Mittendrin
Liebe erfahren im gemeinsamen Leben

Pfarrer Dr. Eckhard Düker

Pfarrer Dr. Eckhard Düker

Von Pfarrer Dr. Eckhard Düker

„Gott ist nur Liebe./ Wagt, für die Liebe alles zu geben./ Gott ist nur Liebe./ Gebt euch ohne Furcht.“ So lautet ein Gesang aus der ökumenischen Gemeinschaft in Taizé. Einfachheit, Freude und Barmherzigkeit sind die Grundprinzipien dieser Kommunität, die Jahr für Jahr Tausende Jugendliche mit ihrer Spiritualität anzieht und begeistert. Frère Roger Schutz, der Gründer der Gemeinschaft sagt über die Liebe: „Am Abend unseres Lebens wird es die Liebe sein, nach der wir beurteilt werden, die Liebe, die wir allmählich in uns haben wachsen und sich entfalten lassen, in Barmherzigkeit für jeden Menschen.

Die Liebe soll das Grundprinzip des Zusammenlebens auch in den frühchristlichen Gemeinden sein. Für den Apostel Paulus ist sie die höchste Geistesgabe, weil durch die gegenseitige Liebe niemand benachteiligt oder gering geschätzt wird. Die Kraft der Liebe ist kaum zu überschätzen: „Sie glaubt alles, sie erträgt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf.“  (1. Kor. 13,8) Der Grund für die Hochschätzung der Liebe liegt darin, dass die menschliche Liebe ein Abbild der göttlichen Liebe ist. „Gott ist die Liebe“ (1. Joh 4)

In Taizé wird die Nächstenliebe praktisch eingeübt: im Zusammenleben in schlichten Unterkünften und bei einfachen Mahlzeiten. In praktischen Tätigkeiten wie dem Abwaschen des Geschirrs oder in der Reinigung der sanitären Anlagen. In der Erfahrung einer weltweiten Begegnung und Gemeinschaft. Im gegenseitigen Gespräch und Austausch über Fragen des Glaubens und Lebens. Und vor allem im gemeinsamen Gebet, in Gesängen, im Hören auf das Wort Gottes, in der Stille. Wenn Jugendliche und Erwachsene aus aller Welt eine Woche lang in Taizé miteinander gelebt haben, dann spüren sie etwas von dieser Liebe Gottes, die sich im gemeinsamen Leben ausdrückt.

Dr. Eckhard Düker ist Pfarrer des Abdinghof-Pfarrbezirks der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Paderborn.

Der Beitrag ist erschienen im Westfälischen Volksblatt Paderborn in der Reihe „Mittendrin“ am Samstag, 11. August 2018.

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