Ein Jahr Projekt „Seelsorge für persischsprachige Christen“
Pastor Mehrdad Sepehri Fard zieht erste Bilanz

Großes Einsatzgebiet: Pastor Mehrdad Sepehri Fard ist hauptamtlicher Seelsorger für persischsprachige Christen in Westfalen und Lippe. Foto: EKP/Oliver Claes

Großes Einsatzgebiet: Pastor Mehrdad Sepehri Fard ist hauptamtlicher Seelsorger für persischsprachige Christen in Westfalen und Lippe. Foto: EKP/Oliver Claes

Paderborn/Kreis Höxter/Westfalen (ekp). „Wir haben viele Projekte gestartet“, blickt Pastor Mehrdad Sepehri Fard (51) auf ein arbeitsreiches Jahr zurück. Seit einem Jahr ist er hauptamtlicher Seelsorger für persischsprachige Christen im Bereich der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) und der Lippischen Landeskirche. Im Laufe dieses Zeitraumes ist er mit rund 400 Christen aus dem Iran, Afghanistan und Tadschikistan in Kontakt gekommen. Gemeinden persischsprachiger Christen gibt es zum Beispiel in Paderborn, Detmold, Soest, Münster, Dülmen, Ibbenbüren, Emsdetten, Rheine, Werl und Witten.

„Ich bin dafür da, den persischsprachigen Christen mehr Wissen über den christlichen Glauben zu vermitteln und die Gemeindegruppen miteinander zu vernetzen. Außerdem möchte ich dazu beitragen, dass sie fester Bestandteil deutschsprachiger Gemeinden werden“, beschreibt Sepehri, der in Teheran geboren wurde und 1997 nach Deutschland kam, seine Aufgabe. So bietet der Seelsorger zum Beispiel Gottesdienste, Bibelstunden, Taufkurse, christliche Konzerte und Fragerunden zu Glaubensfragen auf Farsi (der persischen Sprache) an. In Rheine, Soest und Paderborn gibt es bereits Kurse für Fortgeschrittene im christlichen Glauben.

Zu seinen Projekten gehört unter dem Titel „Nimm Gott mit“ eine handliche Ausgabe der vier Evangelien des Neuen Testamentes auf Farsi zum Lesen und Weitergeben. Zu Weihnachten plant er eine Broschüre mit einem Text auf Farsi über die Bedeutung des Festes und mit Texten von Weihnachtsliedern auf Farsi und Deutsch. Außerdem arbeitet Sepehri zusammen mit Pfarrer Felix Klemme (Evangelischer Kirchenkreis Paderborn) und Pfarrer Dieter Bökemeier (Lippische Landeskirche) an einem Tauf- und Glaubenskurs für persischsprachige Menschen mit muslimischem Hintergrund. Daraus soll ein Taufbuch entstehen, das 50 grundlegende Themen des christlichen Glaubens behandelt. Es soll auf Deutsch und Farsi erscheinen und in den Gemeinden verteilt werden, die mit persischsprachigen Christen arbeiten.

Wichtig für die Integration hält es Pastor Sepehri, dass die persischsprachigen Christen an den Gottesdiensten der deutschen Gemeinden teilnehmen. Allerdings würden diejenigen, die nur wenig Deutsch könnten, vor allem die Predigten nicht verstehen. Sie könnten aber zum Beispiel Fürbittentexte sprechen und Lieder auf Farsi singen, „Ich möchte durch mein Angebot die persischsprachigen Christen motivieren, aktiv in den deutschen Gemeinden mitzuwirken. Ich will keine separaten persischsprachigen Gemeinden gründen“, betont Sepehri. Er hofft, dass er durch seine Arbeit solche Befürchtungen zerstreuen kann. „Es ist ein neues Projekt. Der Aufbau von Vertrauen braucht Zeit“, so der Pastor.

Wissen zu vermitteln, ist für ihn deshalb so wichtig, weil die wachsende Zahl der Christen im Iran wenig über den christlichen Glauben weiß. „Gelebt wird der Glaube im Verborgenen, in kleinen, privat organisierten Hauskirchen, die vom Staat bekämpft werden. Es gibt keine Pfarrer, keine Kirchengebäude und kein Material zum Lernen“, erklärt Sepehri. Er selbst konnte Theologie im Iran nur inoffiziell studieren, seine Prüfungen legte er auf Zypern und in den USA ab. 2007 wurde er in Marburg ordiniert. Bis zu seiner Einführung vor einem Jahr war er viele Jahre neben seinem Beruf als Teamleiter bei einem großen Paderborner Unternehmen ehrenamtlicher Ansprechpartner und Seelsorger für persischsprachige Christen.

„Nach dem ersten Jahr bin ich zufrieden mit der Arbeit. Es wurde viel geschafft, auch mit Hilfe anderer“, freut sich Sepehri. Ehrenamtlich unterstützt ihn seine Ehefrau. Begleitet wird seine Arbeit durch eine kleine Projektgruppe, die sich monatlich trifft. Sie wird koordiniert von Beate Heßler vom Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der westfälischen Landeskirche. Die Fachstelle „Gemeinsam Kirche sein mit Zugewanderten“ begleitet die Arbeit von Sepehri Fard federführend. Eng arbeitet er mit den Pfarrern Christoph Keienburg und Felix Klemme zusammen, die beim Evangelischen Kirchenkreis Paderborn für das Thema „Flucht und Migration“ bzw. die „Geistliche Arbeit mit Flüchtlingen“ zuständig sind. Unterstützung findet er auch bei der Flüchtlingsberatung der Diakonie Paderborn-Höxter e.V.. Viele positive Rückmeldungen erhält Pastor Sepehri von Seiten der persischsprachigen Christen. „Bisher hatten sie keine persischsprachige Person, mit der sie vertrauensvoll sprechen konnten. Manche rufen an und wollen einfach nur reden, über ihr Leid oder ihr Heimweh“, erklärt der Seelsorger.

Er hoffe, dass das Projekt weitergehe, sagt Sepehri. „Mein großer Wunsch ist, dass ich nicht der einzige bleibe, der diese Arbeit in Westfalen und Lippe macht.“ Ideen für die Zukunft hat er genug. Aktuell überlegt er gerade, wie sich die persischsprachigen Christen auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund vorstellen können.


Das Projekt „Seelsorge für persischsprachige Christen“ ist auf drei Jahre angelegt. Der Evangelische Kirchenkreis Paderborn ist Anstellungsträger. Unterstützt wird das Projekt von der Evangelischen Kirche von Westfalen. Weitere Beteiligte sind das Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) der westfälischen Landeskirche, die evangelischen Kirchenkreise Soest, Steinfurt-Coesfeld-Borken und Tecklenburg, die Landeskirchliche Gemeinschaft Rheine und die Lippische Landeskirche.

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