Der Mensch – (k)ein Gewohnheitstier

Auf ein Wort

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Pfarrer Detlev Schuchardt, Bad Lippspringe

Sie sind schon richtige Gewohnheitstiere, unsere Katzen. Lieblingsfutter, das es unbedingt sein muss, feste Schlafplätze, drei Stück, nicht mehr, feste Rituale, wann und wo man geschmust werden möchte, immer dieselben Zeiten, wann man nach draußen und wann man wieder hinein will. Es könnte so eintönig und langweilig sein. Ist es aber nicht. Aus heiterem Himmel, ohne dass es einen Grund gäbe, ist es an einem Tag ganz anders. Da wird das Lieblingsfutter mit einer Mine verschmäht, als wollte man das arme Tier vergiften. Da findet man die Katze an keinem der festen Schlafplätze, weil es plötzlich ein ganz anderer Ort sein muss. Was eben noch der schönste Schmuseort ist, wird Schauplatz einer Krallenattacke. Warum? Es gibt keinen äußeren Grund. Manchmal muss es einfach etwas anderes sein. So als sagten sich unsere Katzen – wohlgemerkt, das Verhalten zeigen beide – das eine kenne ich nun, jetzt probiere ich mal was Neues. Sonst ist es doch langweilig.

Ein bisschen wünsche ich uns auch dieses gesunde Verhalten. Mal etwas Neues probieren. Nicht immer an alten Gewohnheiten festhalten. Schon, um heraus zu finden, ob die alten Gewohnheiten wirklich immer gut sind. Für Weihnachten heißt das: Mal auf das Lieblingsfutter zu verzichten, mal beim Restaurant um die Ecke etwas bestellen, was den Menschen dort etwas Geld bringt und uns weniger Arbeit. Mal nicht dieselben Rituale, auch die gewohnten Übernachtungen von Familienmitgliedern zu Weihnachten. Selbst die unersetzbaren Christgottesdienste mal in anderer Form genießen und wenn es vor dem Fernsehen ist – all das können neue Erfahrungen sein, die nicht weniger, sondern mehr Freude bringen.

Die Katzen, sonst Super-Gewohnheitstiere, brauchen hin und wieder Veränderungen. Wir Menschen erst recht. Offenbarung 21,5: „Siehe, ich mache alles neu.“ Weihnachten 2020 kann das auch zur Offenbarung werden. Mal etwas Neues – das ist doch auch eine Chance, nicht in Gewohnheiten zu erstarren. Also: nicht jammern, was alles nicht geht, sondern das Neue annehmen und kreativ selbst gestalten! Wir sind doch – Gott sei Dank – nicht nur Gewohnheitstiere, oder?

Pfarrer Detlev Schuchardt, Evangelische Kirchengemeinde Bad Lippspringe

Der Beitrag ist erschienen in der Neuen Westfälischen Paderborn am Freitag, 18. Dezember 2020.