Tragen und getragen werden / Gegenseitiger Austausch und Miteinander
KIRCHENWAHL 2020 Lena Wieners und Marcel Büttemeyer über ihr Engagement im Presbyterium einer evangelischen Kirchengemeinde

VON HEIDE WELSLAU

Haben bereichernde und spannende Erfahrungen als Presbyterin und Presbyter gemacht: Lena Wieners und Marcel Büttemeyer. FOTOS: HEIDE WELSLAU

Haben bereichernde und spannende Erfahrungen als Presbyterin und Presbyter gemacht: Lena Wieners und Marcel Büttemeyer.
FOTOS: HEIDE WELSLAU

BRAKEL/PADERBORN/KIRCHENKREIS ­– Die eigene Kirchengemeinde aktiv mitgestalten, Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen, das können Gemeindeglieder insbesondere im Presbyterium (griech. Rat der Ältesten). Gewählt wird dieses Leitungsgremium einer Kirchengemeinde, in dem Ehrenamtliche zusammen mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin u.a. für Gottesdienst, kirchlichen Unterricht, Seelsorge und Diakonie verantwortlich sind, alle vier Jahre bei der Kirchenwahl. Weitere Aufgaben des Presbyteriums sind Personalverantwortung für die Angestellten, Aufstellung des Haushaltsplans, Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben der Evangelischen Kirche und Gebäudeunterhaltung.
In der Evangelischen Kirche von Westfalen findet die nächste Kirchenwahl am 1. März 2020 statt. Weitere Informationen unter: www.kirchenwahl2020.de
Auf die Suche nach interessierten und geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten für dieses Ehrenamt machen sich die 14 Kirchengemeinden im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn (Kreise Höxter und Paderborn sowie Lügde im Kreis Lippe) schon jetzt. Vom 11. bis 29. November werden Wahlvorschläge entgegen genommen.
Ganz persönlich berichten die beiden Gemeindemitglieder Lena Wieners aus Brakel-Auenhausen und Marcel Büttemeyer aus Paderborn von ihren Erfahrungen als Presbyterin und als Presbyter:

Lena Wieners ist ihrer Kirche sehr verbunden. Es macht ihr Spaß an ihrem Profil mitzuarbeiten und sie einladend zu gestalten.

Lena Wieners ist ihrer Kirche sehr verbunden. Es macht ihr Spaß an ihrem Profil mitzuarbeiten und sie einladend zu gestalten.

Lena Wieners (40) wurde 2004 Presbyterin in der Evangelischen Kirchengemeinde Brakel, die seit Pfingstmontag 2019 Teil der neuen Christus-Kirchengemeinde Emmer-Nethe ist. Als die Ehefrau und Mutter von vier Kindern im Presbyteramt ihrem Vater nachfolgte, war sie zunächst Jugendpresbyterin. Das Miteinander im Presbyterium empfindet die Fachlehrerin an Förderschulen als „grundlegend“. Besonders spürbar wird dies für Lena Wieners, wenn zum Reformationsfest das jährliche Dankeschön-Fest für die weiteren Ehrenamtlichen der Gemeinde organisiert und durchgeführt wird. In den letzten Jahren hat sie den Vereinigungsprozess der vier Gemeinden Brakel, Marienmünster-Nieheim, Lügde und Steinheim zur Evangelischen Christus-Kirchengemeinde Emmer-Nethe begleitet und als nicht immer leichten „Aufbruch ihrer Gemeinde“ erlebt. Lena Wieners findet es wichtig, „als Presbyterin auch präsent zu sein, sich am Gemeindeleben zu beteiligen und sich gemäß seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten einzubringen.“ Das könne der Gottesdienstbesuch sein, in ihrem Fall auch die Aktivität im Posaunenchor, aber auch der Würstchenverkauf beim Gemeindefest oder das „Tür-und-Angel-Gespräch“ mit Menschen aus der Gemeinde. Neben den monatlichen Sitzungen des Presbyteriums sei Arbeit in regionalen oder kreiskirchlichen Gremien möglich.
“Gemeinde für viele Menschen liebens- und lebenswert machen”
Nach 15 Jahren ist Lena Wieners am 10. Juni aus dem Amt als Presbyterin ausgeschieden. In der Gemeindeleitung ist sie seitdem aber weiterhin aktiv: „Ich wurde in den Bezirksausschuss berufen, der dem Presbyterium der neuen Gemeinde zuarbeitet“, freut sie sich. Derzeit geht es unter anderem um „das wohl eindrucksvollste Projekt im Gemeindebezirk Brakel: Am 16. Juli wurde die Glocke vom Turm der Auferstehungskirche in Brakel herunter geholt. Weil sie einen Riss hat, wird sie in einer Werkstatt saniert.“ Nicht mehr missen möchte Lena Wieners die Erfahrung und das Gefühl, gemeinsam mit anderen Menschen, zu einem Profil beizutragen, „das eine Gemeinde auszeichnet und für viele Menschen liebens- und lebenswert machen sollte.“ Letztlich finde auch eine persönliche Entwicklung statt: „Mich hat meine Zeit im Presbyterium in meinem Glauben und Handeln geprägt und weitergebracht“, so Wieners: „Arbeit im Presbyterium heißt nicht nur Tragen, sondern auch getragen werden.“

Marcel Büttemeyer hat in seiner noch jungen Amtszeit als Presbyter bisher viel Positives in seiner Kirchengemeinde erlebt. Ihn reizt es, gemeinsam mit anderen, die Weichen für die Zukunft seiner Kirche zu stellen.

Marcel Büttemeyer hat in seiner noch jungen Amtszeit als Presbyter bisher viel Positives in seiner Kirchengemeinde erlebt. Ihn reizt es, gemeinsam mit anderen, die Weichen für die Zukunft seiner Kirche zu stellen.

Marcel Büttemeyer (27) wurde im Mai 2018 für den Bezirk Martin-Luther in das Presbyterium der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Paderborn nachberufen, als ein Mitglied vorzeitig ausschied. „Meine Hauptmotivation war, mich für meine Gemeinde einsetzen zu können und mehr Hintergrundwissen zu den Entscheidungen auf Presbyteriums-Ebene zu erlangen“, so der ledige Industriekaufmann. Neben den monatlichen Sitzungen im Gesamt- und im Bezirkspresbyterium mit jeweils rund zwei Stunden unterstützt er die Gemeinde wo er kann. Zum Beispiel beim Erstellen des Gemeindebriefs. Wenn einmal viele Termine in eine Woche fallen, „gleichen der gegenseitige Austausch und das Miteinander das aber vollkommen wieder aus“, so seine Erfahrung.
“Viele Möglichkeiten Kirche aktiv mitzugestalten”
In der Zeit der Vakanz, die Pfarrstelle im Martin-Luther-Bezirk war eine Zeit lang unbesetzt, hatten die Presbyterinnen und Presbyter mehr zu tun als üblich – inklusive der Wiederbesetzung der Pfarrstelle. Umso wichtiger sei da die Erfahrung gewesen, dass die Gemeindemitglieder zusammenhalten und dass ein Kern von Ehrenamtlichen da ist, auf den Verlass ist. „Lob und positives Feedback“ von der Gemeinde haben Marcel Büttemeyer in dieser Übergangszeit gut getan.
„Wenn sich Jugendliche interessiert zeigen, Gemeinde mitzugestalten“, sei das besonders schön. „Aus dem letzten Konfirmandenjahrgang konnten wir wieder einige Jugendliche begeistern, als Teamer und Teamerinnen einzusteigen“, freut sich der Presbyter. Er möchte mit dazu beitragen, Jugendlichen ein „Grundgerüst zu bieten“, das Gemeinde auch für sie attraktiv macht. Durch eine aktive Teilnahme bei Gruppen und Kreisen könne man Gemeinde gestalten. „Als Presbyter hat man allerdings nochmal andere Möglichkeiten, die Weichen für die langfristige Gemeindearbeit zu stellen“, so Marcel Büttemeyer. Das sei gewinnbringend und befriedigend, zieht er ein positives Fazit seiner bisherigen Amtszeit.

 

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