Auf ein Wort
Was wirklich wichtig ist

Von Pfarrer Detlev Schuchardt

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

„Kindermund tut Wahrheit kund.“ Das gilt auch beim Thema „Fasten“. Mit dem Aschermittwoch vor zwei Tagen beginnt die christliche Fastenzeit, die bis Ostern andauert. Und das verbinden Schülerinnen und Schüler der Grundschule Marienloh damit: „Ich habe noch nie vom Fasten gehört. Fasten ist vielleicht ein Fest. Fasta ist bestimmt ein arabisches Wort.“ Oder: „Ich finde es gut, aber ich weiß nicht, warum. Ich finde es doof, dass man nicht auf Schule fasten kann. Ich finde es aber auch ein bisschen gut, weil man kann auch auf Süßigkeiten fasten. Und die Leute, die abnehmen wollen, können das machen. Meine Mutter macht das auch immer.“ Beim Fasten denken viele an den Fastenmonat Ramadan im Islam oder ans Abnehmen.

Die Kinder wussten aber auch von einem anderen Fasten: „Fasten ist, wenn man auf bestimmte Sachen verzichtet.“ Dabei spielt vielleicht die Aktion „7-Wochen-ohne“ eine Rolle. Seit 32 Jahren lädt diese Fastenaktion der Evangelischen Kirche ein, die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag bewusst zu gestalten: alte Gewohnheiten zu durchbrechen, ein paar Wochen freiwillig auf etwas zu verzichten wie: Alkohol, elektronische Medien, Kaffee oder Süßigkeiten. Fasten kann helfen zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist im Leben. Das Verändern von liebgewordenen Gewohnheiten lässt ganz neue Gedanken entstehen.

Wir leben in einer Gesellschaft des Überflusses, wie zu sehen im Bild „Schlaraffenland“ von Pieter Bruegel. Unter einem Speisen und Getränke servierenden Baum liegen drei Männer. Speisen laufen verzehrfertig herum – Schlaraffenland eben, alles Gute im Überfluss. Aber die drei Bewohner machen keinen glücklichen Eindruck. Sie liegen da wie Leichen. Die Körper haben ungesunde Proportionen. Keiner tut etwas. Bruegels Bild sagt: Wenn alle Bedürfnisse der Menschen befriedigt sind, dann kommt das Leben zum Stillstand, Friedhofsruhe breitet sich aus, aber nicht das Glück. Zum Leben gehört auch immer ein Antrieb, die Sehnsucht – auch der Verzicht, dass man nicht alles haben kann. Das treibt uns voran, das lehrt uns, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Das bewusste Verzichten im christlichen Fasten kann uns solche Gedanken nahebringen.

Detlev Schuchardt ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Lippspringe, zu der auch Benhausen, Marienloh und Neuenbeken gehören.

Der Beitrag ist erschienen in der Reihe „Auf ein Wort“ in der Neuen Westfälischen Paderborn am Freitag, 20. Februar 2015.

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