Auf ein Wort
Nächstenliebe für künftige Generationen

Pfarrer Thomas Walter. FOTO: HEIDE WELSLAU

Pfarrer Thomas Walter. FOTO: HEIDE WELSLAU

Waren Sie letzte Woche Freitag beim Klimastreik? Sogar die Evangelische Kirche von Westfalen hat ihre Gemeinden aufgefordert, sich für den Klimaschutz zu engagieren. Für viele Menschen ist es fünf vor Zwölf, wenn der Klimawandel noch in erträglichen Dimensionen gehalten werden soll. Das liegt an den Kipp-Punkten, die auf keinen Fall überschritten werden dürfen, so die Aussage aller damit befassten Wissenschaftler. Aber das wissen Sie vermutlich genauso gut wie ich, und wenn nicht, würden Sie mir wohl auch nicht glauben. Es ist ja auch schwer zu glauben, dass unser Verhalten weltweite Auswirkungen auf das Klima hat. Dies gab es noch nie zuvor in der Geschichte, wenn man vom Ozonloch einmal absieht. Und es erfordert globale Anstrengungen, um die Klimakrise zu überwinden. Ob das der Menschheit gelingen wird?

In Israel gab es ein Sprichwort, das der Prophet Jeremia zitiert: „Die Eltern essen saure Trauben und die Kinder bekommen davon stumpfe Zähne“ (Jeremia 31,29). Die Kinder müssen also für die Sünden ihrer Eltern bezahlen. Es zeigt, dass unser Problem, wenn auch nicht im globalen Maßstab, damals schon bekannt war und als ungerecht galt. Jeremia macht deutlich, dass dies nicht im Sinne Gottes ist. Jeder soll für seine eigenen Sünden einstehen müssen.

Aber ist der Ausstoß von Klimagasen eine Sünde? Ist in den Urlaub fliegen, Auto fahren, die Heizung aufdrehen und lecker Fleisch essen wirklich Sünde? Wir machen ja schließlich nichts Ungewöhnliches. Es ist nicht verboten und kommt uns nicht als übertriebener Luxus vor. Die Wenigsten haben dabei wohl ein schlechtes Gewissen. Andererseits, in einem ist die Bibel klar und deutlich: Wir sollen so handeln, dass wir unserem Nächsten dienen und ihm nicht schaden. Jeder kennt die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Über Jahrhunderte hat man dabei nur an den Zeitgenossen gedacht. Doch nun sehen wir, dass wir auch künftige Generationen im Blick haben müssen. Wenn unser Handeln sich auch auf unsere Enkel und Urenkel auswirkt, dann sind sie genauso unsere Nächsten, wie der, der unter die Räuber gefallen ist. Was ihnen schadet, sollen wir nicht tun, um Gottes Willen.

Dazu muss ich dann wohl mein Verhalten ändern: Weniger in den Urlaub fliegen, ein einfacheres Auto mit einem alternativen Antrieb kaufen und weniger, dafür besseres Fleisch essen. Ich muss also umkehren und tun, was Jesus von mir will: meinem Nächsten dienen, dem, der neben mir wohnt und dem, der ein paar Generationen nach mir kommt. Das ist es, was die Bibel Buße nennt. Sie meint eine echte Umkehr im Verhalten und eine Neuausrichtung auf den, der uns allen das Leben schenkt.

Thomas Walter, Pfarrer des Matthäus-Pfarrbezirks der Evangelische-Lutherischen Kirchengemeinde Paderborn

Der Beitrag ist erschienen in der Reihe „Auf ein Wort“ in der Neuen Westfälischen Paderborn am Freitag, 27. September 2019.

 

 

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