NEUJAHRSEMPFANG 100 Gäste beim Evangelischen Kirchenkreis Paderborn
Superintendent Volker Neuhoff: „Wir brauchen mehr Stopp-Rufe gegen Eskalationsexzesse“

Gestalteten den Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn: Superintendent Volker Neuhoff (rechts) und die Mitglieder des Ensembles 1517 Köln Gerrit Pleuger und Uwe Melchert. FOTOS: HEIDE WELSLAU

Gestalteten den Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn: Superintendent Volker Neuhoff (rechts) und die Mitglieder des Ensembles 1517 Köln Gerrit Pleuger und Uwe Melchert.
FOTOS: HEIDE WELSLAU

PADERBORN/KIRCHENKREIS (wels). Rund 100 Gäste aus den Bereichen Ökumene, Politik, Soziales und Wirtschaft begrüßte der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, Volker Neuhoff, auf dem Neujahrsempfang des Kirchenkreises im Martin-Luther-Zentrum Paderborn. In sein Grußwort schloss er besonders alle jene ein, die sich für das Gemeinwesen einsetzen und sich politisch engagieren. Zunehmend gerieten öffentlich sichtbare Vertreter*innen aus der Politik in den Fokus von Wut- und Hassbürgern, auch in den Kreisen Paderborn und Höxter. „Es ist erschreckend, wie aus Hetze Gewalt wird“, stellte Neuhoff eine eindeutige Tendenz zur Verrohung in unserer Gesellschaft fest. Bildung und Sozialkompetenz entwickelten sich immer mehr zum Dreh- und Angelpunkt für die Gestaltung und das Gelingen unserer Gesellschaft. „Wir brauchen zudem mehr Stopp-Rufe gegen die Eskalationsexzesse“, sagte Neuhoff. Angesichts der Kommunalwahlen im September nahm der Superintendent Bezug zur Anregung der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, lokale Bündnisse für Fairness, Respekt und Toleranz im Kommunalwahlkampf zu bilden: „Unser Kirchenkreis steht gern als Moderator zur Verfügung, wenn dies von den politischen Gruppierungen gewünscht wird“, so sein Angebot.
Auch Rettungskräfte, Ärztinnen und Pfleger erlebten zunehmend verbale und körperliche Übergriffe. „Ich bitte Sie darum, sich in Ihrer Menschenfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht erschüttern zu lassen“, wandte sich Volker Neuhoff an die Gäste aus dem diakonisch-caritativen Bereich und dankte für ihren Einsatz.
Beim Blick zurück nannte der Superintendent unter anderem die Ergebnisse der Freiburger Studie in 2019, die eine Halbierung der kirchlichen Mitgliedszahlen und Finanzen bis 2060 auch im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn berechnet hat. Im Blick auf die Mitgliedszahlen kann „unsere Kirche in einem gewissen Maß dazu beitragen, ob die Prognose Realität wird oder ob der Mitgliederrückgang nicht so drastisch ausfällt. Das beschäftigt uns weiter. Auch in 2020“, nannte Neuhoff eines der aktuellen Handlungsfelder im Kirchenkreis Paderborn, der in diesem Jahr seit 180 Jahren besteht und das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Kusini B in Tansania feiert.
Weiterhin bleibe der Kirchenkreis seiner Gemeinwesenorientierung treu, unter anderem mit einem Fachtag Inklusion. Außerdem mit der Sozialkonferenz am 21. März, zu der das Bündnis Kirchen und DGB zum Thema „Unsere digitale Welt – Veränderung von Qualifikation und Arbeit“ nach Paderborn einlade. Die Kreissynode im Herbst werde sich dem Thema Jugendarbeit widmen. „Denn wir haben im Kirchenkreis einen intensiven Prozess der Ideensammlung und Umsetzung vor uns, wie wir gemeinsam mit Jugendlichen zukünftig Kirche lebendig gestalten“, erläuterte der Superintendent. „Klimaneutralität ist eines der Ziele für unseren Kirchenkreis“, informierte er weiter. Zu den vielen kleinen Schritten gehöre zum Beispiel, „für die vielen Dächer, unter denen kirchliches Leben stattfindet, Photovoltaikanlagen zu prüfen.“
Dann lud Volker Neuhoff die Gäste zum Wohlfühl-Programm „Fernwehträume“ mit dem Duo Gerrit Pleuger und Uwe Melchert vom Ensemble 1517 aus Köln ein. Die beiden Schauspieler lasen im Wechsel kurzweilige Gedichte – von Alfons Pillach und anderen Autor*innen -, die von nahen wie fernen Ländern und Kontinenten handeln. Aber auch vom wieder nach Hause kommen oder zu Hause bleiben. Mal aus der Perspektive des Wanderns, des Reisens per Schiff oder Flugzeug bis hin zum Flug auf einer Wolke. Fazit: Reisen bringt „für Geist Erfahrung, für Seele Nahrung“ (A. Pillach).
Auch musikalisch wurden die Zuhörer*innen durch die Lieder der Sopranistin Gerrit Pleuger mit auf die Reise genommen: Zur Eröffnung brachte sie mit ihrer klaren, variationsreichen Stimme „So Far Away“ von Carol King zu Gehör. Bei „I Am Sailing“ von Rod Stewart sangen viele der Gäste mit. „Manhatten“ von Richard Rodgers entführte auf die Musicalbühne und „Unter dem Meer“ aus dem Disney-Film “Arielle” unters Wasser. Das Wiederauftauchen ins Hier und Jetzt fiel den Gästen leicht, warteten doch vielfältiges Finger-Food und anregende Gespräche.
Das Grußwort des Superintendenten im Wortlaut als PDF: http://www.kirchenkreis-paderborn.de/wp-content/uploads/2020/01/2020-01-29-Neujahrsempfang_Begrüßung.pdf

 

 

 

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