Am 6. Juni im Stadtmuseum Paderborn
Vortrag: Die Toten des Novemberpogroms 1938 in NRW

Paderborn. Am Donnerstag, 6. Juni, findet im Stadtmuseum Am Abdinghof um 19 Uhr ein Vortrag zum Thema „Die Toten des Novemberpogroms 1938 in NRW“ statt. Darin stellt der Düsseldorfer Historiker Dr. Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, den Pogrom in seinen historischen Bezügen sowie die Ergebnisse des Forschungsprojektes vor. Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei.

In der deutschen Erinnerungskultur nimmt der Pogrom vom November 1938 eine herausragende Rolle ein: Der 9. November steht für einen Wendepunkt von der nationalsozialistischen Ausgrenzungs- zur Vernichtungspolitik den Juden gegenüber. Lange hielt sich das Bild von der „Nacht, in der die Synagogen brannten“ oder von der „Reichskristallnacht“, in deren Verlauf Scherben und Sachschäden zu beklagen waren. Niemand aber fragte nach den Opfern, den Ermordeten oder in den Suizid getriebenen Menschen. Bis heute ist die Gesamtzahl der Todesopfer unbekannt; bis heute wird sie in den Medien bagatellisiert. Tatsächlich aber waren die Novembertage und -nächte eine Menschenjagd.

Die Mahn- und Gedenkstätte der Stadt Düsseldorf hat 2018 in einem landesweiten und von der Landesregierung NRW unterstützten Forschungsprojekt den Versuch unternommen, alle Toten auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen zu identifizieren. Die Ausmaße, die das Projekt offengelegt hat, sind eindeutig: Es waren mindestens 130 Menschen, die in Folge des Pogroms ihr Leben verloren, und damit viel mehr als erwartet. Auf der Basis einer Abfrage von 430 Archiven und Gedenkstätten, einer umfassenden Literaturauswertung und Internetrecherche entstand ein anderes Bild der Pogromnacht: Synagogen, Kristall und Schaufenster geraten in den Hintergrund, die Geschichte der Ermordeten erlangen die ihnen gebührende Aufmerksamkeit – mehr als 80 Jahre nach den Ereignissen.

 

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