„… damit sie alle eins seien.“
ZU GAST Bischof Abednego Keshomshahara aus Tansania besuchte Kirchenkreis

VON KARL-EDZARD BUSE-WEBER

Bischof Abednego Keshomshahara (5. von rechts) und Karl-Edzard Buse-Weber (4. von rechts), Vorsitzender des Tansania-Ausschusses im Kirchenkreis Paderborn, mit interessierten Gästen beim Gesprächsabend. FOTO: TANSANIA-AUSSCHUSS

Bischof Abednego Keshomshahara (5. von rechts) und Karl-Edzard Buse-Weber (3. von rechts), Vorsitzender des Tansania-Ausschusses im Kirchenkreis Paderborn, mit interessierten Gästen beim Gesprächsabend.
FOTO: TANSANIA-AUSSCHUSS

PADERBORN/BORCHEN (ekp). Bischof Abednego Keshomshahara besuchte den Evangelischen Kirchenkreis Paderborn Mitte November. Die Teilnahme als Gast an der Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen war der Anlass seines Besuchs in Deutschland. In Paderborn und Borchen überbrachte er Grüße aus dem Partnerkirchenkreis Kusini B, mit dem der Kirchenkreis Paderborn seit 1990 partnerschaftlich verbunden ist, und aus der Nord-West-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania.
Im Stephanushaus Borchen konnten Interessierte mit dem Bischof ins Gespräch über das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher Religion kommen. In einem Gottesdienst in der Abdinghofkirche Paderborn hielt Bischof Abednego Keshomshahara die Predigt. Der Vers aus dem Johannesevangelium “damit sie alle eins seien” (17,21) bildete die spirituelle Klammer der beiden Veranstaltungen und des Besuches.
Über das Zusammenleben von Christen und Muslimen in der Nord-West-Diözese in Tansania berichtete der Bischof, dass es von Wohlwollen und gegenseitiger Achtung geprägt sei. Die christlichen Gemeinden würden  Muslime zum Feiern von Weihnachten und Ostern einladen, und Muslime christliche Nachbarn zum Feiern des Zuckerfestes. Nachbarschaftshilfe sei selbstverständlich und ende nicht an der Religionsgrenze. Die Kinder spielten zusammen und gingen gemeinsam zur Schule. In der Krankenstation des Partnerkirchenkreises in Ilemera würden selbstverständlich Menschen aller Religionen behandelt und versorgt.
Spannungen zwischen Christen und Muslimen gebe es zum Beispiel, wenn von Frauen verlangt würde  Muslimin zu werden, wenn sie einen muslimischen Mann heiraten. Es gebe Beispiele, wo muslimische Kinder sich um ihre pflegebedürftigen, christlichen Eltern nur kümmern und sorgen, wenn diese selbst den Islam als ihre Religion annehmen.
In der Region rund um die Bezirkshauptstadt Bukoba habe es in den letzten Jahren Übergriffe fanatisierter Muslime auf Kirchen gegeben, berichtete der Bischof weiter: Fünf Kirchen wurden angezündet und gingen in Flammen auf. Die islamischen Würdenträger in Bukoba verurteilten intern und gegenüber Bischof Keshomshahara die gewaltsamen Übergriffe, trauten sich aber aus Angst vor den radikalisierten Tätern nicht, die Kritik öffentlich zu machen.

Bischof Abednego Keshomshahara, Nordwestdiözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT). Foto: AK Tansania

Bischof Abednego Keshomshahara, Nordwestdiözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT). FOTO: TANSANIA-AUSSCHUSS

Es gebe aus anderen Teilen Tansanias und anderen Ländern aber auch ermutigende Beispiele: Muslime, die sich schützend vor Kirchen stellen und die Gewalttäter stoppen, und Christen, die sich schützend vor Moscheen stellen und verhindern, dass radikalisierte Christen Gewalt üben, so Bischof Keshomshahara. Dies lasse hoffen, dass Frieden und Toleranz zwischen den Menschen und Religionen wachse, „damit sie alle eins seien“. Unterschiede zwischen den Religionen sollten dabei nicht aufgehoben oder die Glaubensüberzeugungen vermischt werden, sondern alle seien aus christlicher Sicht Kinder Gottes und sollten sich dem Auftrag Gottes verpflichtet fühlen, dem Frieden und der Gerechtigkeit nachzujagen und die Schöpfung zu bewahren.
In seiner Predigt im Sonntagsgottesdienst in der Abdinghofkirche  hob Bischof Keshomshahara hervor, dass die Einheit zwischen den Konfessionen und den Menschen das Ziel von Jesus sei, wenn er um Einheit bete. Diese Einheit sollte auch das Ziel der verschiedenen Kirchen und das Ziel aller Menschen sein. Denn so würden Nationalismus, Rassismus und Ausbeutung in der globalisierten Welt überwunden und unmöglich gemacht.
Die Kollekte im Gottesdienst ist für die Partnerschaftsarbeit mit dem Kirchenkreis Kusini B bestimmt.

 

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