Erste digitale Synode des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn

„Wir bewegen uns auf eine prekäre Finanzsituation zu“

Im „Sendezentrum“ der digitalen Kreissynode im Haus der Evangelischen Kirche in Paderborn: (v. l.) stellvertretender Synodalassessor Pfarrer Claus-Jürgen Reihs, Synodalassessor Gunnar Wirth und Synodalältester Wolfgang Dzieran.
Foto: Oliver Claes

VON OLIVER CLAES UND HEIDE WELSLAU

PADERBORN/KIRCHENKREIS. Mit 78 (von 91) stimmberechtigten Synodalen tagte am 25. November die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn aufgrund der Corona-Pandemie erstmals digital. Die Synode leitete Assessor Pfarrer Gunnar Wirth in Vertretung des erkrankten Superintendenten Volker Neuhoff.
Das Leitungsgremium Kreissynode setzt sich aus Abgeordneten der 14 evangelischen Kirchengemeinden und der gemeinsamen Dienste des Kirchenkreises zusammen. Die Synodalen vertreten über 78.000 evangelische Christinnen und Christen in den Kreisen Höxter und Paderborn sowie in Lügde im Kreis Lippe. Schwerpunktthemen waren die Finanzsituation und die Haushaltspläne.
In der Andacht zu Beginn der Kreissynode stellte Pfarrerin Melanie Freye heraus, dass die Kirchengemeinden mit Gott „ein ganz besonderes Plus“ auf ihrer Seite haben. Gottes Wort und Gegenwart helfe durch die schwere Zeit der Corona-Pandemie ebenso wie dabei, die anstehenden Diskussionen zu führen und Entscheidungen zu treffen.

Finanzsituation und Haushalte

In seinem Bericht zur Finanzsituation erklärte Verwaltungsleiter Bernd Zirbes, dass die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) für das Jahr 2021 mit 10 Millionen Euro weniger an Kirchensteuereinnahmen als 2020 rechne. Die Evangelische Kirche von Westfalen komme dank vorsichtiger Planung gut durch die aktuelle Krise. „Aber es ist nicht alles gut. Wir bewegen uns auf eine prekäre Finanzsituation zu“, sagte Synodalassessor Gunnar Wirth.
Negativ wirkt sich das 2019 beschlossene neue Kinderbildungsgesetz (KiBiz) des Landes Nordrhein-Westfalen auf die Haushalte aus. Durch „tiefgreifende Veränderungen“, so Zirbes, komme weniger Geld für die Kindertageseinrichtungen beim Kirchenkreis an. Gunnar Wirth erläuterte dazu, dass durch die gesetzlichen Vorgaben des Landes NRW insbesondere die kirchlichen Kitas nicht mehr auskömmlich finanziert seien. „Es hat zahlreiche Versuche gegeben, im Vorfeld auf diese Schwierigkeiten hinzuweisen, aber die Kirchen dringen nicht zu den Entscheidern durch“, bedauerte Wirth. Eine Arbeitsgruppe wird bis zur nächsten Synode Lösungsvorschläge erarbeiten, wie auf die veränderte Situation reagiert werden kann.
Die Synodalen beschlossen die Haushalte des Kirchenkreises für das Jahr 2021 in Höhe von insgesamt 24,47 Millionen Euro.
Die Steigerungen der Personalausgaben seien vor allem auf Tarifsteigerungen zurückzuführen, informierte Verwaltungsleiter Bernd Zirbes bei der Vorstellung des Personalberichts. 2020 betragen die Bruttopersonalkosten 20,38 Millionen Euro (2019: 19,52 Mill.) Die Anzahl der Mitarbeitenden beträgt in diesem Jahr 533 (2019: 525). Den Großteil bilden mit 183 die Personalstellen in den 16 evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder sowie im Pfarrdienst mit insgesamt rund 54 Stellen.

Digitale Kirche

Nach den positiven Erfahrungen des auch Corona-bedingten digitalen Aufbruchs in den evangelischen Kirchengemeinden und in der Jugendarbeit in diesem Jahr (eigene Youtube-Kanäle mit Gottesdienst-Übertragungen, Podcasts, Instagram…) sollen die Rahmenbedingungen hierfür weiter professionalisiert werden. Die Kreissynode beauftragte die Arbeitsgruppe „Digitale Kirche“ und den Öffentlichkeitsausschuss damit, ein Konzept für ein Projekt im Bereich Digitale Kirche zu erarbeiten, das verschiedene Möglichkeiten der Umsetzung einschließt, etwa durch die Anstellung einer Fachkraft Soziale Medien. Insbesondere die 14- bis 45-Jährigen sollen durch weitere Angebote im Bereich Soziale Medien im Sinne der Mitgliederorientierung erreicht und die Kirchengemeinden bei ihren digitalen Angeboten unterstützt werden. „Dort erreichen wir Menschen, die wir analog nicht mehr erreichen“, blickte Pfarrerin Antje Lütkemeier auf diese guten Erfahrungen seit März zurück.

Ausschüsse werden geteilt

Als Antwort auf neue Herausforderungen wird der Synodale Ausschuss Gottesdienst und Theologie zukünftig geteilt: in einen Ausschuss für Theologie und in einen Ausschuss für Gottesdienst und Kirchenmusik, so ein weiterer Beschluss. Im Theologischen Ausschuss soll es darum gehen, theologische Standpunkte zu klären, neue Situationen in die Gottesdienstpraxis zu integrieren und Impulse zu setzen, informierte Pfarrerin Almuth Reihs-Vetter. Im Ausschuss Gottesdienst und Kirchenmusik sollen sich Haupt- und Nebenamtliche sowie Ehrenamtliche (Pfarrer*innen, Prädikant*innen, Lektor*innen, Kirchenmusiker*innen, Küster*innen) über neue Gottesdienst-Formen und unterschiedliche Liturgien austauschen. Beide Ausschüsse sollen miteinander vernetzt werden. Der Nominierungsausschuss wurde damit beauftragt, bis zur nächsten Synode Namensvorschläge für die Besetzung der beiden Ausschüsse zu machen.
Überwiegend positiv beurteilten die Teilnehmenden die digitale Form der Kreissynode. Das ergab eine Umfrage am Schluss.