit.

Nach dem zweiten Weltkrieg war die Sehnsucht der Menschen nach Frieden besonders groß, so wurde 1945 die UNO zur Sicherung des Weltfriedens gegründet. Die Teilnehmerinnen  beschäftigten sich mit ihrer Geschichte, mit den Blauhelmen und mit der Erklärung „Frieden als Menschenrecht“, die im Dezember 2016 verabschiedet wurde.

An jedem Tag gab es auch eine Bibelarbeit, die das Thema aufgriff. So haben sich die Frauen mit der Sklavin des Naaman beschäftigt, die zur Zeit des Propheten Elisa lebte. Durch den Rat dieser an sich unbedeutenden Frau wird ihrem Herrn geholfen, ein Feind wird geheilt. Das kann ein erster Schritt hin zum Frieden sein. Anhand einiger Verse aus der Bergpredigt (Matth. 5,38-41) lernten die Teilnehmerinnen das kreative Potential gewaltfreien Handelns kennen, einen dritten Weg zwischen gewalttätigem Widerstand und passivem Erdulden von Gewalt. Die Wirksamkeit gewaltfreien Handelns im globalen Kontext war für viele eine überraschend neue Erkenntnis.

Bei aller ernsthaften Arbeit kam auch die Geselligkeit bei der Tagung nicht zu kurz mit Singen, Tanzen und vielen Geschichten. Begonnen wurde jeder Tag mit einer Morgenandacht mit der Versöhnungslitanei von Coventry. Zum liturgischen Abschluss der Tagung feierten die Frauen einen Gottesdienst. Die Kollekte darin erbrachte 190 Euro und ist bestimmt für das Kinderdorf in Peru vom Internationalen Verband Westfälischer Kinderdörfer.

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