HoT Borchen befürchtet Einschnitte durch geplante Mittelkürzung

Kommunalpolitik sichert Unterstützung zu

Diskutierten die Zukunft des HoT Borchen: Guido Reitmeyer (Grüne), Till Bäcker (HoT), Bürgermeister Reiner Allerdissen (SPD), Herbert Berger (SPD, hinten v. l.), sowie (vorne v. l.) Hansjörg Frewer (CDU), Pfarrerin Sabine Sarpe, Katrin Klugmann (FWB) und Bürgermeister-Kandidat Uwe Gockel. Foto: Jan Globacev

Diskutierten die Zukunft des HoT Borchen: Guido Reitmeyer (Grüne), Till Bäcker (HoT), Bürgermeister Reiner Allerdissen (SPD), Herbert Berger (SPD, hinten v. l.), sowie (vorne v. l.) Hansjörg Frewer (CDU), Pfarrerin Sabine Sarpe, Katrin Klugmann (FWB) und Bürgermeister-Kandidat Uwe Gockel.
Foto: Jan Globacev

Von Jan Globacev

Borchen. Die geplante Umverteilung von Fördermitteln des Kreises Paderborn bereitet den Mitarbeitenden im Haus der offenen Tür (HoT) im Stephanus-Haus große Sorgen. Die daraus folgende Stellenkürzung würde einen massiven Einschnitt in die erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit bedeuten. Wie es weitergehen könnte, haben das HoT-Team und die Kirchengemeinde mit den politischen Vertretern aus der Gemeinde Borchen diskutiert.

Hintergrund: Ein Beschluss des Jugendhilfeausschusses des Kreises Paderborn aus 2017 sieht eine Umverteilung der Landes- und Kreismittel für die Offene Kinder- und Jugendarbeit im Kreisgebiet vor. Diese Umverteilung würde für Borchen einen Wegfall von ca. 35.000 Euro und somit den Verlust eines Mitarbeitenden bedeuten. „Leider würden wir dann zu den Verlieren des neuen Verteilschlüssels gehören“, machte Pfarrerin Sabine Sarpe als Trägervertreterin den anwesenden Politikern zu Beginn deutlich. „Gerade in einem kleinen Ort trägt die gute Arbeit unseres HoT zum Leben in der Kommune bei. Viele Familien und Kinder profitieren von unseren Angeboten.“ Die geplante Mittelkürzung würde zu erheblichen Einschnitten bei den Angeboten für Kinder und Jugendliche führen. Und diese seien vielfältig: Seit jeher gehören unter anderem kreative und musikalische Angebote, aber auch die Ferienbetreuung, Kinder- und Jugendfreizeiten, die offene Treffpunktarbeit, sportliche Förderung und die Ausbildung von Ehrenamtlichen (Teamer) zu den Schwerpunkten der pädagogischen Arbeit des vierköpfigen Fachkräfte-Teams.

Stellen sich und ihre Arbeit vor: Martina Hayn (v. l.), Pfarrerin Sabine Sarpe, Till Bäcker und Julia Frielingsdorf. Foto: Jan Globacev

Stellen sich und ihre Arbeit vor: Martina Hayn (v. l.), Pfarrerin Sabine Sarpe, Till Bäcker und Julia Frielingsdorf.
Foto: Jan Globacev

„Generationen von Kindern haben bei uns das Flöte spielen gelernt“, berichtete der Leiter der Einrichtung, Till Bäcker. Auch die Ferienbetreuung, die sechs Wochen lang angeboten wurde, war dieses Jahr ein Erfolg: rund 40 Kinder wären täglich anwesend gewesen. „Wir freuen uns über die vielen positiven Rückmeldungen und dass viele Kinder danach auch gerne wieder zu uns kommen“, ergänzte der Diplom-Sozialpädagoge. Allein im Jahr 2019 fanden 38 Kreativkurse mit 94 Teilnehmenden sowie acht Musikkurse (Flöte) mit 18 Teilnehmenden statt. „Im Schnitt kommen 74 Stammbesucherinnen und -besucher pro Woche zu unserem offenen Treffpunkt, und unsere Kurse waren auch dieses Jahres schnell ausgebucht“, sagte Bäcker nicht ohne Stolz. Die Bedarfe würden auch langfristig eher zunehmen. „Auch unsere Ponyfreizeit in den Ferien an fünf Tagen mit 12 Kindern wurde sehr gut angenommen“, sagte Julia Frielingsdorf vom HoT-Team und erinnerte auch an die internationale Jugendbegegnung mit der United Church of Christ (UCC) in den USA, an der neun Jugendliche teilgenommen haben.

Einen großen Stellenwert in der pädagogischen Arbeit nimmt auch die Ausbildung von ehrenamtlich Mitarbeitenden, den Teamerinnen und Teamern, ein. Zuletzt habe man 13 Jugendliche im HoT und sechs an der Schule an der Altenau im Rahmen der Juleica-Ausbildung (Jugendleiter/innen-Card) fortgebildet. Die jungen Leute, so Martina Hayn, sammeln wertvolle Erfahrungen und sind eine große Unterstützung auch bei der Gemeindearbeit. „Allein in den Sommerferien kommen sie auf rund 1050 Stunden ehrenamtlichen Einsatz.“ Teamerinnen und Teamer sowie Jugendliche engagieren sich zudem in der Konfirmandenarbeit, beim Kinderkarneval oder beim örtlichen Adventsmarkt, um nur einige Beispiele zu nennen. Enge Kooperationen unterhält die Einrichtung auch zu den Schulen vor Ort.

Eine Mittel- und Stellenkürzung zum Jahresbeginn 2022 würde die pädagogische Arbeit im HoT (1976 eröffnet) und außerhalb massiv erschweren. „Leider sind die Einrichtungen überhaupt nicht gefragt worden“, kritisierte Pfarrerin Sarpe den Kreisbeschluss. „Eigentlich“, so die Pfarrerin, „haben wir hier eine sehr gute Ausgangssituation und eine gut funktionierende Einrichtung. Aber der Verlust einer Stelle wäre für uns eine Katastrophe.“ Für Kopfschütteln unter den Anwesenden sorgte der Hinweis, dass die vermeintlich geringe Entfernung zum Oberzentrum Paderborn, die Einwohnerzahlen sowie die Familienstrukturen zu der Entscheidung geführt hätten.

Diskussion mit Kommunalpolitikern im Stephanus-Haus. Foto: Jan Globacev

Diskussion mit Kommunalpolitikerinnen und -politikern im Stephanus-Haus.
Foto: Jan Globacev

Uwe Gockel, unabhängiger Bürgermeisterkandidat, bestätigte die gute und im Ort sehr geschätzte Arbeit des HoT-Teams: „Sie haben wirklich einen beeindruckenden Zugang zu Kindern und Jugendlichen. Dies gilt es unbedingt zu erhalten.“ Wer die eigentlichen Verlier der geplanten Kürzung wären, stellte Bürgermeister Reiner Allerdissen (SPD) unmissverständlich klar: „Die Jugendlichen sind die Verlierer! Und das ist eindeutig der falsche Ansatz. Warum man hier nicht die Bedarfe der Jugendlichen bedacht hat, ist mir unerklärlich.“ Er appellierte an die HoT-Mitarbeitenden und die Kirchengemeinde, Gespräche mit dem Kreis Paderborn aufzunehmen und auf die Verluste vor Ort hinzuweisen. „Die gute Arbeit des HoT können wir als Kommune leider nicht auffangen und können keine finanziellen Mittel dafür zur Verfügung stellen.“ Mariana Menne-Koch (FWB) machte deutlich: „Kinder- und Jugendarbeit vor Ort bedeutet Prävention. Das ist ganz wichtig für die Zukunft und spart Geld.“

Pfarrerin Sabine Sarpe erinnerte auch an die hohe Anzahl von Kindern und Jugendlichen, die aus bedürftigen Familien kämen und im HoT gefördert würden. Dass diese Kinder auf alternative Angebote im Umkreis ausweichen würden, sei unrealistisch.

Nach der Diskussion war schnell klar: Die Kommunalpolitikerinnen und -politiker sind sich fraktionsübergreifend einig, dass die unverzichtbare Arbeit des HoT fortgesetzt werden muss. Sie wollen den politischen Druck auf den Kreis Paderborn und die politischen Entscheidungsträger entsprechend erhöhen und auf den bevorstehenden Missstand hinweisen.

Pfarrerin Sarpe und die HoT-Mitarbeitenden zeigten sich anschließend dankbar und erleichtert, dass ihre Arbeit vor Ort wertschätzend angenommen wird. Sie baten die Vertreterinnen und Vertreter der Parteien, sich mit ihren Kreistagsabgeordneten für das HoT Borchen einzusetzen: „Wir brauchen Sie“, so ihr Appell. Eine kleine Hoffnung machte indes eine weitere, geplante Evaluation der Zahlen im Jahr 2021.

Das Team des HoT Borchen: (v. l.) Till Bäcker, Julia Frielingsdorf und Martina Hayn (es fehlt Kerstin Hayn) mit Pfarrerin Sabine Sarpe (r.). Foto: Jan Globacev

Das Team des HoT Borchen: (v. l.) Till Bäcker, Julia Frielingsdorf und Martina Hayn (es fehlt Kerstin Hayn) mit Pfarrerin Sabine Sarpe (r.).
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