„Auf ein Wort“ von Pfarrer Detlev Schuchardt
Libori – ein geschichtsträchtiges Fest

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Es ist Libori. Ein geschichtsträchtiges Fest. Es hat Paderborn weltweit (nicht übertrieben) bekannt gemacht. 1,7 Millionen feiern jedes Jahr. Die Wurzeln gehen auf das Jahr 836 zurück, als die Reliquien des Heiligen Liborius vom fernen Le Mans zum ersten Mal Paderborn erreichten. Aber das wissen Sie alles längst schon – auch, dass das heute bekannte Liborifest auf den „Magdalenenmarkt“ 1521 zurückgeht. Wie: 1521? Das ist doch eine Jahreszahl, bei der es bei evangelischen Christen und historisch informierten Menschen klingeln muss … Ja, richtig: der Reichstag zu Worms, auf dem Martin Luther seine Lehren widerrufen sollte, aber stur blieb:„Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“ Aber als Ergebnis stand für Luther danach leider fest, dass er für „vogelfrei“ erklärt wurde und fliehen musste. Nun denke ich ja, dass wir evangelischen Christen durchaus lernfähig sind. Wir feiern Libori gern mit. Am Abdinghof. Und im letzten Jahr war Superintendent Volker Neuhoff einfach so frei, die „Luther-Gondel“ zu erfinden.

Jetzt denke ich so: Hätte Martin Luther 1521 den Magdalenenmarkt in Paderborn besucht, wäre die Reformation friedlicher verlaufen. Vielleicht dachte er: In Worms treffe ich nur fröhliche Menschen an. Rheinländer, die nach der Devise leben: „mer muss och jünne könne“. Kein Problem. So reiste er nicht zum Magdalenenmarkt, hatte doch Ost-Westfalen damals noch nicht den Ruf, das Brasilien Deutschlands zu sein. So entging ihm vieles. Der Bierbrunnen. Hätte es ihn damals schon gegeben, er hätte ihn mit Sicherheit begeistert. Und hätte es ihn noch nicht gegeben, er hätte ihn erfunden. Er hätte bei dem leckeren Essen und Trinken und vielen feierfreudigen Menschen seine Weiterfahrt vergessen und die Reformation auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Statt einer Luther-Gondel hätte es den Luther-Bierbrunnen gegeben. Hier hätte ihn niemand für „vogelfrei“ erklärt, er hätte vielleicht sogar den Vogel abgeschossen und wäre Paderborner Schützenkönig geworden. Wer weiß das schon – jedenfalls hätte sich die Reformation viel friedlicher entwickelt!

Detlev Schuchardt ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe.

Der Beitrag ist erschienen in der Neuen Westfälischen Paderborn am Freitag, 3. August 2018.

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