Auf ein Wort
Zeit für Kirche

VON PFARRER CHRISTOPH RÖTHEMEYER

Pfarrer C. Röthemeyer

Pfarrer C. Röthemeyer

Vielleicht haben Sie es schon bemerkt: Die Sonntage, die in der Kirche einen speziellen Namen haben, sind nun schon seit einigen Wochen vorbei. Die Sonntage werden nach dem Trinitatisfest (Trinitatis heißt der Sonntag nach Pfingsten) einfach durchgezählt. An diesem Wochenende haben wir zum Beispiel den 6. Sonntag nach Trinitatis. Pfingsten und Trinitatis sind also schon einige Wochen her.

Mit dem Pfingstfest beginnt die „Zeit der Kirche“. Nun sind nicht mehr Gott, Jesus Christus oder der Heilige Geist vorrangiges Thema des Sonntags und des Gottesdienstes. Es sind jetzt die Themen der Kirche, die die Sonntage bestimmen. Für den 6. Sonntag nach Trinitatis ist es das Thema Taufe.

Doch was ist unter Kirche zu verstehen? Zu allererst denken viele an die Kirchengebäude, etwa an eine Kapelle, an eine Pfarrkirche oder an einen Dom. Auch die Vorstellung der Kirche als Institution mit Pfarrerinnen, Bischöfen, Kirchenbeamten usw. liegt nicht fern. Nicht so schnell dagegen kommt den meisten beim Begriff Kirche die Gemeinschaft der Glaubenden in den Sinn. Doch genau das ist es, was hier gemeint ist: Zeit der Kirche ist Zeit der Gemeinschaft der Glaubenden bzw. der Getauften.

„Glaube ja, Kirche nein!“, ist eine gängige Meinung. „Man kann doch glauben ohne mit der Kirche etwas zu tun haben zu müssen.“ Sicherlich geht das. Es ist aber nicht sinnvoll. Man kann zum Beispiel auch Volleyball, Basketball oder Fußball alleine spielen. Sinnvoll wird das Spielen einer Mannschaftssportart aber erst, wenn auch eine Mannschaft gebildet wird. Auch der christliche Glaube ist eine Spielart, die nur in der Gemeinschaft sinnvoll ist. Erst wo zwei oder drei im Namen Jesu versammelt sind, ist er mit dabei.

Wo Menschen gemeinsam aus dem Glauben heraus für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung eintreten, da geschieht Kirche. Entscheidend ist also, dass nicht nur der Glaube an Gott da ist, sondern dass sich Christen gegenseitig in ihrem Glauben versichern. Entscheidend ist aber auch, welche Konsequenz der Glaube für das Leben im Glauben hat. Beides ist also wichtig: der Glaube und die Gemeinschaft. Die Gemeinschaft der Glaubenden ist die Kirche. Wie gut ist es da, wenn nicht nur Zeit für den Glauben, sondern auch „Zeit für Kirche“ ist.

Pfarrer Christoph Röthemeyer, Schulpfarrer des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn.

 Der Beitrag ist erschienen in der Neuen Westfälischen Paderborn am Freitag, 6. Juli 2018.

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