Küster Frank Schubert nimmt seine Zuhörer mit in das Paderborn der Reformation
Spannend wie eine Kriminalgeschichte

VON SILKE RIETHMÜLLER

 

In Bad Driburg sprach Küster Frank Schubert in der Reihe „Einfach frei 2.0“ über Reformation und Gegenreformation in Paderborn. FOTO: SILKE RIETHMÜLLER

In Bad Driburg sprach Küster Frank Schubert in der Reihe „Einfach frei 2.0“ über Reformation und Gegenreformation in Paderborn. FOTO: SILKE RIETHMÜLLER

BAD DRIBURG – In der Reihe „Einfach frei 2.0“ erzählte Frank Schubert, Küster der Abdinghofkirche, warum es auch in Paderborn einen Nährboden für den reformatorischen Gedanken gab. Sein Publikum im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirche in Bad Driburg nahm er dabei mit auf eine spannende Reise in die Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts. Was sich im Zuge von Reformation und Gegenreformation in der Stadt abspielte, liest sich in Teilen wie ein fesselnder Kriminalroman. Veranstalter der Reihe ist die Regionalstelle Paderborn des Evangelischen Erwachsenenbildungswerkes.

Um 1523 gibt es in Paderborn bereits eine Wasserversorgung. „Und damit auch eine Hygiene, die für diese Zeit sehr früh war“, weiß Schubert. Die Stadt wächst und damit auch das Einkommen von Bauern, Kaufleuten und Handwerkszünften. Man lebt hauptsächlich von der Getreidewirtschaft und der Schweinezucht – beides begünstigt durch die aufkommende Kunst des Bierbrauens. „Hopfensaft war günstiger als Wein und damit für ein breites Publikum erhältlich. Es wurde also kräftig gebraut“, so Schubert.

Die höchste Stellung in der Stadt haben aber das einflussreiche Domkapitel und der Bischof, mit einem eigenen Immunitätsbereich rund um den Dom. „Die Domherren leben in Saus und Braus, das Zusammenleben mit den normalen Bürgern ist sehr spannungsgeladen. Immer wieder gibt es aber auch größere Auseinandersetzungen zwischen Bischof und Domkapitel“, erzählt der Küster. Das Spannungsfeld von Ablasshandel, Schuld und Sühne, Hexenprozessen und einem nach immer mehr Macht strebenden Klerus bietet den idealen Nährboden für das Gedankengut der Reformation.

Und dieses Gedankengut kommt schnell nahe an die Stadt heran. Kaufleute bringen die Traktate Luthers unter anderem von der Frankfurter Buchmesse mit in das Paderborner Land. „Das Leben im Mittelalter war nicht einfach. Auch die Menschen in Paderborn sehnten sich nach Freiheit. Die Reformation zeigte ihnen einen Weg auf, aus den religiösen Zwängen auszubrechen, sie war notwendig“, sagt Schubert.

Schon bald werden die Spannungen offen auf der Straße ausgetragen. „Die evangelischen Tendenzen wurden immer lauter. Der Bischof und das Domkapitel versuchten das ganze irgendwie in den Griff zu bekommen“, weiß der Küster. Schließlich wird die völlige Freigabe des Glaubens in Paderborn eröffnet. Ein großer Teil der Bevölkerung tritt in der Folge zum neuen Glauben über.

Keimzelle der evangelischen Idee in Paderborn ist die ehemalige Marktkirche St. Pankratius am Marienplatz. Hier feiert Pfarrer Martin Hoitbandt 1528 den ersten öffentlichen Gottesdienst mit der Feier des Sakraments unter beiderlei Gestalt. Bis zu seiner Ausweisung aus der Stadt 1568 hat Hoitbandt das evangelische Leben in Paderborn entscheidend geprägt.

„Diese Jahre waren für die evangelischen Christen in Paderborn eine Labsal“, betont der Küster. Die evangelischen Geistlichen gehen in die Häuser zu den Menschen, besuchen Alte und Kranke. Durch diese Seelsorge hätten die Neugläubigen in der Bevölkerung einen immer stärkeren Rückhalt erfahren, so Schubert. Selbst im Domkapitel machen sich jetzt verstärkt reformatorische Kräfte bemerkbar.

Auch der neue Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg habe schließlich erkannt, dass die reformatorischen Anliegen zum Teil richtig sind. „Dietrich geht es ganz clever an. Er macht erstmal eine Bestandsaufnahme und holt dann die Jesuiten nach Paderborn. Durch sie lässt er die Geistlichkeit schulen, die pastoralen und seelsorgerischen Dienste ausbauen, das Schulsystem neu ausrichten. Dietrich hat es an den entscheidenden Stellen richtig gemacht – und so letztendlich die Gegenreformation in Paderborn eingeläutet“, berichtet Frank Schubert.

Die nächsten Termine der Einfach-Frei-Reihe im Evangelischen Gemeindezentrum Bad Driburg: 18. Juli, 18.30 Uhr, Dr. Victor Morales über „Nachhaltigkeit: Zwischen Schöpfung und der neuen Schöpfung“; 19. September, 18.30 Uhr, Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke über „Reformation als Musik – Musik als Reformation; 14.11., 18.30 Uhr, Pfarrer Felix Klemme über „Bibel und Revolution“.

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