Hochmut kommt vor dem Fall
Mittendrin – Von Pfarrer Dr. Eckhard Düker

Pfarrer Dr. Eckhard Düker

Pfarrer Dr. Eckhard Düker. FOTO: EKP-ARCHIV

„Ich bin schuldig“ bekennt der ehemalige Bertelsmann – Manager Thomas Middelhoff in seinem neuesten Buch. „Schuldig an meinem Scheitern.“ Er habe alles verloren, sein Vermögen, seine Gesundheit, seinen Ruf. Schuld an seinem Scheitern sei seine Gier nach Geld, Anerkennung und gesellschaftlicher Bedeutung gewesen. Dabei habe er die Wertmaßstäbe verloren und „Todsünden“ wie Maßlosigkeit und Hochmut begangen. Mit seiner Selbstkritik verbindet er die Ausrichtung auf ein neues Leben nach anderen Maßstäben. Heute fühle er sich befreit und glücklicher. Halt und Orientierung gebe ihm der christliche Glaube.
„Hochmut kommt vor dem Fall.“ So lautet eines der bekanntesten Sprichwörter. Es stammt aus dem Buch der Sprüche, Kap. 16, Vers 18. Hochmut verbinden wir mit Anmaßung, Selbstüberschätzung, Überheblichkeit und Arroganz. Es fällt uns meist nicht schwer, Beispiele anderer Menschen dafür zu finden. Die Lebensweisheit aus der Bibel entfaltet jedoch gerade dann ihre positive Wirkung, wenn sie nicht auf andere, sondern auf sich selbst bezogen wird. Die Alternative zum Hochmut ist die Demut. Nicht als prinzipielle Unterwürfigkeit, sondern als Erkenntnis der eigenen Begrenztheit und Bescheidenheit. Demut bedeutet, sich selbst zu akzeptieren, andere wertzuschätzen, mit der Umwelt sorgsam umzugehen und die Fehler der Anderen auch vergeben zu können. Das erfordert oftmals mehr Mut, als sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Die Veränderung der Perspektive  ist wichtig, die Sicht auf mich selbst und auf andere Menschen. Mit dieser Haltung kann man glücklich und zufrieden werden.

Dr. Eckhard Düker ist Gemeindepfarrer im Abdinghofbezirk der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Paderborn.
Der Beitrag wurde in der Kolumne „Mittendrin“ im Westfälischen Volksblatt Paderborn am 31.8. veröffentlicht.

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