KIRCHENGEMEINDE BAD LIPPSPRINGE verabschiedet Kantor Ulrich Schneider
Kirchenmusiker aus Berufung und mit Leidenschaft

In der 2005 neu gestalteten Evangelischen Kirche Bad Lippspringe fühlt sich Kantor Ulrich Schneider besonders wohl.  FOTO: EKP/HEIDE WELSLAU

In der 2005 neu gestalteten Evangelischen Kirche Bad Lippspringe fühlt sich Kantor Ulrich Schneider besonders wohl. FOTO: EKP/HEIDE WELSLAU

BAD LIPSPRINGE (ekp/wels).  Auf 34 Jahre als Kirchenmusiker in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe und als Kulturschaffender im Paderborner Land blickt er zurück: Kantor Ulrich Schneider. In den Ruhestand verabschiedet wird der 66-Jährige, immer quirlig und fröhlich auf Menschen Zugehende am Sonntag, 8. Juli, um 10.15 Uhr im Gottesdienst in der Evangelischen Kirche in Bad Lippspringe.
Dass dieser ebenso wie der anschließende Empfang im Gemeindehaus musikalisch geprägt sein wird, liegt nahe. Mitwirkende sind die 55 Sängerinnen und Sänger zählende Kantorei Bad Lippspringe, die Ulrich Schneider seit dem Antritt der hauptamtlichen B-Musiker-Stelle 1984 in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe geleitet hat. – 1981 hatte er dort bereits parallel zum Studium die Leitung des Posauenchors übernommen und wurde nebenamtlicher Organist. – Vor der Kirche wird der Posaunenchor unter Leitung von Daniel Finkensiep aufspielen und im Gemeindehaus unterhält der Flötenkreis mit Leiterin Ulrike Köhlert-Hanewinkel. Zurzeit läuft das Verfahren für die Wiederbesetzung der B-Kirchenmusikstelle.

Unzählige Gottesdienste hat der gebürtige Berleburger, der in Gelsenkirchen aufgewachsen ist und großer FC-Schalcke-04-Fan ist, nicht nur begleitet, sondern seinen Freiraum für Experimentelles genutzt: mit Gemeinde, Kantorei und Solisten. Zum Beispiel die 2002 begonnene Reihe „Musik und Texte zum Advent“. Hinzu kommen zahlreiche große Konzerte wie die Aufführung der Matthäus-Passion 2013, Oratorien und Offenes Singen im Park, zuletzt am 1. Mai auf der Adlerwiese, für eine breite Öffentlichkeit. Auch Ausgefallenes wie eine Bach-Motette und Breakdance in der Fußgängerzone Paderborn sowie die Chorproben und Auftritte mit dem Projektchor Tansania 2016 bleiben Ulrich Schneider in besonderer Erinnerung.

Kirchlich und musikalisch geprägt ist Schneider seit seiner Kindheit durch die Jugendarbeit in Gelsenkirchen. Das Klavier spielen probierte er zunächst allein im Internat in Moers. Bis seine Internatseltern dem 15-Jährigen Klavierunterricht ermöglichten. Mit 17 Jahren wurde Ulrich Schneider dann Jungstudierender am Klavier und besuchte das Folkwang-Konservatorium in Essen. Klavier und Rhythmik (Musik und Bewegung) hießen die Studienfächer im Anschluss an der Musikakademie Detmold. Ein Zusatzstudium an der Detmolder Abteilung Kirchenmusik in Dortmund folgte. Der Orgelunterricht fand in Paderborn statt: bei Kirchenmusikdirektorin Adelheid van der Kooi-Wolf in der Abdinghofkirche. Dort wirkte Schneider auch in der Jugendkantorei mit.
„Nachdem ich ursprünglich Dirigent werden wollte, war es dann eine ganz bewusste Entscheidung, Kirchenmusiker zu werden“, so Ulrich Schneider, der Kirchenmusik auch als Öffentlichkeitsarbeit der Kirchengemeinde versteht. 18 Jahre lang war er Mitglied im Kulturausschuss Bad Lippspringe. Sein Credo: „Wenn Kirchenmusik die Antwort auf Gottes Handeln ist, dann lässt sie ein Stück von der Ewigkeit im Gottesdienst präsent werden.“  Schneiders Lieblingskomponist ist Bach, gleich danach kommt Mahler.

Das Abschiedsgeschenk von Ulrich Schneider, hier am Flügel im Gemeindehaus, an Gemeinde, Wegbegleiter und Bachbegeisterte: die Aufführung von Auszügen der Messe in H-Moll von Johann Sebastian Bach und die Kantate Nr. 129 am 1. Juli in der katholischen Pfarrkirche St. Martin in Bad Lippspringe. FOTO: EKP/HEIDE WELSLAU

Das Abschiedsgeschenk von Ulrich Schneider, hier am Flügel im Gemeindehaus, an Gemeinde, Wegbegleiter und Bachbegeisterte: die Aufführung von Auszügen der Messe in H-Moll von Johann Sebastian Bach und die Kantate Nr. 129 am 1. Juli in der katholischen Pfarrkirche St. Martin in Bad Lippspringe. FOTO: EKP/HEIDE WELSLAU

Zu den Kooperationspartnern des Kirchenmusikers gehören die Stadt Bad Lippspringe, der Pastoralverbund Bad Lippspringe-Schlangen mit der katholischen Pfarrkirche St. Martin, das Kulturamt Paderborn, Kolleginnen und Kollegen aus dem Evangelischen Kirchenkreis Paderborn und andere Singgemeinschaften. Dem 2008 mit Andrea Schwager gegründeten „Detmolder Vokalensemble“, hervorgegangen aus dem „Pepping-Kreis“, wird Ulrich Schneider auch im Ruhestand weiter angehören.

Bad Lippspringe werden Ulrich Schneider und Ehefrau Heidemarie (Tochter von Pfarrer i. R. Martin-Werner Littfinski, ehemaliger Seelsorger der Justizvollzugsanstalt Hövelhof-Staumühle), die eine erwachsene Tochter haben, treu bleiben. Die Wochenenden sollen aber öfter als bisher für Ausflüge genutzt werden. Unter anderem in die „zweite Heimat“, das schöne Dorf Waddewarden (Niedersachsen). Der Organist freut sich darauf, dort regelmäßig die Orgel in der St. Johannes-Kirche zu spielen.

ABSCHIEDSGESCHENK

Eine Woche vor seiner offiziellen Verabschiedung lädt Ulrich Schneider mit der Evangelischen Kirchengemeinde und dem Verein pro musica e. V. am Sonntag, 1. Juli, um 16 Uhr, in die katholische Pfarrkirche St. Martin, in Bad Lippspringe ein: Solisten, Kantorei und das Orchester „La Réjouissance“ führen unter seiner Leitung Auszüge aus der Messe in H-Moll von Johann Sebastian Bach auf. Neben Kyrie und Gloria ist die Kantate Nr. 129 „Gelobet sei der Herr, mein Gott“ zu hören. Vorverkauf: Buchhandlung Waltemode (Bad Lippspringe), Paderborner Ticket Center.

Print Friendly