Leiter des Jugendreferates wechselt zur Landeskirche
Volker Kohlschmidt wird am 22. September verabschiedet

War seit 1991 beim Evangelischen Kirchenkreis Paderborn: Volker Kohlschmidt; Leiter des Jugendreferates, engagierte sich vielfältig in der Jugendpolitik und gegen Rassismus. Foto: EKP/Oliver Claes

War seit 1991 beim Evangelischen Kirchenkreis Paderborn: Volker Kohlschmidt; Leiter des Jugendreferates, engagierte sich vielfältig in der Jugendpolitik und gegen Rassismus. Foto: EKP/Oliver Claes

Paderborn/Kreis Höxter/Lügde (ekp). „Ich finde es sehr schade zu gehen, weil die Zusammenarbeit oft über die Arbeitsbereiche hinaus reicht und ich viele Freunde hier habe“, sagt Volker Kohlschmidt (58), Leiter des Jugendreferates des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn. Im Rahmen der Jugendvollversammlung (JVV) am Samstag, 22. September, um 14 Uhr im Paderborner Lukas-Gemeindezentrum, Am Laugrund 5, wird Volker Kohlschmidt aus seinem Dienst verabschiedet. Er wechselt zum 1. Oktober als Referent in das Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) in Schwerte-Villigst.

Insgesamt war der gebürtige Templiner, der in Bocholt aufgewachsen ist, 27 Jahre im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn tätig. Vorausgegangen waren ein Studium der Diplom-Pädagogik in Köln, Honorartätigkeiten im Bereich Jugendarbeit und die erste Stelle beim Kirchenkreis Unna, wo er ein Vorprogramm zum Kirchentag Ruhrgebiet 1991 organisierte.

Im September 1991 begann er als einer von damals sechs Jugendreferenten in den sechs Regionen des Kirchenkreises Paderborn. Zuständig war er für die Region Büren und baute in allen Kirchengemeinden der Region die Arbeit mit Kindern auf. Dazu gehörten Kindergruppen, Kinderbibeltage, Ferienspiele und als besondere Höhepunkte Projekte mit dem Mitmach-Zirkus Casselly.

Kohlschmidt, der berufsbegleitend Fortbildungen zum Gemeindepädagogen und zum Betriebswirt Sozialwesen absolviert hat, übernahm 2001 im damaligen Amt für Jugendarbeit des Kirchenkreises Paderborn mit einer halben Stelle die neu eingerichtete Position des Geschäftsführers. Mit der anderen Hälfte seiner Stelle war er bis 2009 weiter Jugendreferent in der Region Büren, anschließend bis 2011 mit einer viertel Stelle Religionslehrer an der Schule in Schloß Hamborn.

Im Jahr 2011 übernahm er im Amt für Jugendarbeit neben der Geschäftsführung auch die Leitung sowie Projekte (jeweils mit einer viertel Stelle). In diese Zeit fielen deutliche Veränderungen in der Struktur der Arbeit. Für die sechs Regionen des Kirchenkreises gab es nur noch vier Vollzeitstellen für Jugendreferenten. Darauf reagierte das neu benannte Jugendreferat 2013 mit einer neuen Satzung. Seitdem gibt es zweimal jährlich die Jugendvollversammlungen (JVV). Auf die ist Kohlschmidt richtig stolz: „Das ist ein Erfolgsmodell geworden. Jugendliche aus dem ganzen Kirchenkreis kommen zusammen, um gemeinsam einen Tag zu einem Thema zu verbringen.“

Gerne blickt Kohlschmidt auch auf die Spendenaktion mit Rewe-Märkten in Stadt und Kreis Paderborn zurück, die es seit 2010 gibt. „Bis jetzt wurden dadurch 48.815 Euro für Kinder aus Familien mit geringem Einkommen gesammelt. Wir konnten damit Kosten für Ferienmaßnahmen refinanzieren und Weihnachten eine große Geschenkeaktion organisieren“, freut er sich. Weitere Glanzlichter sind für ihn der Anti-Rassismus-Kalender, der 2011 und 2012 von Jugendlichen zusammen mit dem Fotografen Juan Zamalea realisiert wurde, der „Wheel-Sliding-Kontest“ 2015 in Borchen aus Anlass des 175-jährigen Kirchenkreis-Jubiläums“ und die erste Churchnight mit Übernachtung in der Paderborner Abdinghofkirche sowie ein Poetry Slam, beide aus Anlass des 500. Reformationsjubiläums 2017.

Im Laufe der Jahre sind Erinnerungsarbeit, Rechtsextremismus und Gewaltprävention zu Kohlschmidts Schwerpunkten geworden. Berufsbegleitend absolvierte er 2009/2010 die bundesweit erste Fortbildung zur Fachkraft Rechtsextremismus. Gemeinsam mit Partnern entwickelte er eine „Toolbox“ mit Workshops zur Prävention an Schulen sowie ein Fortbildungsangebot. Mit weiteren Jugendverbänden gründete er 2010 das „Paderborner Bündnis gegen Rechts“. Und er vertritt den Kirchenkreis im Paderborner „Bündnis für Demokratie und Toleranz“. „Ein besonderes Erlebnis war für mich die Beteiligung am ZDF Fernsehgottesdienst auf der Wewelsburg am 27. Januar 2013, dem internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust“, blickt Kohlschmidt zurück. Auf der Wewelsburg tagte 2013 auch die Evangelische Jugendkonferenz von Westfalen unter dem Motto „Unser Kreuz hat keine Haken“. Außerdem organisierte Kohlschmidt 2013 gemeinsam mit der Evangelischen Theologie an der Universität Paderborn eine Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz mit anschließender Ausstellung.

Nebenberuflich ist Kohlschmidt Museumspädagoge in der Erinnerungs-und Gedenkstätte Wewelsburg; ehrenamtlich ist er Vorsitzender des Vereins Gedenktag 2. April in Wewelsburg – Verein wider das Vergessen und für Demokratie e.V. Im Programm des Landes NRWeltoffen ist Kohlschmidt Mitglied der Steuerungsgruppe zur Erarbeitung eines Handlungskonzeptes gegen Rassismus und Rechtsextremismus und Moderator der Arbeitsgruppe „Integration, Emanzipation und Religion“.

„Ein weiterer Schwerpunkt war für mich immer die Jugendpolitik“, sagt Kohlschmidt. 25 Jahre war er Mitglied im Jugendhilfe-Ausschuss des Kreises Paderborn und Sprecher der Untergruppe „AG 78 Jugend“. Als Vertreter des Kirchenkreises begleitete er in Paderborn, zusammen mit dem Jugendamt und dem katholischen Dekanat, den Vorstand des Stadtjugendrates.

Auf kirchenpolitischer Ebene engagierte sich Kohlschmidt im Vorstand der Evangelischen Jugendkonferenz von Westfalen sowie in der Jugendkammer, dem höchsten Gremium der Jugendarbeit in der EKvW. Außerdem war er Delegierter im jugendpolitischen Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend NRW (AeJ NRW) und in der Mitgliederversammlung der AeJ Deutschland. Im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn war Kohlschmidt als Leiter des Jugendreferates Mitglied der Synode und Mitglied im Finanz- sowie im Nominierungsausschuss.

Sein Engagement setzt Volker Kohlschmidt auch als Referent im Handlungsfeld „Gewalt und Rassismus“ im Amt für Jugendarbeit der EKvW fort. Zukünftig gehören die mobile Beratung gegen Rechts im Regierungsbezirk Arnsberg und die Leitung der Gewalt-Akademie Villigst zu seinen Aufgaben. „Die neue Tätigkeit entspricht genau meinem Schwerpunkt. Deshalb konnte ich nicht Nein sagen, als ich gefragt wurde. Das ist eines der aktuell wichtigsten gesellschaftlichen Themen“, betont Kohlschmidt.

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