Mittendrin
Offene Türen

von Pfarrer Dr. Eckhard Düker, Abdinghof

Pfarrer Dr. Eckhard Düker

Pfarrer Dr. Eckhard Düker

Es ist Tag der offenen Tür. Die Schülerinnen und Schüler besuchen mit ihren Eltern die weiterführenden Schulen, für die sie sich im kommenden Schuljahr anmelden möchten. Sie führen Gespräche, nehmen die Räume in Augenschein, fragen ihre Freundinnen und Freunde nach ihren Erfahrungen. Offene Türen sind einladend, sie machen neugierig. Nicht nur in der Schule, auch in Betrieben, Verwaltungen, sozialen Einrichtungen. Wer seine Türen öffnet, schafft Transparenz, macht Mut, etwas Neues kennenzulernen.

Der erste Advent ist auch ein Tag der offenen Tür. Er führt in ein neues Kirchenjahr, macht neugierig auf neue religiöse Erfahrungen und menschliche Begegnungen. Viele Gemeinden beginnen das neue Kirchenjahr mit einem Familiengottesdienst. Im Gesangbuch wird ein neues Kapitel aufgeschlagen: „Macht hoch, die Tür, die Tor macht weit!“ Früher wurden die Stadttore geöffnet, damit ein Herrscher würdevoll einziehen konnte. „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“ (Psalm 24, V.7) Im übertragenen Sinn öffnet der erste Advent die Türen der Herzen für die Ankunft des Erlösers.

Was bedeutet es, adventlich zu leben? Augen und Ohren sind wachsam für das Kommen Gottes in unser Leben. Die Sinne sind geschärft für die Bedürfnisse meines Mitmenschen. Nicht der Lärm, sondern die Stille macht mich aufmerksam für die Klopfzeichen Gottes. Nicht das grelle Licht, sondern der Schein einer Kerze erinnert mich daran, dass Christus als das Licht in unserer Welt Einzug hält. Offene Türen und offene Herzen sind die besten Voraussetzungen für Gottes Ankunft. Er begegnet mir in der Witwe, die ihren Ehemann betrauert, in dem Kind, das Probleme in der Schule hat, in dem Jugendlichen, der von anderen ausgeschlossen wird, in dem Familienvater, der seine Arbeit verloren hat. Advent bedeutet Ankunft. Gott kommt bei uns an und wir nehmen ihn bei uns auf.

Dr. Eckhard Düker ist Gemeindepfarrer im Abdinghof-Bezirk der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Paderborn.

Der Beitrag ist in der Kolumne Mittendrin im Westfälischen Volksblatt Paderborn am 2. Dezember 2017 veröffentlicht.

Print Friendly